„nachhaltige technologien 02 | 2021"

durchgeführt wurden. In einem Programm für den Zu- gang zu SHIP-Forschungsinfrastrukturen (für Labor- und Feldtests) war auch die Industrie eingeladen, gemein- sam mit INSHIP-Partnern spezifische Fragestellungen in insgesamt neun Kleinprojekten zu bearbeiten. Sowohl das Austauschprogramm als auch die Projekte mit Zugang zu Forschungsinfrastrukturen konnten trotz der Corona-Pandemie erfolgreich abgeschlossen werden, indem physische Reisen durch intensive Online-Zusammenarbeit ersetzt wurden. Leider muss- ten auch die letzten Projekttreffen online durchgeführt werden - das letzte physische Treffen fand im Jänner 2020 in Portugal an der Universität in Evora statt. Fokus Industrie AEE INTEC war im Projekt federführend für die Inte- gration solarer Prozesswärme in der Industrie verant- wortlich. Aufbauend auf der Evaluierung verfügbarer und innovativer Prozesstechnologien wurde daran gearbeitet, wie die Potenziale deutlich erhöht werden können. Im Fokus standen vor allem sogenannte „emerging technologies“ und der Ansatz der Pro- zessintensivierung. Dabei werden Technologien nicht einfach nur verbessert, sondern radikal neu gedacht. Gemeinsam mit den Partnern im Projekt wurden Kon- zepte entwickelt und evaluiert, wie man Solarthermie sowohl als Einzellösung als auch in Kombination mit anderen erneuerbaren Energieträgern in das indus- trielle Energiesystem integrieren kann. Dazu wurden verfügbare Technologien klassifiziert und hinsichtlich ihrer Kombinationsmöglichkeiten evaluiert. Damit sollten sowohl für Einzelbetriebe als auch für Industrieparks Lösungen erarbeitet werden. Grundsätzlich zeigten die Fallstudien, die über einen Zeitraum von 4 Jahren durchgeführt wurden, dass die gesetzten Klimaziele immer größeres Interesse der Industrie an solchen Konzepten hervorrufen und die Nachfrage nach konkreten Lösungen kontinuierlich steigt. Hervorzuheben ist die Kooperationmit nationa- len und europäischen Forschungsprojekten, wodurch Zugriff auf konkrete Fallstudien, Energiedaten und entwickelte Konzepte nah an der Praxis ermöglicht wurde. Die Erfahrungen zeigen, dass betriebsüber- greifende Kooperationen in der Energieversorgung eine Herausforderung sind. Zum einen mangelt es an konkreten Fallbeispielen, die anderen als Vorbild dienen. Zum anderen scheitern solche Projekte an organisatorischen Hürden. So hat ein Beispiel aus der Türkei gezeigt, dass zwar das technische Potenzial von Solarthermie sehr hoch ist, wenn Betriebe aus Industriesektoren angesiedelt sind, die einen für die solare Prozesswärme geeigneten Wärmebedarf haben. Aber die Herausforderung der Solarthermie ist es, sich hier im administrativen Aufwand und Verständnis gegenüber anderen Erneuerbaren wie Photovoltaik durchzusetzen. Diese werden doch noch immer als „low-barrier“ Technologien angesehen. Wichtig ist es deshalb, den Projektentwicklern, aber auch Industriebetrieben ein Werkzeug in die Hand zu geben, mit dem mögliche hybride Energiesysteme, die unterschiedliche Technologien mit solarer Pro- zesswärme kombinieren, identifiziert und bewertet werden können. Im Rahmen von INSHIP wurde von AEE INTEC an einem solchen Tool gearbeitet. Sozioökonomische Bedeutung Im Zeichen der gesetzten Klimaziele ist die Bedeutung der solaren Prozesswärme besonders hervorzuheben. Zwar gilt es die Technologie laufend zu verbessern, was auch die Aktivitäten mit geringem TRL (techno- logy readiness level) im Projekt INSHIP zeigen. Aber gleichzeitig ist die Solarthermie eine erprobte und weit verbreitete Technologie, die schon heute einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie leisten kann. Und dahinter stecken beeindruckende Zahlen, wie die Arbeiten an den sozio-ökonomischen Aspekten der solaren Prozesswärme zeigen. Natürlich liegen den Berechnungen Annahmen zugrunde, die sich an den Marktentwicklungen der letzten Jahre und entsprechenden Vereinfachungen orientieren. Aber selbst wenn sich der Beitrag von Solarthermie zur Abdeckung des industriellen Energiebedarfs eher moderat entwickelt (business as usual), werden bis 2030 allein in Österreich mehr als 45 Millionen € investiert und fast 2.000 Jobs neu generiert. Für die Erreichung der Klimaziele müssen allerdings große Anstrengungen getätigt werden. In optimistischen Szenarien würden bis 2030 mit Investitionen von mehr als 340 Millionen € mehr als 700.000 m² Kollektoren installiert, 14.300 neue Arbeitsplätze geschaffen und 52.000 t CO 2 jährlich eingespart werden. In Deutschland sind die Zahlen entsprechend größer und vor allem für das optimistische Szenario noch beeindruckender, wenn mehr als 90.000 Arbeitsplätze dazu beitragen, 4,5 Millionen m² Kollektoren zu installie- ren und ein Investment von mehr als 2.000 Millionen € zu generieren. Solare Prozesswärme ist ein entschei- dender Wirtschaftsfaktor, das kann trotz der Verein- fachungen klar festgehalten werden. Ausblick Insgesamt trug das Projekt INSHIP maßgeblich dazu bei, die Europäische Forschungskooperation zu SHIP- Technologien und -Anwendungen zu stärken. Über das Projekt hinaus arbeiten viele INSHIP-Partner im Rahmen des neu gegründeten IEA SHC/SolarPACES Task 64/IV zu solarer Prozesswärme bis etwa 400 °C mit. Die koordinierte europäische Forschungszusam- menarbeit zu SHIP mit konzentrierenden Kollektor- technologien wird im Rahmen des neu gegründeten Subprogram 6 des Joint Programme CSP (concentra- ting solar power) der EERA (European Energy Research Alliance; EERA JP-CSP, SP6) weitergeführt.

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