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e80^3 – Sanierungskonzepte zum Plus-Energiehaus

Subprojekt 1 „Grundlagenarbeiten“


Dieses Projekt ist ein Subprojekt des Leitprojekts “e80^3-Gebäude – Sanierungskonzepte zum Plus-Energiehaus mit vorgefertigten aktiven Dach- und Fassadenelementen, integrierter Haustechnik und Netzintegration"

Ziel in Subprojekt 1 war die Fixierung des Demonstrationsgebäudes aus einem Pool an potentiellen Sanierungsobjekten. Mit Hilfe eines neu entwickelten Kriterienkataloges zur Evaluierung des Potenzials von großvolumigen Wohngebäuden für deren Sanierung zu „Plus-Energiegebäuden“ wurde ein Benchmarking der unterschiedlichen Gebäude durchgeführt und gleichzeitig der Kriterienkatalog in der Praxis getestet.

Ausgangssituation/Motivation

Dass ein Hauptteil der Einsparungen des Energieverbrauches in der Europäischen Union im Gebäudebestand erfolgen muss, darüber sind sich alle einig. In Anbetracht der Dringlichkeit der Situation müssten alle oder möglichst viele der Gebäude aus der Zeit von 1945-80 saniert werden. Es gibt auch Gebäude, deren Weiterbestand aus Gründen ungünstiger Situierung oder ihrer Bausubstanz nicht sinnvoll erscheint. Daher ist bei der Betrachtung eines Gebäudeportfolios auch die Frage berechtigt, ob eine Sanierung überhaupt durchgeführt oder in welchem Umfang und mit welcher Priorität Maßnahmen gesetzt werden sollen.

In Österreich stehen für den Neubau und die Sanierung bereits bestehende nationale Bewertungstools mit unterschiedlicher Zielsetzung zur Verfügung. Grundsätzlich sind dies die Bewertungstools im Rahmen der klima:aktiv-Programmlinie (Kriterienkataloge Wohnungsneubau und Sanierung) und das TQB (Total Quality Building) Gebäudebewertungssystem. Diese bestehenden Tools eignen sich für die Bewertung ab der Planungsphase, mit dem Schwerpunkt der Beurteilung des Zustandes nach der Fertigstellung oder Sanierung. Tools, die daher erst zum Einsatz kommen, wenn die Entscheidung für eine Sanierung bereits gefallen ist. Bauherrn und–frauen, EigentümerInnen und PlanerInnen steht bei der Betrachtung eines einzelnen Gebäudes oder eines Gebäudeportfolios vor Planungsbeginn noch kein Instrument zur Verfügung, welches eine Unterstützung in der Entscheidungsfindung "Sanierung, Erhaltung oder Abbruch?" bietet.

Inhalte und Zielsetzungen

Das erste Subprojekt „Grundlagenarbeiten“ des Leitprojektes „e80^3“ zielte auf die Auswahl einer geeigneten Wohnanlage aus einem Pool an potentiellen Sanierungsobjekten der beiden beteiligten WohnbauträgerInnen ab.

Ziel der vergleichenden Bewertung mehrerer potentieller Sanierungsobjekte vor Planungsbeginn war es, deren Potenzial miteinander vergleichen zu können und für jedes Objekt die richtige Sanierungsstrategie zu finden. Anhand der erarbeiteten allgemein gültigen Bewertungskriterien wird die Beantwortung der Fragen:

  • Sanierung, Erhaltungsmaßnahmen, Abbruch oder Ersatzneubau ?
  • Sanierung ja, aber welche?

unterstützt.

Der erarbeitete Kriterienkatalog ist in vier Bewertungskategorien unterteilt, die jeweils unabhängig voneinander betrachtet werden:

  • Qualität des Standortes und der Gebäude
  • Sanierungspotenzial
  • Potenzial Plus-Energie
  • Potenzial Sanierungsmodul

Die Unterteilung soll eine Differenzierung ermöglichen. Ein Gebäude an einem guten Standort (Qualität der Infrastruktur der Umgebung) muss nicht mit hohem Sanierungspotenzial ausgestattet sein. Ein Ersatzneubau ist langfristig sinnvoller als eine hohe Investition in eine Sanierung. Ein hohes Sanierungspotenzial muss nicht gleichzeitig mit den Möglichkeiten ein Plus- Energiegebäude verwirklichen zu können, übereinstimmen. Der Katalog schafft die Grundlage für die Auswahl der optimalen Sanierungsstrategie für das jeweilige, individuelle Objekt – dies muss nicht zwingend eine Sanierung mit vorgefertigten Elementen sein, sondern wird von den Rahmenbedingungen der Anliefermöglichkeiten, der Gebäudekubatur und den Fassadenstrukturen abhängen.

