„nachhaltige technologien 01 | 2025"
Lösemittel, verbrauchte Katalysatoren oder Abfälle aus der mechanischen Verarbeitung. Es wird deutlich, dass für die Bestimmung der Nettoemissionen aus Bioraffinerien in einer wissenschaftlichen Betrach- tung daher eine „cradle to cradle“ Betrachtung im Sinne einer LCA nötig ist, von der Berücksichtigung der Biomasseherkunft über Produktion und Produkt- nutzung bis hin zur finalen Senke des Kohlenstoffs aus biogenen Rohstoffen. CCS und CCU: Technologien zum CO 2 -Management Die biologische Kohlenstoffaufnahme durch Wälder oder Humifizierung ist eine natürliche Senke für atmosphärisches CO 2 . Um die Dringlichkeit der Klimakrise zu adressieren, gewinnen darüber hinaus technische Lösungen wie Carbon Capture and Sto- rage (CCS) und Carbon Capture and Utilization (CCU) zunehmend an Bedeutung. In Bioraffinerien spricht man analog von B(io)CCS bzw. B(io)CCU. Besonders effizient ist die CO 2 -Abscheidung an sogenannten Punktquellen mit hohen CO 2 -Konzentrationen im Abgasstrom, beispielsweise bei Zementwerken (15-20% CO 2 ), Stahlwerken (20% CO 2 ) oder – als Bio- raffineriebeispiel – Ethanol-Produktionsanlagen (99% CO 2 ) [3] .Da die Kosten der Abscheidung mit steigendem CO 2 -Gehalt im Abgas sinken, lassen sich wirtschaftli- che Lösungen in solchen Industrien am einfachsten realisieren [4] . Während das abgeschiedene CO 2 bei CCS dauerhaft in geologischen Formationen gespeichert wird, wird es bei CCU für die Herstellung synthetischer Kraftstoffe, Chemikalien oder Bauma- terialien genutzt. Die klimapolitische Wirksamkeit von CCU hängt jedoch stark von der CO 2 -Quelle, dem für die Aufwertung notwendigen Energieeinsatz und der Lebensdauer der hergestellten Produkte ab. Der Weg zu Net Zero Viele Bioraffinerien haben sich das Ziel gesetzt, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die Umset- zung dieser Ambitionen ist jedoch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden, beispielsweise hinsicht- lich technologischer Entwicklungen, Marktakzeptanz und politischer Rahmenbedingungen. Um damit umzugehen, ist eine stufenweise Implementierung der identifizierten Maßnahmen erforderlich, die flexibel an neue Gegebenheiten angepasst werden kann. Zu diesen Schritten zählen einfache Anlagen- modernisierungen für erhöhte Energieeffizienzen oder die Versorgung mit erneuerbaren Energien, aber auch die Implementierung von innovativen THG-Verwertungsstrategien wie CCU und CCS, und der Wechsel von fossilen zu biogenen Rohstoffen als Plattform-Bausteine für fortschrittliche Materialien und Alltagsprodukte. Dies bedarf einer wachsenden ANZEIGE Schweizer Innovation und Seilhandwerk seit 1904 jakob.com
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2