„nachhaltige technologien 01 | 2023"
ausgleichenden Beitrag im Stromsystem leisten. Außerdem kann eine Rückführung des Wasser- stoffs in das Stromsystem langfristig eine Option zur saisonalen Verlagerung der erneuerbaren Ener- gieproduktion darstellen. • Infrastrukturentwicklung: Technische und regu- latorische Adaptierung für Wasserstoff im Gasnetz und in Endanwendungen Leitungen, durch die heute noch Erdgas fließt, sollen künftig zu reinen Wasserstoffleitungen wer- den. Um industrielle Cluster und Großverbraucher zu beliefern, wird es teilweise neue, dezidierte Wasserstoffleitungen benötigen. • Internationale Kooperation und Wasserstoffpart- nerschaften: Aufbau von internationalen Partner- schaften im Bereich klimaneutralen Wasserstoffs Der Bedarf wird die heimischen Produktions- potenziale jedenfalls übersteigen und Importe notwendig machen. Um Importmöglichkeiten zu schaffen und gleichzeitig heimischen Unterneh- men Perspektiven für Handelspartnerschaften zu ermöglichen, werden internationale Partnerschaf- ten aufgebaut und Österreich bestmöglich in den entstehenden internationalen Wasserstoffmarkt eingebunden. • Forschung und Entwicklung: Stärkung des For- schungs- und Wirtschaftsstandorts Österreich durch Wasserstofftechnologien Die Exportpotenziale für Erzeugungs-, Speicher- und Transporttechnologien in diesem Bereich sind enorm. Durch Investitionen in Forschung und Ent- wicklung sollen sich österreichische Akteure in den entstehenden Wertschöpfungsketten bestmöglich integrieren. Genau darauf zielen die „Important Projects of Common European Interest“ ab, die das BMK im Bereich Wasserstoff mit 125 Millionen Euro unterstützt. Umsetzungsstand und Ausblick Zur Umsetzung der Wasserstoffstrategie wurde eine nationale Wasserstoffplattform eingerichtet, diese soll einen laufenden Dialog zu den Stakeholdern sicherstellen und begleitet von einem Beirat auch Empfehlungen für die zuständigen Ministerien erarbeiten. In einem öffentlichen Jahresbericht in- formiert die Plattform über Fortschritte und Maß- nahmen zur Umsetzung. Darüber hinaus wird das BMK dem Parlament ab 2023 alle zwei Jahre einen Evaluierungsbericht vorlegen. Die Abbildung zeigt den gezielten Einsatz des raren Energieträgers: allem voran soll dieser in der Industrie zum Einsatz kommen – sei es stofflich genutzt in der chemischen Industrie, als Reaktionsmittel in der Stahlindustrie oder in Hochtemperaturprozessen als thermische Energie. Auch in der Luft- und Schifffahrt, wo es eine sehr hohe Energiedichte braucht, wird Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen. Außerdem unterstreicht die Abbildung die Bedeutung für das Energiesystem an sich, als Speicher und zur Stabili- sierung des Systems durch entsprechend dienliche Steuerung der Erzeugung. Aufbauend auf der Priorisierung formuliert die Stra- tegie folgende Zielsetzungen: • Einsatz von klimaneutralemWasserstoff: Weitest- gehende Substitution von fossilem mit klimaneu- tralem Wasserstoff in der Industrie bis 2030 Bis 2030 sollen 80 Prozent des Wasserstoffbedarfs der energieintensiven Industrie durch klimaneut- ralen Wasserstoff ersetzt werden. In diesen Berei- chen wird Wasserstoff sowohl energetisch als auch nicht-energetisch (als Grundstoff) genutzt und bis dato aus Erdgas gewonnen. • Kapazitätsaufbau: Aufbau von 1 GW Elektrolyse- kapazität bis 2030 Bis 2030 sollen Anlagen mit einer Elektrolysekapa- zität von insgesamt einem Gigawatt bereitstehen, das entspricht der Produktion von 4 TWh Wasser- stoff. Zum Vergleich: die deutsche Wasserstoffstra- tegie setzt sich ein Ziel von 5 GW Elektrolysekapa- zität und EU-weit sollen es 40 GW bis 2030 sein. • Marktentwicklung: Schaffung eines Unterstüt- zungsrahmens für die Produktion von erneuerba- rem Wasserstoff Aktuell ist erneuerbarer Wasserstoff nicht kon- kurrenzfähig. Um dies zu ändern, werden Inves- titionsförderungen für Elektrolyseanlagen sowie Begünstigungen bei der Netztarifierung, den Öko- stromförderumlagen und bei den Anschlusskosten im Rahmen des Erneuerbare-Ausbau-Gesetzes (EAG) implementiert. • Aufbau eines zu 100 Prozent erneuerbaren Ener- giesystems: Etablierung der Wasserstoffproduk- tion durch Elektrolyse als integraler Bestandteil des Energiesystems Die Wasserstoffwirtschaft wird einen Beitrag zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit leis- ten. Durch Betrachtung der Elektrolyseanlagen als integralen Bestandteil des Energiesystems sollen diese durch einen netzdienlichen Betrieb einen Dipl.-Ing. Arno Gattinger ist in der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien (III/3) des Bundesministeri- ums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) für den Bereich Wasserstoff zuständig. Arno.Gattinger@bmk.gv.at LEITARTIKEL 5 4
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