„nachhaltige technologien 2|2018“

Für eine erfolgreiche Umsetzung ist die Mitwirkung aller Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungs- kette von Abwasser- und Entsorgungswirtschaft bis zur Düngemittelindustrie, die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie unerlässlich. Das Phosphor- netzwerk Schweiz ist ein branchenübergreifendes Netzwerk, das von der Hochschule für Life Sciences, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) mit der Unterstützung von Verbänden und in Zusammenar- beit mit kantonalen und eidgenössischen Behörden betrieben wird. Folgende Angebote des Phosphornetzwerks Schweiz für und mit Partnern existieren: • Informationen zu Technologien, Kosten, Recyclingprodukten, Markt, Umweltauswirkungen und Gesetzgebung, siehe www.pxch.ch . • Informationsveranstaltungen zu aktuellen Entwicklungen und ausgewählte Themen. • Vertretung gemeinsamer Interessen der Schweizer Akteure im Europäischen Raum • gemeinsame Projekte Aktuell laufen 5 Demonstrationsprojekte mit Hinblick auf Umsetzungen in der Schweiz (siehe Tabelle). Pyrophos- Energienutzung und Phosphor Recycling in Altenrhein, Schweiz Der Abwasserverband Altenrhein (AVA) klärt das Ab- wasser von über 100 000 Einwohngleichwerten (EW) und trocknet eigenen und fremden Klärschlamm von insgesamt 400 000 Einwohnern in der Region. AVA entwickelt zusammen mit der Firma CTU Umwelt- und Energietechnik AG und der Hochschule für Life Scien- ces, FHNW das Pyrophos-Verfahren zur energetischen und stofflichen Verwertung des Klärschlamms vor Ort. In einer Wirbelschicht-Pyrolyse wird der Klärschlamm thermochemisch behandelt, so dass Strom, Wärme und ein phosphathaltiger Rohstoff hergestellt wer- den können. Der Strom kann als erneuerbarer Strom ins Netz eingespeist werden, die Abwärme wird für den Eigengebrauch und im lokalen Fernwärmenetz verwertet. Der phosphathaltige Rohstoff hat laut Messungen vom Projektpartner FiBL über 80 % Pflanzenverfügbarkeit (RFE TSP) und soll durch das Branchenwissen des Marktpartners LANDOR wieder in die Landwirtschaft zurückgeführt werden. Die Energienutzung trägt mit 77 % und das Phosphor- produkt 23 % zur Wertschöpfung bei. Damit bleiben die ungedeckten Kosten des neuen Systems inklusive Phosphorrückgewinnung in derselben Größenord- nung wie heute, wo der Klärschlamm ohne Phos- phorrückgewinnung im nahegelegenen Zementwerk entsorgt wird. Phosphorrückgewinnungslösungen für Nordwesteuropa In einem Interreg-Projekt der Europäischen Union (Phos4You www.nweurope.eu/phos4you ) soll demons- triert werden, dass die Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser für große und kleine Kläranlagen machbar ist. Sieben Demonstratoren für Phosphor- Rückgewinnungstechnologien werden ab Herbst 2018 unter Realbedingungen betrieben (siehe nachfolgen- de Tabelle). Demonstrationsprojekte zur Rückgewinnung von Phosphor in der Schweiz Name (Kontakt) Prinzip Produkt Mögliche Anlagengrösse Euphore (ERZO) Thermische Behandlung von Klärschlamm in Drehrohrofen bzw. Wirbelbett Asche als Düngerrohstoff 20 000- 135 000 t Klärschlamm Pyrophos (CTU) Phos4Life (Kt ZH) Aschelaugung gefolgt von Aufreinigung mit Flüssig-flüssig- Extraktion Phosphorsäure 15 000-100 000 t Asche Sepholix (CIMO) Aschelaugung ge- folgt von Fällung mit Kalkmilch Calciumphosphat für Dünger 5 000 t Asche, eventuell mehr ZAB (Bazenheid) Ansäuerung von Klärschlamm- und Tier-und Knochen- mehlasche mit Phosphorsäure Triplesuperphos- phat (Oder NPK- Dünger) 10 000-15 000 t Asche "90% des globalen Phosphorbedarfes wird derzeit in der Düngemittelindustrie eingesetzt. Da die Phosphor- vorkommen in einigen wenigen Ländern konzentriert sind (Marokko, China, USA, Russland und in einigen nordafrikanischen Staaten) und die Phosphorkonzentration in den abgebauten Rohstofflagern zukünftig abnehmen wird, sind sowohl ein Preisanstieg für phosphorbasierte Düngemittel als auch erhöhter Energie- einsatz und Abfallaufkommen bei der Produktion sehr wahrscheinlich. Die Rückgewinnung und Aufwertung von phosphorbasierten Rohmaterilien für die Düngemittelindustrie wird daher von ProPHOS Chemicals S.r.l. als wesentliches Forschungs- und Entwicklungs-Thema für die Zukunft angesehen*.” Marco Michelotti, COO von ProPHOS Chemicals S.r.l., Italien * Derzeit wird die Effektivität einer patentierten Rückgewinnungs- und Aufwertungs-Technologie von phosphorbasierten Rohmaterialien im Projekt PHOSave (Horizon 2020 – SME Instrument Program) demonstriert.

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