„nachhaltige technologien 01 | 2026"
Eine visuelle Zusammenfassung des GridExchange-Projekts mit Elementen des dezentralen erneuerbaren Energiesystems (Photovoltaikanlagen auf Dächern, Batteriespeicher, intelligente Technologie und die Blockchain-basierte GridExchange-App) Quelle: Alectra Inc. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Ergebnisse des „GridExchange“-Projekts, dessen Ziel es war, die Energieverteilung innerhalb eines bestehenden lokalen Netzes zu verbessern. 21 Privathaushalte und vier lokale Unternehmen wurden über eine neuartige Blockchain-basierte Peer-to-Peer-Ener- giehandelsplattform, basierend auf einer Software und einer Smartphone-App namens "Grid-Exchange" in die Verwaltung dezentraler Energiequellen (Distributed Energy Resources, DER) eingebun- den. Die GridExchange-App ermöglichte einen sicheren Energieaustausch in Echtzeit mit einem robusten Abrechnungsprozess. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Natural Resources Canada, Sunverge, der University of Waterloo, FLO und Savage Data Systems ins Leben gerufen und ermöglichte es den Teilnehmer*innen, lokal erzeugte Energie inner- halb ihrer Gemeinde zu kaufen, zu verkaufen und zu teilen und gleichzeitig eine finanzielle Vergütung für ihre Beiträge zu erhalten. Die Teilnahme erfolgte durch Energiedienstleistungsanfragen über die App, die durch Alectra Utilities organisiert wurden, bei- spielsweise wenn ein Anstieg des Energiebedarfs im Netz zu erwarten war. Diese Kontaktaufnahme zielte einerseits darauf ab, den Spitzenenergiebedarf zu bewältigen bzw. die Netzlast zu Spitzenlastzeiten durch Maßnahmen wie das Vermeiden des Ladens von Elektrofahrzeugen während dieser Zeiten zu reduzieren. Außerdem sollte die Nutzung sauberer Energiequellen wie Solarenergie anstelle der Ener- gie aus dem Netz forciert werden. Und schließlich konnte man sich an Ausgleichsmaßnahmen zur Netzstabilisierung beteiligen. Die Teilnehmer*innen wurden hier beispielsweise ermuntert, Energie aus ihren lokalen Batterien zu nutzen. Der Wert der Vergütung variierte dabei je nach Priorität, wobei für dringliche Energiedienstleistungsanfragen höhere Anreize geboten wurden. Die hier vorgestellte Forschung umfasste die Durch- führung von Interviews mit Teammitgliedern und Teilnehmer*innen, die an GridExchange beteiligt waren, und die Analyse anderer verfügbarer Infor- mationen, einschließlich Projektdokumenten. Die halbstrukturierten Interviews konzentrierten sich auf eine Reihe von Fragen, die von Subtask 4 der Globalen Beobachtungsstelle für Peer-to-Peer-Energiehandel bereitgestellt wurden. Die Studie erfasste den sozi- alen und wirtschaftlichen Wert anhand der Motive, die die Teilnehmer dazu bewogen, sich zunächst zu beteiligen und sich während des gesamten Projekts zu engagieren. Motivation für die Teilnahme Die Teilnehmer*innen von GridExchange zeigten großes Interesse daran, einen Beitrag zu leisten – vor allem motiviert durch ihr Interesse an Klimaschutz und ihr Bestreben, Umweltprobleme durch erneuer- bare Energien zu lösen. Andere interessierten sich für technologische Fortschritte oder schätzten die Unabhängigkeit und Kontrolle über ihre Energiever- sorgung. Das Engagement wurde auch stark von den finanziellen Vorteilen beeinflusst, die das Projekt bot. Weiters waren Gamification durch „GridExchange- Rewards“ („GxRewards“) und Glaubwürdigkeits- bewertungen wirksame Mittel, um die Teilnahme zu fördern. Als „GxRewards“ wurden Treuepunkte bezeichnet, die Kunden jedes Mal erhielten, wenn sie an den Energiedienstleistungsanfragen teilnah- men. Diese konnten sie bei lokalen Unternehmen, die am GridExchange-Ökosystem teilnahmen, ge- gen Produkte und Dienstleistungen einlösen. Die Glaubwürdigkeitsbewertung der Teilnehmer*innen vermittelte nicht nur ein Erfolgserlebnis, sondern erhöhte auch die Berechtigung zur Teilnahme an den netzdienlichen Energiemaßnahmen. Die Häufigkeit der Interaktionen mit der Plattform wurde von Alectra Utilities strategisch aufrechterhal- ten. Wie Projektteammitglied „Anto“ erklärte: „Die Kontaktaufnahme erfolgte jeden zweiten Tag, wenn nicht sogar täglich, um sicherzustellen, dass es zu einer Interaktion mit den Kund*innen kommt.“ Durch den regelmäßigen Kontakt über die Plattform blieben die Teilnehmer*innen während des gesamten Pilot- projekts engagiert. 25 24 ENERGIEGEMEINSCHAFTEN
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