„nachhaltige technologien 01 | 2024"
Bei den Biomethanherstellern ist ein deutlicher Trend zu beobachten, sich für Rohstoffe zu entscheiden, die die besten THG-Einsparungen ermöglichen, d. h. landwirtschaftliche Reststoffe, organische Sied- lungsabfälle, Klärschlamm und Industrieabfälle 1 . Wieso Repowering? Die steigende Bedeutung von Biomethan als Energie- träger führt dazu, dass bestehende Biogasanlagen auf die Produktion von grünem Methan (Erdgasqua- lität) umgestellt werden, um den neuen Marktanfor- derungen gerecht zu werden und grünen Treibstoff zu produzieren. Die Entscheidung für Repowering, die Umstellung und Erweiterung bestehender Bio- gasanlagen, beruht auf einer Vielzahl von Gründen, die sowohl ökonomische als auch technologische Aspekte berücksichtigen. Durch die Integration mo- derner Technologien kann die Effizienz gesteigert werden. Dies bedeutet nicht nur eine optimierte Energieausbeute, sondern auch eine Reduzierung der Betriebskosten. Die Verfügbarkeit von Rohstoffen für die Biogasproduktion kann sich im Laufe der Zeit ändern. Die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Rohstoffe ist entscheidend für eine nachhaltige und langfristige Biogasproduktion. Durch den Austausch und die Modernisierung veralteter Anlagenkompo- nenten, kann die Zuverlässigkeit und Leistungs- fähigkeit der Anlage gewährleistet werden und trägt zur Verbesserung der Betriebssicherheit bei. Der Einsatz moderner Technologien und die Aktu- alisierung von Sicherheitssystemen minimiert das Risiko von Betriebsstörungen und fördert eine zuver- lässige und kontinuierliche Energieproduktion. Herausforderungen für Repowering Die Umstellung und Erweiterung von Biogasanlagen stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Ein sich wandelnder politischer und rechtlicher Rahmen erfordert kontinuierliche Anpassungen, um Unsicher- heiten bezüglich Fördermechanismen und Umwelt- auflagen zu bewältigen. Die Verfügbarkeit geeig- neter Substrate ist zentral, da Schwankungen die kontinuierliche Produktion beeinträchtigen können. Technische Anpassungen müssen nahtlos in den Be- trieb integriert werden, während komplexe Genehmi- gungsverfahren Verzögerungen verursachen können. Aufgrund der zunehmenden Nutzung von organi- schen Rest- und Abfallstoffen ist die Vorbehandlung sowie eine optimal ausgelegte Rührwerks- und Fermenter-Technologie entscheidend, insbesondere bei höheren Trockenmassegehalten und Faserantei- len, um den Mikroorganismen der Biogasanlage den Abfallstoff effizient zur Verfügung zu stellen. Der aktuelle Stand der Technik im Bereich der mecha- nischen Vorbehandlungsmethoden sieht Zerkleine- rungsaggregate, wie zum Beispiel Hammermühlen oder Prall-Zerkleinerer, für die Vergrößerung der Biomasseoberfläche und deren vereinfachte Durch- mischung vor. In Europa haben im Jahr 2022 über 50 Prozent der Biomethananlagen eine Membran- Separationstechnologie im Betrieb genutzt, um ihr Biogas zu veredeln. In den letzten vier Jahren hat sich insbesondere die Membrantechnologie der neu gebauten Anlagen aufgrund von einfacher Handha- bung und vergleichsweise günstigen Betriebskosten durchgesetzt. Bei sehr großen Anlagen bzw. Biogas- volumenströmen können auch andere Technologien wie z. B. die Druckwasserwäsche, die Aminwäsche oder die Druckwechsel-Adsorption wirtschaftlich sein 7 . Hohe Anfangsinvestitionen und die Notwendig- keit von gut durchdachter Infrastruktur, inklusiven Anschlüssen und Abfalltransport, stellen weitere finanzielle und organisatorische Herausforderungen dar. Gleichzeitig erfordert die effiziente Bewältigung von Gärresten angemessene Lagerkapazitäten und Düngemanagement-Strategien. Eine erfolgreiche Transformation erfordert daher eine enge Zusam- menarbeit zwischen Betreibern, Behörden und Tech- nologieanbietern sowie eine flexible Anpassung an sich ändernde Bedingungen. "Biogas hat sich vom grünen Gas zum Allrounder entwickelt. Nicht nur erneuerbare Energie, in Form von Strom und Wärme, kann produziert werden, sondern auch Treibstoff. Wir sehen das Biomethan als eine klimaneutrale Alternative zum Erdgas, da es zeitlich als auch räumlich flexibel gespeichert werden kann. Mit unseren Biogas- und Biomethananlagen lösen wir nicht nur Abfallprobleme unserer Kunden, sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz" Martin Schlerka, CEO BIOGEST Foto: Gerlinde Gorla Andronika Kirov, MSc, ist als Senior Marketing & Communication Managerin bei BIOGEST tätig. andronika.kirov@biogest.at , https://www.linkedin.com/in/andronika-kirov-1521a8162/ 7 EBA Statistical Report 2023, S. 29
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