„nachhaltige technologien 2|2017“

35 34 VERANSTALTUNGEN / SOLARANLAGENBERATUNG / PORTRÄT Anna Maria Fulterer - Faszination Mensch und Technik Kanufahrt der MitarbeiterInnen des Bereichs „Bauen und Sanieren“ auf der Raab ch werde oft gefragt, warum ich mir das antue, täg- lich von Graz nach Gleisdorf zu pendeln, noch dazu mit Fahrrad und S-Bahn. Die Wahrheit ist, dass ich das gern mache: Einerseits liebe ich meine Arbeit - ich bin im Bereich „Bauen und Sanieren bei AEE INTEC tätig, wo ich mich mit Themen beschäftige, die viele meiner Interessen vereinen: Gebäude und ihre Nut- zerInnen, Schulen, Lüftung, Energieversorgung, Ener- giequellen …. Auch die Fahrt zur Arbeit genieße ich sehr, denn sie bietet mir einen Freiraum zwischen Beruf und Familie (ich betreue gemeinsam mit mei- nem Mann unsere zwei Kinder). Ich nutze die Pen- delzeit zum Lesen, Radio oder Podcasts hören (Tipp: „science friday“) oder auch einfach nur dazu, durch die großen Fenster der S-Bahn die Vielfalt der Natur zwischen Graz und Gleisdorf zu genießen. Mein Weg zu AEE INTEC war gar nicht so geradlinig: Aus Südtirol bin ich nach Graz gekommen, um hier Physik zu studieren. Ich habe mich bei Praktika im- mer wieder gern in neue Gebiete aufgemacht. Zum Beispiel habe ich nach dem ersten Studienjahr einige Wochen am Fusionsreaktor des Max-Planck Instituts gearbeitet, ein anderes Mal dann am Fraunhofer Ins- titut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik. Meine Diplomarbeit behandelte bildgebende Verfahren in der Medizin und die Dissertation schließlich Hoch- temperatursupraleitung. Diese Themen interessieren mich immer noch sehr, und ich finde, dass auf jeden Fall auch an diesen Themen weiter geforscht werden soll. Meinen Platz habe ich aber in einem Bereich gefunden, der für mich sehr viel relevanter ist: Die Erforschung und Erprobung von nachhaltigen Tech- nologien in Bereichen, wo sie für jeden sichtbar und nachvollziehbar sind, zum Beispiel die dezentrale Er- zeugung, Speicherung, Einsparung oder Rückgewin- nung von Energie, beim Wohnen und in der Mobili- tät und die Effekte dieser Technologien auf Umwelt und NutzerInnen. Anstelle von punktuellen Entwick- lungen, die für die meisten unsichtbar bleiben, wo auch Risiken und Nebenwirkungen der Technologien oft nicht erkennbar sind, arbeiten wir an den kleinen Veränderungen im Alltag, die alle betreffen. Diese Entwicklung demokratischer Art bewirkt auch eine Transformation der Gesellschaft. Damit sind die The- men, denen wir uns im Bereich Bauen und Sanieren bei AEE INTEC widmen, für mich doppelt interessant: Einerseits weil ich Technik mag, andererseits, weil ich die Auswirkungen der Technik auf Mensch und Gesellschaft spannend finde. Und gerade in der Ge- bäudetechnik trifft Mensch all-täglich auf Technik. Bei unseren Forschungs-und Entwicklungsprojekten geht es darum, wie die gebaute Umgebung in ihrer Wechselwirkung mit natürlicher Umwelt und Mensch nachhaltig und damit zukunftsfähig gestaltet wer- den kann: Beim Projekt RENEW SCHOOL haben wir gemeinsam mit Partnern in Europa untersucht, wie vorgefertigte Holzfassaden dazu beitragen können, die Qualität der Schulgebäude in Europa zu heben. Im internationalen Annex 67 beschäftigen wir uns mit der zukünftigen Rolle von Gebäuden als Spei- chern in Energienetzen. Und beim Projekt „Luft Plus“ haben wir mit Partnern aus der Industrie und der For- schung verschiedene Lüftungssysteme genauer un- ter die Lupe genommen, und sie in Richtung höherer Effizienz weiterentwickelt. Es sind übrigens nicht ausschließlich die spannen- den Themen, die mich jeden Arbeitstag aufs Neue nach Gleisdorf fahren lassen, sondern es ist auch die ersprießliche Zusammenarbeit mit Kollegen inner- halb und außerhalb von AEE INTEC, und auch deshalb liebe ich meinen Beruf! I

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