„nachhaltige technologien 02 | 2025"
ährlich fallen in Österreich rund 1,3 Millionen Tonnen nicht vermeidbare organische Nebenprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung an, die heute meist in der Tierfütterung oder zur Biogaserzeugung genutzt werden. Diese Reststoffe besitzen jedoch ein weit größeres wirtschaftliches und ökologisches Potenzial, das bislang kaum erschlossen wurde. Das CircularFood-Projekt setzt genau hier an und entwickelt innovative Verfahren, um Lebensmittel- reststoffe optimal zu verwerten. Neue kaskadische Verwertungszyklen für Reststoffe aus der Lebensmittelindustrie CircularFood verfolgt einen ganzheitlichen, kaska- dischen Ansatz, der in Abbildung 1 veranschaulicht wird: Im ersten Schritt extrahieren Forscher*innen hochwertige pflanzliche Proteine aus den Reststof- fen, etwa aus Biertreber oder Kürbiskernpresskuchen. Diese Proteine könnten künftig eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Proteinquellen für die Weiterverarbeitung in der Lebensmittelindustrie bieten. Im zweiten Schritt werden die verbleibenden Reststoffe fermentiert, um Biogas zu erzeugen. Die Gärreste enthalten essenzielle Pflanzennährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium (NPK). Um diese wertvollen Pflanzennährstoffe optimal zu nutzen – werden die flüssigen und festen Bestandteile getrennt und zu Flüssigdünger und Torfersatzstof- fen weiterverarbeitet. In Zusammenarbeit mit den Projektpartner*innen werden die entwickelten Pro- dukte in Praxistests im Gartenbau und der Landwirt- schaft untersucht, um das Potenzial dieses Ansatzes für Bodengesundheit und Pflanzenwachstum zu be- stätigen. So werden verfügbare Nährstoffe bestmög- lich genutzt und der Nährstoffkreislauf geschlossen. Proteine als Wertstoffe – mit neuen Verfahren der Proteinhydrolyse An der BOKU werden die Verfahrensparameter für eine optimale Proteinextraktion aus den Reststoffen entwickelt, um Proteine mit hoher Funktionalität gewinnen zu können. Dabei ist unter anderem die Löslichkeit ein essenzieller Parameter, der betrachtet wird. Erste Versuche im Labor zeigten sehr gute Lös- lichkeiten des Treber-Proteins und hohe Ausbeuten bei ca. 60% Proteingehalt im erzeugten Proteinpulver, beim Kürbiskernpresskuchen konnte eine Proteinkon- zentration über 90% erreicht werden, allerdings mit geringerer Ausbeute. Bereits gewonnene Proteinhyd- rolysate aus Kürbiskernkuchen und Treber wurden im Hochwertige Produkte aus Reststoffen der Lebensmittel- industrie Bettina Muster-Slawitsch, Christian Platzer, Judith Buchmaier, Philipp Petermeier, Theresa Plesch, Christoph Höfer J Abbildung 1: Die Grafik des Projektes visualisiert den komplexen Kreislauf anschaulich: Lebensmittelreststoffe aus Brauereien, Bäckereien, Süßwaren- erzeugung, und der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten werden zunächst zur Proteinextraktion genutzt. Danach folgt die Biogasproduktion, deren Gärreste die Basis für Flüssigdünger und biozertifizierbare Kultursubs- trate bilden, die wiederum in der Landwirtschaft und im Gartenbau der Erzeugung neuer Nahrungsmittel dienen Quelle: circularFood 21 20 IM KREIS GEDACHT - WEGE ZUR ZIRKULÄREN WIRTSCHAFT
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