Start zur thermischen Nutzung von Brandschutzeinrichtungen
Österreich will bis 2040 klimaneutral werden. Der Schlüssel dazu liegt im Wärmesektor, der rund 50 % des nationalen Energiebedarfs ausmacht. Da erneuerbare Wärme nicht immer passgenau erzeugt wird, sind Wärmespeicher unverzichtbar: Sie müssen die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage flexibel schließen – von der stündlichen Spitzenabdeckung bis zur saisonalen Speicherung für den Winter.
Hier knüpft das von AEE INTEC geleitete Forschungsprojekt DUO-TES an. Im Fokus steht eine platz- und ressourcenschonende Speicherart: die thermische Nutzung vorhandener Sprinklerbecken. Die Bezeichnung „Duo“ unterstreicht dabei die clevere Doppelnutzung der Anlagen als Brandschutz- und thermische Energiespeicher.
Hohes Potenzial durch breite Anwendung
Das Potenzial einer solchen Doppelnutzung ist riesig – allein in Österreich werden jährlich rund 250 – 300 Sprinkleranlagen gebaut, wobei die typische Beckengröße bei 400 – 600 m³ liegt. Bei den in Österreich insgesamt bestehenden 6 Mio. m³ Sprinklertankvolumen ergibt sich eine Gesamtspeicherkapazität von 175 GWh. Die Anwendungsbereiche reichen von der thermischen Nutzung im Gebäude selbst über innovative Quartierslösungen bis hin zur Integration in Nah- und Fernwärmenetze – jeweils zur flexiblen Speicherung von Wärme und Kälte.
Multidisziplinäre Betrachtung des Speicherkonzepts
Hauptziel von DUO-TES ist, ein kosteneffizientes Speicherkonzept durch die thermische Aktivierung bestehender Sprinklerbecken zu entwickeln. Um die sichere Doppelfunktion ohne Beeinträchtigung des Brandschutzes zu garantieren, beleuchtet das Projekt alle relevanten Dimensionen:
- Sicherheit & Brandschutzregulatorien: Striktes Einhalten und Adaptieren bestehender Brandschutzvorschriften, Untersuchung der Materialhaltbarkeit und Dampfdiffusion sowie Konzepte zur Vermeidung von Kavitation an den Pumpen.
- Thermodynamik & Netzintegration: Durchführung dynamischer Systemsimulationen durch AEE INTEC, um den Speicher Exergie-optimiert in das Gesamtenergiesystem einzubinden. Dies beinhaltet neben der Optimierung geeigneter Dämmmaßnahmen auch die Analyse des transienten Systemverhaltens bei unterschiedlichen Betriebsweisen.
- Techno-ökonomische & ökologische Bewertung: Begleitende Kostenanalysen sowie Be- und Entladestrategien sichern die Wirtschaftlichkeit, während die ökologischen Einsparungen präzise quantifiziert werden, um den realen Mehrwert der Doppelnutzung zu belegen.
Fazit: Hohe Praxisrelevanz für die Wärmewende
Ein Konsortium aus Forschung, Brandschutz, Anlagenbau und Energieversorgung verbindet hierfür Theorie, Simulation und realen Betrieb auf Augenhöhe. Basierend auf dem Erkenntnisgewinn hinsichtlich des System- und Anlagenverhaltens unter realen Bedingungen liefert das Projekt der Branche klare Brandschutz-Richtlinien sowie technisch ausgereifte Implementierungsstrategien. Damit entsteht ein wegweisender Baustein, um ungenutzte Infrastrukturen zu aktivieren und Österreichs Wärmewende entscheidend zu beschleunigen.
Auftrag/Fördergeber
Programm
TIKS – Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt 2025
Projektkoordinator
Projektpartner
- GET – Güssing Energy Technologies GmbH
- IBS – Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung
- KGT Gebäudetechnik GmbH
- WIEN ENERGIE GmbH