„nachhaltige technologien 2|2018“

31 30 NEUE PROJEKTE Auftraggeber: Klima- und Energiefonds Projektpartner: BOKU Institut für Energie- und Verfahrenstechnik (Projektkoordinator ), AEE INTEC, Rudolf Großfurtner GmbH, Sonnenerde GmbH, Next Generation Elements GmbH Ansprechperson: Dipl.-Ing. Christian Platzer, c.platzer@aee.at Nutricoal ermöglicht einen innovativen und nach- haltigen Lückenschluss hinsichtlich der energeti- schen und stofflichen Verwertung aller in einem Schlachtprozess anfallenden Low-value-Abfallströme zu einem hochwertigen und biobasierten High-value- Endprodukt. Hauptziel des Projektes sind die Entwick- lung und Adaptierung der einzelnen Prozessschritte und die Optimierung der gesamten Prozesskette. Fleischverarbeitende Betriebe generieren große Mengen an Abfällen, die aufgrund der nationalen und europäischen Hygienevorschriften eine kosteninten- sive Behandlung erfordern. Üblicherweise werden derartige Abfälle in Tierkörperverwertungsanlagen (TKV) transportiert und dort unter hohem Energieauf- wand verarbeitet. Großfurtner GmbH, einer der größten Schlacht- und Zerlegebetriebe in Österreich, ist weltweit das erste Unternehmen, das in der Lage ist, seine gesamten Abfälle der Kategorie 3 durch ein einzigartiges Fer- mentationsverfahren am Standort energetisch zu verwerten. Neben Biogas für die Energieerzeugung fällt auch ein Fermentationsrückstand an. Aufgrund der relativ niedrigen Nährstoffdichte des Rückstands (hoher Wassergehalt) ist eine wirtschaftliche Anwen- dung – wie generell bei Abfallbiogasanlagen – so gut wie unmöglich. Im Unternehmen fallen zusätzlich be- trächtliche Mengen an Risikomaterialien (Kategorie 1 und 2) sowie Einstreu an, die bislang nur thermisch entsorgt werden konnten. Im Projekt sollen die teure Gärrestverwertung und Entsorgung des Low-value Abfalls insofern gelöst werden, dass man sie in einer synergistischen Art und Weise miteinander verschränkt und ein wertvolles Produkt mit bodenak- tivierenden und bodenverbessernden Eigenschaften gewinnt. Dieses soll nicht nur eine hohe Nährstoff- dichte und Lagerstabilität aufweisen, sondern auch weitgehend frei von klima- und geruchsrelevanten Emissionen ist und durch eine langfristige Kohlenstoff- fixierung im Boden dem Klimawandel entgegenwirken. Aus bislang unge- nützten Abfallstoffen wird durch Pyrolyse das Grundprodukt Biokohle (Nährstoffträger) gewonnen. Durch Variation der Prozessparameter und durch eine gezielte Modifizierung der Kohleoberfläche durch chemische Verfahren wird das Grundprodukt hinsichtlich der Menge und Qualität der zu bin- denden Nährstoffe sowie der maximal erzielbaren Wasserhaltekapazität optimiert. Für die Nährstoff- aufladung der Kohle wird anaerob verarbeiteter Schlachtabfall (Gärrest) mittels eines innovativen Niedrigtemperaturverfahrens (Membrandestillation) aufkonzentriert und als Nährstofflieferant einge- setzt. Zusätzlich zum Konzentrat wird auch Reinwas- ser gewonnen, das als aufbereitetes Prozesswasser im Betrieb eingesetzt werden kann. Das innovative Membrandestillationsverfahren wird im Rahmen des Projektes von AEE INTEC entwickelt. Das erhaltene Produkt wird umfangreich chemisch charakterisiert, der Fokus liegt auf toxischen Stoffen (EBC-Richtlinie) sowie der Quantität und Qualität der adsorbierten Nährstoffe und deren Bioverfügbarkeit im Boden. Dieses Vorhaben stellt in Bezug auf Abfallverwertung und Produktentwicklung nicht nur für die fleischver- arbeitende Industrie, wo europaweit etwa zwanzig Millionen Tonnen Abfälle jährlich anfallen, sondern auch für Landwirtschaft und für die Biogasbranche ein Leuchtturmprojekt dar. Foto: redrex@fotolia.de Verfahrensentwicklung zur Herstellung eines biobasierten Düngemittels mit dosierter Nährstofffreisetzung

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