„nachhaltige technologien 01 | 2024"
großvolumige Speicherung von erneuerbarer Energie in Form von Wasserstoff in ausgeförderten Erdgasla- gerstätten entwickelt. Eine 2-MW-Elektrolyseanlage erzeugt aus erneuerbarem Strom klimaneutralen Wasserstoff. Dieser wird mit Hilfe von Verdichtern in eine aus- geförderte Erdgaslagerstätte, einem sogenannten Porenspeicher, in der Gemeinde Gampern (OÖ) gepumpt. Wird der Wasserstoff aus dem Speicher geholt, ist eine Aufreinigung und Trocknung nötig. Nutzungsmöglichkeiten für den gespeicherten Was- serstoff können sein: • Wasserstoffbeimischung ins Erdgasnetz • Direktverwendung in der energieintensiven Indust- rie, wie zum Beispiel der Stahlindustrie • Aufbereitung und Verwertung des Wasserstoffs mit hoher Reinheit zum Beispiel in der Halbleiter- industrie Grüne Industrie Ein Anwendungsbeispiel für Wasserstoffeinsatz in der Industrie ist das Projekt H2Pioneer. Wasserstoff wird in der Halbleiterfertigung von In- fineon Villach als Trägergas verwendet. Nach dem Fertigungsprozess wird Wasserstoff unverbraucht und verdünnt an die Atmosphäre abgegeben. Hohe Reinheitsanforderungen an den eingesetzten Wasserstoff, gepaart mit hohem Verbrauch, stellen große Herausforderungen für Qualitätssicherung, Versorgungssysteme und Logistik dar. Bisher erfolgt die Versorgung mit Flüssigwasserstoff, der aus fossilen Rohstoffen hergestellt wird, mittels LKWs aus Deutschland. Im Projekt H2Pioneer wird eine Demonstrationsan- lage zur Erzeugung von hochreinem Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen mittels PEM- Elektrolyse vor Ort bei Infineon umgesetzt. Mittels nachhaltig erzeugten Stroms kann die Anlage bis zu 800 kg grünen Wasserstoff pro Tag herstellen. Neben der Sicherstellung höchster Reinheitsanforderungen soll die Versorgungssicherheit erhöht werden. Ein Anlagenkonzept für die Verwertung des bis dato an die Atmosphäre abgegebenen Wasserstoffs wird erarbeitet. Dabei werden sowohl die Rezyklierung in den Wasserstoffversorgungspfad als auch die energetische Nutzung des Wasserstoffs betrachtet. Dadurch wird ein wesentlicher Beitrag zur Effizi- enzsteigerung der Wasserstoffproduktion und -ver- wertung sowie zur Etablierung der „Green Industry“ und Sektorkopplung im Rahmen der Projektziele von WIVA P&G geleistet. Grüne Mobilität Auch in der Defossilierung des Mobilitätssektors, der weltweit für mehr als 20 Prozent des CO 2 - Ausstoßes verantwortlich ist, wird Wasserstoff seinen Beitrag leisten. Im Individualverkehr, inklusive PKWs und Klein- transporter, kann die Elektrifizierung mit den immer effizienteren und stärkeren Batterien den Bedarf gut abdecken und die entsprechende Leistung erbringen. Für Busse, Schwertransporter und Binnenschiffe, so wie bei schwer zu elektrifizierenden Zugstrecken ist Wasserstoff der effizienteste Treibstoff. Hier hat Wasserstoff vor allem den Vorteil, dass höhere Reichweiten erreicht werden können und die Betan- kungszeit entsprechend kurz ist. Auf der Österreichi- schen Projektlandkarte findet man hierzu vor allem Projekte für die Umstellung und Betankung von Bussen im öffentlichen Verkehr (z. B. ZEMoS in Salz- burg und H2REAL in Wien), Projekte zur Umstellung von Zugstrecken auf Wasserstoffantrieb (HyTrain in Tirol), sowie ein Projekt, bei dem ein klassischer 40-Tonner-LKW auf einen Brennstoffzellenantrieb umgebaut wird (FC4HD). Hierbei muss auch der Aus- bau der Infrastruktur (Tankstellen) für die Betankung mitgedacht werden. Für noch größere Verkehrsmittel, wie z. B. Flugzeuge oder Seeschiffe, stößt Wasserstoff bald an seine Grenzen. Wasserstoff ist ein sehr diffuses Element und hat eine geringe Energiedichte. Um eine hohe Energiedichte zu erreichen, muss hoher Druck aufge- baut werden, was wiederum mehr Energie und spe- zielle Druckcontainer benötigt. Daher wird bei See- schiffen und Flugzeugen auf E-Fuels gesetzt. E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die mit Hilfe von Strom aus Wasser und CO 2 gewonnen und im üblichen Verbrennermotor eingesetzt werden können. Bei der Verbrennung von E-Fuels wird, wie auch bei fossilen Treibstoffen, CO 2 freigesetzt. Durch die Bindung des CO 2 bei der Gewinnung von E-Fuel entsteht hier aber ein klimaneutraler CO 2 -Kreislauf. Wasserstoff wird unterirdisch in einer ausgeförderten Erdgaslagerstätte gespeichert Foto: RAG Austria AG 7 6 GRÜNE TREIBSTOFFE
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