„nachhaltige technologien 02 | 2024"

Seit Beginn der Arbeit bei act4.energy wurden bereits 19 F&E – Projekte in sieben verschiedenen nationa- len und europäischen Programmen durchgeführt, in denen wertvolle neue Erkenntnisse in den Berei- chen Nutzung- und Aggregierung von Flexibilitäten, bei nachhaltigen Mobilitätslösungen, innovativen Batterie- und thermischen Speicherlösungen sowie Sektorkopplungsansätzen, entwickelt und demonst- riert wurden. Aber auch sozialwissenschaftliche Fragestellungen, wie Menschen für die Energiewende erreicht und mo- tiviert werden können, und welche Kommunikations- strategien und -tools dabei hilfreich sind, wurden in diesen Projekten bearbeitet und erprobt. Basierend auf diesen Erfahrungen konnte im Burgenland be- reits zwei Jahre nach dem Start ein 100-prozentiges Roll-out von Energiegemeinschaften erreicht werden, sodass im Burgenland jeder Bürger, jede Bürgerin einer Energiegemeinschaft beitreten kann und damit eine Flächendeckung von 100 Prozent erreicht ist. Als Partner für das Roll-out der Energiegemeinschaften konnte die Raiffeisen-Landesbank Burgenland ge- wonnen werden, die neben der digitalen Plattform 7Energy im Rahmen der „Raiffeisen-Nachhaltigkeit- sinitiative“ die niederschwellige Organisation der Energiegemeinschaften und Kundenbetreuung vor Ort übernimmt. Erfolgsfaktoren für Energiegemeinschaften Im Burgenland sind 19 Energiegemeinschaften mit 3 500 Zählpunkten aktiv, die 1048 Stromproduzenten und 2445 Stromkunden umfassen. Die Mitgliedszah- len der Energiegemeinschaften liegen dabei zwi- schen 50 und 250 Mitgliedern. Der Strombedarf aller Mitglieder beträgt pro Monat etwa 1,3 Millionen kWh, die erzeugte Strommenge beträgt etwa 361 000 kWh. In weiterer Folge wird nach dem Roll-out im Burgen- land das Angebot auch auf die Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Niederösterreich ausgeweitet. In einer zweiten Phase sollen die Daten der Energie- gemeinschaften in Hinblick auf Energieverbrauchs- und Erzeugungsprofile über die digitale Plattform analysiert werden, um maßgeschneiderte Empfeh- lungen für die Energiegemeinschaften abgeben zu können. Weiters soll auch E-Mobilität integriert werden. Ein Erfolgsfaktor für die Organisation der Energie- gemeinschaften im Burgenland ist die Verwendung einer digitalen Plattform für den niederschwelligen Zugang, die einfache Organisation und digitale Ab- rechnung über ein professionelles digitales Tool. Die digitale Plattform zielt dabei auf größere Energiege- meinschaften ab, um die Kosten für die Organisation gering zu halten. Die digitale Plattform 7Energy gewann 2022 den 1. Preis des von WKO & Austrian Blockchain Center ausgelobten Blockchain Award in der Kategorie „Non-Profit“. Weiters sind Energiegemeinschaften mit ihrer ge- meinschaftlichen Organisationsform als Verein oder Genossenschaft ein ideales Vehikel, um gemein- schaftliche Investitionen in Bezug auf den Ausbau von erneuerbaren Energieprojekten zu tätigen, die Einzelpersonen nicht tätigen könnten. Aufgrund ihrer Rechtsform sowie des Vereinsstatuts sind sie sofort handlungsfähig und tragen außerdem zur regionalen Wertschöpfung bei. Erneuerbare Infrastruktur in der Innovationslaborregion Die Energiewende ist im Wesentlichen ein Infra- strukturprojekt, daher ist eine der zentralen Aufga- ben des Innovationslabors act4.energy, in der Region beispielhaft Erneuerbare-Energien-Infrastruktur zu errichten und zu betreiben. Dazu gehört die Instal- lation von PV–Anlagen, Ladeinfrastruktur, aber auch Speichersystemen. Das Kompetenzzentrum solar.one, der Standort des Innovationslabors, ist ein Beispiel dafür. Hier wurden nicht nur modernste Systeme zur Nutzung von Erneuerbaren Energien verbaut – unter anderem fassadenintegrierte PV, eine Schnelllade- station und eine moderne Baukernaktivierung – das Gebäude ist auch für Besucher*innen geöffnet, die sich vor Ort informieren und Energiewende so auch „begreifen“ können. Auch die Gemeinde Ollersdorf im Burgenland dient als Umsetzungsbeispiel. So wurden hier in den letzten rund 10 Jahren eine Reihe von Bürger*innenbeteilungsprojekten für die Errichtung von PV–Anlagen umgesetzt (eine PV-Gemeindeanla- ge, 4 Unternehmensanlagen und 12 Privatanlagen) und rund um das Gemeindeamt, das einen Batte- riespeicher zur Blackout- Vorsorge hat, auch ein in- novatives PV–Carport mit öffentlichen Ladepunkten errichtet. Hundert Prozent Abdeckung durch Erneuerbare Energiege- meinschaften im Burgenland. Quelle: team4.energy 17 16 ENERGIEINNOVATIONEN IN QUARTIEREN

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