„nachhaltige technologien 01 | 2026"
Marcin Krupski hat sein Jurastudium an der Universität Warschau abgeschlossen und einen LL.M. in internationa- lem Handelsrecht an der Akademia Leona Koźmińskiego (ALK) erworben. Seit August 2024 arbeitet Marcin Krupski als Senior Policy Officer bei der EHPA im Bereich Klimapolitik, mit einem Schwerpunkt auf F-Gas- und PFAS-Vor- schriften im Zusammenhang mit Kältemitteln. die Optimierung der Kältemittelfüllmengen über die gesamte Produktlebensdauer und Maßnahmen zur Verbesserung der Rückgewinnung und Kreis- lauffähigkeit von Kältemitteln. Parallel dazu haben die Hersteller die Entwicklung und den Einsatz von Wärmepumpen mit nicht fluorierten Kältemitteln vo- rangetrieben, insbesondere dort, wo diese Optionen technisch machbar, wirtschaftlich rentabel und mit den Sicherheitsanforderungen vereinbar sind. Interessensvertreter*innen weisen jedoch darauf hin, dass nicht fluorierte Kältemittel nicht universell für alle Wärmepumpentypen, -kapazitäten oder -temperaturbereiche einsetzbar sind. Sicherheitsauf- lagen können die Auswahl der Kältemittel ebenfalls einschränken. Darüber hinaus beeinflussen sozio- ökonomische Faktoren wie Energiepreisvolatilität, Investitionszyklen, Risikomanagementpraktiken, standortspezifische Integrationskosten und die tech- nischen Anforderungen von industriellen Prozessen und Hochtemperaturprozessen das Tempo und den Umfang der Technologiesubstitution. Aus diesen Gründen sind Verfügbarkeit und Eignung von Alterna- tiven nach wie vor stark anwendungsspezifisch. Granularität ist essenziell Im Rahmen des PFAS-Beschränkungsprozesses betonen Branchenvertreter*innen die Wichtigkeit, Entscheidungen auf repräsentative und aktuelle Emissions- und Verwendungsdaten zu stützen, einschließlich der Unterscheidung zwischen Produkt- kategorien und Betriebsbedingungen. Wärmepumpen werden weithin als wichtiger Bestandteil der Dekarbonisierungsstrategie der EU angesehen, da sie den Verbrauch fossiler Brenn- stoffe im Heizungsbereich reduzieren und bei sach- gemäßem Einsatz zu Energieeffizienzsteigerungen beitragen können. Die Politik sollte zur Maximierung dieses Beitrags Ambitionen mit praktischer Umset- zung verbinden: Die Unterstützung von Zielen für „saubere“ Heizungslösungen und Energieeffizienz bei gleichzeitiger Gewährleistung eines kohärenten und vorhersehbaren Rechtsrahmens und der Mög- lichkeit, die Wahl der Kältemittel an technische und sicherheitsrelevante Anforderungen anzupassen, dient der Sicherheit und Planbarkeit in der Branche. Die F-Gas-Verordnung der EU und die mögliche PFAS-Beschränkung sind die beiden wichtigsten Rechtsinitiativen im Bereich Kältemittel im Wärme- pumpensektor. Die F-Gas-Verordnung konzentriert sich auf die Reduktion der Auswirkungen von Kältemitteln auf das Klima, indem der Einsatz von Gasen mit hohem Treibhauspotenzial (GWP) begrenzt und ein Marktwandel vorangetrieben wird. Der PFAS-bezogene Prozess zielt darauf ab Stoffe zu beschränken, die eine hohe Umweltpersistenz aufweisen, darunter viele synthetische fluorierte Chemikalien. Für Hersteller*innen von Wärmepumpen ist das Zusammenspiel dieser beiden Rahmenwerke sowohl eine praktische als auch eine rechtliche Frage. Beispielsweise könnten Produkte nach PFAS-Kriterien eingeschränkt werden, die nach der F-Gas-Richtlinie zugelassen sind (Beispiel Hydrofluoroolefine). Vertreter*innen der Industrie fordern, dass die ECHA klar erkennen lassen sollte, wo es zu Überschneidun- gen kommen kann, da für Produktentwicklung und Investitionsplanungen Technologieentscheidungen und die Einhaltung von Fristen und Vorschriften eng miteinander verbunden sind. Verbote und Ausnahmeregelungen Im jüngsten Hintergrunddokument, das im August 2025 veröffentlicht wurde, erhielten einige Sektoren aktualisierte Vorschläge für Ausnahmeregelungen, während für neue stationäre Haushalts-, Gewerbe- oder Industriekälte-, Klima- und Wärmepumpengerä- te (RACHP) 6 keine pauschale Ausnahmeregelung vom vollständigen PFAS-Verbot zu erwarten ist. Die einzige zeitlich unbegrenzte Ausnahmeregelung, die in die- sem Dokument für RACHP-bezogene Fälle diskutiert wird, bezieht sich auf Wartungsanforderungen und Situationen, die durch lokale Sicherheitsvorschriften für Wärmepumpen in Gebäuden bedingt sind. Verfügbarkeit von Alternativen In den letzten zwei Jahrzehnten hat der europäische Wärmepumpensektor Maßnahmen ergriffen, um die Lebenszyklusemissionen von Kältemitteln zu redu- zieren. Zu diesen Bemühungen gehören Konstrukti- onsverbesserungen zur Verringerung von Leckagen, 1 Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals – Registrierung, Evaluation Zulassung und Beschränkung von Chemikalien 2 Risk Assessment Committee - RAC 3 Socio-economic Assessment Committee - SEAC 4 Voraussichtlich findet der öffentliche Konsultationsprozess ab Mitte März 2026 nach der nächsten SEAC-Sitzung (9.-13. März 2026) statt und dauert 60 Tage 5 Der dargestellte Zeitplan ist vorläufig. Termine und Verfahrensschritte können sich im Laufe des Regulierungsprozesses noch ändern 6 RACHP - Refrigeration, Air Conditioning and Heat Pump LEITARTIKEL 5 4
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