„nachhaltige technologien 2|2018“
• Ebenso ist die Herstellung von Biodiesel aus Altölen und Altfetten in Österreich etabliert. Als Beispiele können die Erzeugung von Biodiesel aus dem Altöl der Ankerbrot Großbäckerei genannt werden 8 oder auch die Biodieselanlage in Arnoldstein (Kärnten), in der Tierfette und Altfette verwertet werden. 9 • Die Gewinnung von Plattformchemikalien für die Biokunststofferzeugung aus Krustentierabfällen der Fi- schereiindustrie wurde im Labormaßstab untersucht. 10 • Das Unternehmen YNSECT demonstriert derzeit in Frankreich ein Bioraffinerieverfahren bei dem aus Insektenlarven Proteine und Fette für die Futtermittel- industrie sowie Pflanzendünger gewonnen werden. Die Larven werden mit Lebensmittelabfällen gefüttert. 11 • Im Forschungsprojekt AgriChemWhey wird die Er- zeugung von Milchsäure und Polymilchsäure sowie organischem Dünger aus Molke in einem Bioraffine- rieverfahren demonstriert. 12 • Das Projekt Green Protein zielt auf die Valorisierung von grünen Gemüseabfällen aus der Landwirtschaft und nachgelagerten Industrie zur Herstellung von hochwertigem Protein ab. 13 Zusammenfassung und Ausblick Zukünftig können biogene Reststoffe einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Industrie mit erneuerbarer Energie und Rohstoffen als z. B. alternative Kohlenstoff- quellen beitragen. In der 2017 veröffentlichen strategi- schen Forschungsagenda „Renewables4Industry“ wird die verstärkte Nutzung des energetischen Potentials von biogenen Reststoffen in der Industrie als wich- tiges Forschungsthema angeführt. Einerseits soll es dabei um die Herstellung von Kohlenwasserstoffen und Alkoholen gehen, andererseits aber auch um die Entwicklung und Anwendung von Verfahren zur Aufbereitung biogener Abfälle, wie beispielsweise der Torrefizierung. 14 Im Gegensatz zu anderen erneuerba- ren Energiequellen wie Sonne und Wind, bietet der energetische Einsatz von biogenen Reststoffen eine kontinuierliche, bedarfsgerechte Energieversorgung. Zudem sind aus biogenen Abfällen gewonnene flüssige (z. B. Bioethanol, Biodiesel), gasförmige (z. B. Biogas, Biomethan) oder feste (z. B. Biokohle) Energieträger mit bestehenden Technologien gut speicherbar. Vor allem für die Lebensmittelindustrie bietet sich durch die energetische Nutzung biogener Reststoffe großes Potenzial zur Etablierung kaskadischer Rohstoffnut- zung und geschlossener Kreisläufe. Des Weiteren sollte zukünftig verstärkt eine Rückgewinnung von Wertstoffen sowie die Möglichkeit zur Nutzung von Sekundärrohstoffen geprüft werden. Beispiele hierfür sind die Gewinnung von Laktose aus Molke oder von Ölen aus Trestern. 15 Der Umsatz an biobasierten Chemi- kalien wird für die Europäische Union mit 50 Mrd. Euro pro Jahr abgeschätzt. Biokunststoffe, Biolösungsmittel sowie Bioschmierstoffe zeigen dabei einen jährlichen Umsatz in der Höhe von jeweils 0,4 Mrd. Euro, der Umsatz an biobasierten Tensiden wird auf 0,7 Mrd. Euro jährlich geschätzt. Der jährliche Umsatz an biogenen Treibstoffen wird auf 16 Mrd. Euro und jener im Bereich der Bioenergie auf 34 Mrd. Euro geschätzt. Für den biobasierten Chemikalien-Markt wird ein stetiges Marktwachstum prognostiziert. Bis zum Jahr 2030 sollen biobasierte Chemikalien rund 30 % der heute fossil basierten ersetzen. 16 Es zeigt sich, dass im Bioökonomie-Sektor große wirtschaftliche Potenziale für die Industrie stecken. Eine der großen Herausforde- rungen wird sein, diese Potentiale nachhaltig zu heben ohne Konkurrenzen, beispielsweise mit der Ernährung, zu erzeugen. Um zukünftig die Nachfrage nach bio- basierten Stoffen decken zu können und gleichzeitig ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit zur gewährleisten, kann verstärkt auf die Valorisierung von biogenen Reststoffen gesetzt werden. Dr. Karin Fazeni-Fraisl ist Senior Researcher an der Johannes Kepler Universität Linz. fazeni@energieinstitut-linz.at DI (FH) Johannes Lindorfer ist Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Energieinstitut der Johannes Kepler Universität Linz. 8 Vgl. https://www.ankerbrot.at/news/84/ANKER_spart_CO2_ein__Altoel_wird_zu_Biodiesel (dl: 24.04.2018) 9 Vgl. http://www.biodiesel-kaernten.at/ (dl: 24.04.2018) 10 Vgl. https://idw-online.de/de/news452044 (dl: 24.04.2018) 11 Vgl. https://ec.europa.eu/environment/ecoap/about-eco-innovation/business-fundings/company-turns-insect-based-biorefining-reality_de (dl: 24.04.2018) 12 Vgl. https://www.agrichemwhey.com/ (dl: 24.04.2018) 13 Vgl. http://greenproteinproject.eu/ (dl: 24.04.2018) 14 Vgl. Moser, S. et al (2017). Renewables4Industry. Abstimmung des Energiebedarfs von industriellen Anlagen und der Energieversorgung aus fluktuierenden Erneuerbaren. Endberichtsteil 1 von 3. Strategische Forschungsagenda. 15 Vgl. Brunner, Ch. et al (2016). F&E Fahrplan Energieeffizienz in der Lebensmittel- und Textilindustrie. Lebensmittel- und Textilindustrie. Diskussionspapier. 16 Vgl. Scarlat, N. et al (2015). The role of biomass and bioenergy in a future bioeconomy: Policies and facts. Environmental Development, Vol. 15, pp. 3-34. "Die Bioökonomie bietet gute Chancen, neue biobasierte Industriesektoren zu entwickeln und neue Märkte für biobasierte Produkte zu schaffen, bei gleichzeitiger Steigerung der Ressourceneffizienz und Verbesse- rung der Umweltverträglichkeit. Die nachhaltige Nutzung von biogenen Ressourcen trägt zur Verbesserung der wirtschaftlichen und ökologischen Performance der Industrie bei." Karin Fazeni-Fraisl, Senior Researcher, Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz
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