„nachhaltige technologien 01 | 2025"
Drohnen auf der Jagd nach Hitze In der bei AEE INTEC entwickelten Smart-City-Sen- sing Methode werden nun all diese für die Hitze relevanten physikalischen Messgrößen messtech- nisch erfasst. Das besondere an der Methode ist, dass die Bestimmung der Strahlungstemperatur nicht lokal, für wenige Standorte, erfolgt, sondern in einem dreidimensionalen Strahlungsmodell flächendeckend durchgeführt werden kann. Dies gestattet es hochaufgelöste, detaillierte Hitzekarten der untersuchten Gebiete anzufertigen, die neben den Hitzeindikatoren (wie z. B. gefühlte Temperatur), auch alle wesentlichen Einflussparameter räumlich aufgelöst darstellen können. Zur Anfertigung die- ses dreidimensionalen Strahlungsmodells wird das Untersuchungsgebiet mit einer Drohne mit zwei Spe- zialkameras beflogen. Mit der Thermalkamera wird die von allen Flächen ausgehende Wärmestrahlung detektiert, während mit der Multispektralkamera die rückreflektierte Solarstrahlung erfasst wird. Die hierbei entstehenden umfangreichen Bildserien werden in einem aufwändigen Prozess ausgewertet und in ein dreidimensionales Strahlungsmodell des Stadtgebiets überführt. In diesem Modell kann dann die sonst sehr aufwändige Messung der Strahlungs- temperatur virtuell an einer Vielzahl von Messpunk- ten durchgeführt werden. Die innovative Methode lieferte bereits bei ihrer ersten prototypischen Anwendung in Graz so aus- sagekräftige Ergebnisse, dass das Klimainformati- onssystem (KIS) der Stadt Graz sogleich den großen Nutzen des neuen Werkzeugs erkannte. In der Folge wurde die Methode nun mittlerweile in sieben Ge- bieten des Grazer Stadtgebiets angewendet. Wei- ters erfolgten umfangreiche Untersuchungen für den Kernbereich der Städte Weiz und Wolfsberg. Die gewonnenen Daten werden nach Abschluss der Untersuchungen den Stadtplaner*innen und Entscheidungsträger*innen übersichtlich in Form eines interaktiven, dreidimensionalen Stadtmodells online zur Verfügung gestellt. Dies gestattet es den Entscheidungsträger*innen, sich auf wertvolle und wissenschaftlich objektivierte Fakten zu stützen, um optimierte Klimawandelanpassungsmaßnahmen zu entwickeln. In Graz lieferten die Erkenntnisse im Bereich Tummelplatz und Bischofsplatz eine wert- volle Basis für den Stadtplanungswettbewerb zu deren Umgestaltung (siehe den Artikel "Die Rolle von Mikroklimaanalysen bei Neugestaltungen des öffentlichen Raumes" auf Seite 9 dieser Ausgabe). Ermittlung der Hitzebelastung bzw. der empfundenen Temperatur auf Basis des UTCI-Modells (Universal Thermal Climate Index) Quelle: AEE INTEC Identifizierte Hotspots mit hoher Hitzebelastung im Gebiet Wielandgasse/Grazbachgasse in Graz Grafik: AEE INTEC STRAHLUNG LUFT Klassifizierung vor-Ort Messung Drohnen-/Modellmessung Physiologisches Modell „gefühlte Temperatur" UTCI (°C) Temperatur Feuchte Strömungsgeschw. MRT mittlere Strahlungstemperatur > +46 +38 to +46 +32 to +38 +26 to +32 +9 to +26 0 to +9 0 to -13 +-13 to -27 -27 to -40 < -40 extremer Hitzestress sehr starker Hitzestress starker Hitzestress moderater Hitzestress neutral leichter Kältestress moderater Kältestress starker Kältestress sehr starker Kältestress extremer Kältestress 7 6 LEBEN IM KLIMAWANDEL
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