Methodische Vorgehensweise

Die Identifikation der Bewertungskategorien und relevanten Kriterien war Ausgangspunkt der Entwicklung. Um eine Durchgängigkeit der verschiedenen Bewertungstools (klima:aktiv, TQB, Wohnbauförderungskriterien,….) zu erzielen, wurden diese Kriterien recherchiert und auf ihre Relevanz für die Entscheidungsfindung überprüft. Die Einarbeitung fand vor allem im Bereich „Qualität des Standortes und der Gebäude“ statt, Kriterien und Bewertungsmodi für die drei anderen Kategorien wurden bis jetzt noch nicht erfasst und mussten aus Erfahrungswerten der Praxis und Neuentwicklungen generiert werden. Parallel zu diesem Entwicklungsprozess wurde für sechs Objekte – Mehrfamilienhäuser von Wohnbaugenossenschaften eine Bestandserhebung durchgeführt und die relevanten Daten für die Eingabe in den Kriterienkatalog ermittelt. Überarbeitungen durch Erfahrungen aus der ersten Anwendung des Kriterienkataloges anhand dieser sechs Praxisbeispiele und aus Tests der beteiligten ProjektpartnerInnen führten zur nunmehr vorliegenden Version des Kriterienkataloges. Der Erläuterungsbericht zum Kriterienkatalog weist auf die Parallelen hin und macht das Bewertungsschema transparent.

Erwartete Ergebnisse

Gebäude mit hohem Potenzial zu identifizieren und mit einer optimalen Strategie zu reagieren – ist nunmehr möglich. Der vorliegende Kriterienkatalog zielt auf die Beurteilung vor Planungsbeginn ab und stellt die Frage: Ist eine Sanierung an dem jeweiligen Standort mit den gegebenen Rahmenbedingungen überhaupt sinnvoll? Wenn diese Aussage getroffen und mit JA beantwortet werden kann, soll eine Weiterführung des Projektes in den beiden bestehenden Bewertungssystemen möglich sein. Daher sind wesentliche Kriterien der klima:aktiv Kriterienkataloge und der TQB (Total Quality Building) Bewertung miterfasst, um eine durchgehende Linie der Bewertungsmethodik zu garantieren. Beispiele dafür sind die Bewertung der Infrastruktur am Gebäudestandort oder die Prüfung von Nachverdichtungsmöglichkeiten bei Wohngebäuden.

Die Anwendung des Kriterienkataloges auf den Sanierungsprojektpool mit sechs Wohngebäuden ergab eine vergleichende Übersicht, zeigte das Potenzial der einzelnen Objekte, bewies aber auch die Praxistauglichkeit und Ergebnisrelevanz des Kriterienkataloges.

Für das Leitprojekt „e80^3“ führte dieser Entscheidungsfindungsprozess zur Fixierung des Demonstrationsprojektes und damit zum Ausgangspunkt für die weitere Umsetzung.

In weiterer Folge steht damit nun ein Bewertungstool zur Verfügung, das bereits vor dem Planungsbeginn ansetzt und auf eine nachhaltige Sanierungsentwicklung des Gebäudebestandes abzielt.

Haus der Zukunft Plus-Leitprojekte
Building of Tomorrow Plus – Flagship projects


Projektleitung

DI Dr. Karl Höfler

Auftraggeber

Haus der Zukunft Plus

Projektpartner

Nussmüller Architekten ZT GmbH, www.nussmueller.at
Ennstal SG, www.wohnbaugruppe.at
ÖWG/ÖWGes, www.oewg.at

Publikationen

Kriterienkatalog Plus-Energiesanierung

Version 2.2 vom Jänner 2011