„nachhaltige technologien 01 | 2026"
regionalen Erneuerbaren-Energie-Gemeinschaften (EEG) – aktuell zwölf EEGs, ergänzt um eine Bürger- energiegemeinschaft (BEG). Der Prozess zur Abwick- lung der Energiegemeinschaften wird durch erfah- rene Partner unterstützt, beispielsweise durch den Raiffeisenverband Steiermark, die Raiffeisen Landes- bank, und neue innovativ Handelnde, wie Enlion und So-Strom, die Organisation, Abrechnung und Betrieb professionell begleiten. In diesen Gemeinschaften können Haushalte, Betriebe und Gemeinden lokal erzeugten Strom gemeinsam nutzen – selbst wenn keine eigene PV-Anlage vorhanden ist. Bisher sind bereits 2 000 Mitglieder und 4 000 Zählpunkte Teil der EEGs und haben 3 GWh Strom im Jahr 2025 ge- handelt – Tendenz stark steigend. Die bis Oktober 2026 geltenden rechtlichen Rahmen- bedingungen für Energiegemeinschaften stellten die interessierte Bevölkerung immer wieder vor Heraus- forderungen. Bei über 50 Informationsabenden im Jahr 2025 wurden besonders häufig Fragen zu Netz- zugangsbeschränkungen – teils für bereits errichtete Erzeugungsanlagen – gestellt, oder zu Einsparungen bei den einzelnen Strompreisbestandteilen wie Energiepreisen, Abgaben, Gebühren und Netztarifen. Unsicherheiten führten mitunter zu Unmut. Beson- ders unverständlich war für viele die Trennung in regionalen Nahebereiche, eine der größten Hürden für die Teilnahme an EEGs. Als regionaler Nahebereich gilt jener Bereich, in dem alle Verbraucher*innen und Erzeuger*innen über eine Sammelschiene eines Umspannwerks und im Kon- zessionsgebiet eines Netzbetreibers verbunden sind. Eine offizielle Karte dazu gibt es in der Steiermark nicht. Teilweise existieren bis zu fünf unterschiedli- che regionale Nahebereiche pro Gemeinde und somit die Notwendigkeit von bis zu fünf unterschiedlichen EEGs – mit unterschiedlichen regionalen Handeln- den, Betreiber*innen und Anmeldeplattformen. Kein Wunder, dass es für die Bevölkerung oft schwer ist, dabei den Überblick zu behalten. Das Ende 2025 be- schlossene Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) soll hier allerdings für Vereinfachungen sorgen und die Teilnahme an EEGs erleichtern. Forschung als Schlüssel zum 100 Prozent-Erneuer- baren-Energiesystem Um zukünftig mehr lokal erzeugten Strom auch lokal zu nutzen, wurden innovative Projekte mit wichtigen Kooperationspartnern gestartet – darunter 4ward Energy Research GmbH (Konsortialführung), AEE – Institut für Nachhaltige Technologien (AEE INTEC), Institut für Operations und Information Systems, Universität Graz, und Innovationszentrum W.E.I.Z.. Begonnen haben die Tätigkeiten bereits 2021 mit dem Ziel der Finanzierung eines Gemeinschafts- speichers mit Hilfe von Regelenergie. Dieser Ansatz wurde vor allem auf Grund von rechtlichen Unsi- cherheiten verworfen. 2025 gelang schließlich der Durchbruch: Ein kleiner Quartierspeicher mit 50 kWh konnte im Innovationszentrum W.E.I.Z. integriert werden, inklusive innovativem Stromspende-Ansatz, und bringt allen Teilnehmenden wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gewinn. Seit 2021 hat sich der Ausbau der Photovoltaik in der Region vervielfacht, damit rücken neue Fragestel- lungen in den Fokus: Wohin mit den Überschüssen, wenn die Sonne scheint? Und wie lässt sich die Versorgung sichern, wenn sie es nicht tut? Genau an diesem Punkt setzen weitere Forschungsprojekte an. Entlastung der Netze und Optimierung des Energiesystems Langfristig sollen Erneuerbare-Energie-Gemein- schaften von reinen Verteil- und Abrechnungs- Gemeinschaften zu aktiv gesteuerten, optimierten Energiesystemen werden. Das Projekt „Energiege- meinschaften 2.0: Realisierung von Mehrwert durch Flexibilitäten“ – kurz „Flex’n EnErGie“ wird flexible Services entwickeln, welche den Mitglieder*innen der EEGs einen echten Mehrwert bieten. Vorhandene Fle- xibilitäten – etwa Batteriespeicher, E-Ladestationen oder Wärmepumpen – werden gezielt in den WEIZ- plus-Energiegemeinschaften aktiviert. So lassen sich Erzeugung und Verbrauch besser in Einklang bringen, Netze werden entlastet und der Eigenverbrauch nach- „Energiegemeinschaften machen die Transformation der Energieversorgung sichtbar. Damit entstehen völlig neue Möglichkeiten für alle Bürger*innen aktiv auf den Energiemärkten teilzunehmen. Das Energy Sharing begünstigt auch die optimierte Nutzung der erzeugten Energie. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen weiter entwickelt werden, um Sicherheit und Stabilität für alle Beteiligten zu garantieren.“ Harald Proidl, Leiter Abteilung Ökoenergie / Leiter Energieeffizienzmonitoringstelle, E-Control Foto: E-Control/Wilke
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