Smart Readiness Indicator – Zeit für nationale Gesetzgebung oder Markteinführung?
Der Smart Readiness Indicator (SRI) wurde von der Europäischen Kommission im Jahr 2018 in der EU-Gebäuderichtlinie zur Bewertung der „Intelligenzfähigkeit von Gebäuden“ eingeführt. Nach der Einführung einer Methode zur Berechnung des SRI Ende 2020 wurde eine freiwillige Testphase für interessierte Länder gestartet – Österreich war der erste Mitgliedsstaat der EU, der an dieser Testphase offiziell teilgenommen hat. Diese Entwicklung wurde national im Projekt „SRI Austria“ vorbereitet. In der letzten EU-Gebäuderichtlinie von 2024 wird der SRI im Artikel 15 Absatz 2 ab 2027 für große Nichtwohngebäude gefordert.
Die Ergebnisse der SRI-Testphasen zeigten deutlich, dass die Wirkung des SRI weniger von seiner Detailtiefe als von seiner Anwendbarkeit abhängt. In allen beteiligten Ländern wurde daher empfohlen, den SRI methodisch zu vereinfachen, nationale Schwerpunkte festzulegen und die Bewertung eng an bestehende Gebäude- und Energiestandards anzulehnen. Insbesondere die Integration in bestehende Bewertungssysteme – etwa den Energieausweis – wurde als entscheidend für Akzeptanz und Marktwirkung identifiziert.
Das EU-LIFE-Projekt SRI2MARKET nutzte ab 2022 die Erfahrungen von Ländern wie Österreich und Frankreich, die bei der Einführung des Smart Readiness Indicators (SRI) weiter fortgeschritten waren, um andere Länder zu unterstützen und zum Handeln anzuregen, die nicht zu den „Early Movers“ gehörten, das waren konkret Kroatien, Zypern, Portugal und Spanien.
SRI2MARKET hat dabei nicht nur Wissen transferiert, sondern konkrete Entscheidungsgrundlagen geschaffen: Welche Teile der SRI-Methodik sind national anzupassen, welche sollten EU-weit vergleichbar bleiben und wo besteht Spielraum für Vereinfachungen, ohne die Aussagekraft zu verlieren. Diese Fragen wurden gemeinsam mit Ministerien, Energieagenturen, Auditor*innen und Marktakteuren bearbeitet.
AEE INTEC hat dabei immer versucht, die Rahmenbedingungen für die Politik („Policy Context“) mit den inhaltlichen Schwerpunkten der SRI-Bewertungsmethodik zu verknüpfen. Daraus entstanden Empfehlungen für Anpassungen in der von der EU vorgeschlagenen SRI-Berechnungsmethode und ein Prozess dazu (siehe Bild). Die Projektergebnisse zeigen, dass nationale Entscheidungen zu Domänen, Services und Gewichtungen des SRI nicht als rein technische Detailfragen zu verstehen sind. Diese Festlegungen beeinflussen das Bewertungsergebnis wesentlich und sollten daher vor einer breiten Anwendung transparent und regulatorisch abgestimmt erfolgen. Empfohlen wird ein schrittweises Vorgehen mit Analyse, Pilotanwendungen, Rückkopplung mit Stakeholdern und anschließender methodischer Feinjustierung.
Ein Lernprogramm und Tools zur Anleitung von SRI-Auditor*innen und Optimierung von Gebäudebewertungen wurde im Projekt entwickelt, sowie Schulungen für Energieausweis-ErstellerInnen zum SRI und zur Methodik seiner Berechnung organisiert. Aus den Testphasen wurde deutlich, dass eine einheitliche Auslegung der Servicekataloge und Funktionalitätsstufen entscheidend für vergleichbare Ergebnisse ist, hier aber auch noch Nachschärfungsbedarf seitens der EU-Kommission besteht. Strukturierte Schulungen, digitale Bewertungstools und begleitende Qualitätssicherungsmaßnahmen reduzieren Interpretationsspielräume und erhöhen die Verlässlichkeit der SRI-Bewertung erheblich.
AEE INTEC koordinierte in Österreich viele Abstimmungsrunden mit dem OIB, Bundesländervertreter*innen und dem zuständigen Ministerium (BMWET, und vorher BMK) zu möglichen Anpassungen bei der Einführung eines SRI. AEE INTEC war, gemeinsam mit Johannes Fechner vom IBO, für viele Abstimmungen und Veranstaltungen mit Stakeholdern verantwortlich, und entwickelte davon ausgehend die EU-Methodik weiter, inhaltlich unterstützt von FH Technikum Wien. Es wurde weiters von der BOKU mit Unterstützung von AEE INTEC ein Schnell-Erkundungstool für Gebäudeeigentümer und Facility Manager mit SRI-Upgrade-Möglichkeiten zur bestehenden EU-Methodik erstellt.
Eine Markteinführung des SRI ist in einigen EU-Ländern in Vorbereitung, die nationale Gesetzgebung wird noch auf die neuen Verordnungen seitens der EU im Jahr 2027 warten. Österreich ist jedenfalls gut vorbereitet und hat sich Gehör bei der EU verschafft. Die Erfahrungen aus Österreich bestätigen zudem, dass eine frühzeitige Einbindung von Verwaltung, Fachinstitutionen und Marktakteuren die nationale Entscheidungsfindung erleichtert. Dadurch liegen belastbare Grundlagen vor, um den SRI künftig entweder in bestehende Instrumente – wie den Energieausweis – zu integrieren oder ihn gezielt als ergänzendes Bewertungsinstrument einzusetzen.
Das Projekt wurde im November 2025 abgeschlossen,
mit dem nun vorliegenden Endbericht liegen erstmals konsolidierte Empfehlungen vor, wie der SRI von einem Testinstrument zu einem praxistauglichen Bestandteil nationaler Gebäude- und Energiepolitik weiterentwickelt werden kann.
Auftrag/Fördergeber
Programm
Projektkoordinator
Dimitris Athanasiou, Institute for European Energy and Climate Policy (IEECP)
Projektpartner