„nachhaltige technologien 01 | 2021"

Resilienz auf Kosten des Umweltschutzes? Viele ExpertInnen waren der Meinung, dass Versor- gungssicherheit nur mithilfe von fossilen Energien und durch zentrale Systeme gewährleistet werden kann. Bisherige Ergebnisse aus der internationalen Kooperation zeigen jedoch, dass Resilienz und Nachhaltigkeit sich auch wechselseitig verstärken können, und Ansätze zur Kosten-Reduktion und Nut- zung von erneuerbaren Ressourcen gleichzeitig auch zu verlässlicheren Energiesystemen führen. Ein konkretes Beispiel dafür sind Speicher für Wärme und Kälte: Sie erlauben einen höheren Nutzungsgrad von erneuerbaren Energien. Durch die Steigerung der Redundanz wird die Resilienz erhöht und ein kurzzeitiger autarker Betrieb ermöglicht. Gleichzeitig können Betriebskosten gesenkt werden, da in Zeiten hoher Energiekosten auf den Speicher zurückgegriffen werden kann. Auf Gebäudeebene kann Bauteilaktivierung zur Resilienz beitragen, in- dem sie genauso wie ein Speicher die Auswirkungen eines Versorgungsausfalls reduziert. Gleichzeitig erlaubt Bauteilaktivierung die Nutzung erneuerbarer Energien, da Heizen und Kühlen mit nahezu Umge- bungstemperatur möglich ist. Fazit Die sehr gute Versorgungssicherheit in Österreich beweist, dass Resilienz hierzulande einen hohen Stellenwert in der Energieversorgung hat. Laufende Entwicklungen wie die Dezentralisierung der Versor- gungssysteme und gesteigerte Umweltgefahren be- dürfen jedoch einer Verankerung von Resilienz in der Planung von Versorgungssystemen auf Gebäude- und kommunaler Ebene. Der im IEA ECB Annex 73 entwickelte und hier beschriebene Ansatz kann als Grundlage zur Integration von Resilienz auf diversen Ebenen dienen und bietet interessante Anknüpfungspunkte und Synergien mit bestehenden Planungstools. Dr. in Anna Maria Fulterer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs „Gebäude“ bei AEE INTEC. a.m.fulterer@aee.at Dr. Ingo Leusbrock ist Leiter des Bereichs „Städte und Netze“ bei AEE INTEC. i.leusbrock@aee.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper [1] 2019 betrug die kundenbezogene Nichtverfügbarkeit SAIDI etwa 51 Minuten, im Jahr 2008 waren es 44 Minuten. https://www.e-control.at/statistik/strom/statistik-fuer-versorgungsqualitaet/stoerungsstatistik [2] Projektlinks https://www.iea-annex73.org/annex-73/, https://annex73.iea-ebc.org/ [3] nach: « Jeffers, Robert, et al. "Integration of Resilience Goals into Energy Master Planning Framework for Communities." ASHRAE Transactions 126.1 (2020)“ [4] Vugrin, E., A. Castillo, and C. Silva-Monroy. 2017. Resilience Metrics for the Electric Power System: A Performance-Based Approach. Sandia National LaboratoriesReport. SAND2017-1493. [5] Ein Beispiel sind die Maßnahmen nach Ausfall eines Kraftwerks zur Wiederherstellung der Wärmeversorgung im Nürnberg (Feb. 2021) https://www.spiegel.de/panorama/nuernberg-ruft-nach-brand-in-kraftwerk-katastrophenfall-aus-a-eb8063b3-17ae-4651-932d-6578bd984b99 "Die Energietransition im Gebäudesektor ist nur erreichbar, wenn es gelingt, die Einzelbetrachtung von Gebäuden zugunsten des Quartierskontexts aufzuweiten, um innovative und wirtschaftliche Ansätze für den Neubau und Gebäudebestand umzusetzen. In der Zusammenarbeit mit AEE INTEC im IEA-Projekt „Towards Near Zero Energy Resilient Communities“ ist es auf Basis der von AEE INTEC analysierten Fallstudien aus den 12 Teilnehmerländern erstmals gelungen, eine Reihe von wertvol- len Benchmarks und Zusammenhängen zu identifizieren und für zukünftige Projekte zugänglich zu machen. Mit dem „Case Study Book- Near Zero Energy Resilient Communities“ hat das hochmoti- vierte Projektteam von AEE INTEC einen wichtigen Meilenstein für die Planung von dekarbonisierten Quartieren für Forschung und Praxis bereitgestellt." Rüdiger Lohse , KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH, Operating Agent von IEA EBC Annex 73 27 26 GEBÄUDE

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