Gebäudebegrünung wissenschaftlich bewertet

© Universität Graz / Simon Benal
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HeinrichBiCool © Rendering: UNI Graz - Direktion für Ressourcen und Planung

Gebäudebegrünungen gelten als zentrale naturbasierte Lösung, um die Auswirkungen des Klimawandels im urbanen Raum zu reduzieren. Sie können sommerliche Überhitzung mindern, den Kühlenergiebedarf senken, das Mikroklima verbessern und die Biodiversität fördern. Mit der 2024 in Kraft getretenen EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) gewinnen Bauwerksbegrünungen zusätzlich als Maßnahme zur Steigerung der Energieeffizienz an Bedeutung. Für eine breite Umsetzung fehlen bislang jedoch belastbare wissenschaftliche Daten aus realen Anwendungsfällen.

Hier setzt das FFG-Demonstrationsprojekt HeinrichBiCool an. Am Gebäude der Theologischen Fakultät der Universität Graz wird eine umfassende Fassaden-, Balkon- und Dachbegrünung umgesetzt und unter realen Nutzungsbedingungen wissenschaftlich untersucht. Ziel des Projekts ist es, den Einfluss der Begrünungsmaßnahmen auf das sommerliche Raumklima, den Energiebedarf und die Biodiversität quantitativ zu erfassen und deren Wirksamkeit auf Basis belastbarer Messdaten zu bewerten.

AEE – Institut für Nachhaltige Technologien übernimmt die wissenschaftliche Projektleitung und verantwortet das Monitoring sowie die bauphysikalischen Analysen, Gebäudesimulationen und Strahlungsberechnungen. Ein umfassendes Vorher-Nachher-Monitoring bildet die Grundlage für die Bewertung der Begrünungsmaßnahmen. Ergänzend werden saisonale und tageszeitliche Effekte analysiert sowie die Messergebnisse mit Simulationsmodellen verknüpft, um die Übertragbarkeit auf andere Gebäude und Standorte zu ermöglichen.

Die wissenschaftlichen Arbeiten bauen auf Erkenntnissen der Forschungsstudie MARGRET auf, in der Begrünungssysteme unter kontrollierten Bedingungen untersucht wurden. Mit HeinrichBiCool werden diese Ergebnisse nun an einem real genutzten Bestandsgebäude validiert. Dadurch entstehen fundierte Erkenntnisse über das tatsächliche Potenzial von Gebäudebegrünungen zur Reduktion sommerlicher Überwärmung und zur Verbesserung der Energieeffizienz.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist der Vergleich naturbasierter Begrünungsmaßnahmen mit technischen Kühlsystemen hinsichtlich thermischem Komfort, Energiebedarf, Wirtschaftlichkeit und Treibhausgasemissionen. Darüber hinaus werden die Auswirkungen der Begrünung auf die urbane Biodiversität sowie kosteneffiziente Umsetzungsstrategien für Fassadenbegrünungen untersucht.

Mit seinem interdisziplinären Forschungsansatz liefert HeinrichBiCool wissenschaftlich fundierte Bewertungsgrundlagen für die Planung und Umsetzung klimaresilienter Gebäude. Die Projektergebnisse tragen dazu bei, naturbasierte Lösungen für die Gebäudeklimatisierung evidenzbasiert zu bewerten und ihre Anwendung in der Bau- und Sanierungspraxis sowie bei der Umsetzung der europäischen Energie- und Klimaziele zu unterstützen.

Auftrag/Fördergeber

Bundesministerium Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI)

Programm

Mission Klimaneutrale Stadt – Technologien und Innovationen für klimaneutrale Städte (TIKS)

Projektkoordinator

Universität Graz – Direktion für Ressourcen und Planung

Projektpartner

 

Kontakt

Martina Majcen