„nachhaltige technologien 3|2016"

5 4 Die Ausweitung der erneuerbaren Energien auf 629 PJ erfordert gemäß diesem Szenario ein besonders starkes Wachstum von Wind, Photovoltaik, Biomasse und auch ein deutliches Wachstum von Solarthermie und Wasserkraft. Österreich, Energiesystem 2030 im Sinne von Paris (PJ). Und was wäre zu tun? Die Antwort auf diese Frage liegt klar auf dem Tisch. Das Umweltbundesamt in Wien hat erst kürzlich ein realistisches Szenario erneuerbare Energien 2030 vor- gelegt, das die Eckpunkte für eine klimaverträgliche Transformation des Energiesystems vorgibt. Bis 2030 soll der Energieverbrauch um 20% zurückgehen, der Einsatz der fossilen Energien fast halbiert werden und der Anteil der erneuerbaren Energie am Ener- gieaufkommen auf über 60% steigen. Damit würden die CO 2 -Emissionen um 40% gegenüber 1990 sinken, gegenüber 2010 um 44%! LEITARTIKEL Energetischer Endverbrauch Fossile Energien insgesamt 1138 1036 912 571 -45% -20% Veränderung Veränderung 2010 2030 Einheit PJ 2010 2030 Einheit PJ Erneuerbare Energien Anteil ern. Energien am Bruttoendenergie- verbrauch 629 61 395 31 +60% Veränderung 2010 2030 Einheit PJ 2010 2030 Einheit % Energetischer THG Emissionen in Mt CO 2e 78,7 84,8 47,2 -40% -44% Veränderung Veränderung 1990 2030 Einheit Mt CO 2 e 2010 2030 Einheit Mt CO 2 e 47,2 Wasserkraft 138 154 2010 2030 Biomasse 237 319 2010 2030 Wind 7 63 2010 2030 Summe Erneuerbare 0 53 2010 2030 395 629 2010 2030 Umgebungswärme/ Solarthermie 13 40 2010 2030 Österreich, Ausbau erneuerbare Energie 2030 (PJ) Quelle: T. Krutzler et al., Szenario Erneuerbare Energie 2030 und 2050, Umweltbundesamt, Wien 2016 Quelle: T. Krutzler et al., Szenario Erneuerbare Energie 2030 und 2050, Umweltbundesamt, Wien 2016 Die erneuerbare Stromerzeugung sollte etwa 80 TWh erreichen, fast eine Verdoppelung gegenüber 2010 und damit ausreichen, um in Zukunft auch die wachsende E-Mobilität mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Und die Plattform „Klimaschutz jetzt“ hat dazu im Frühjahr 2016 dem Parlament die not- wendigen Leitmaßnahmen für diese Umstel- lung vorgelegt. Dazu zählen als erste Schritte eine rasche ökologische Steuerreform mit 100 Euro je Tonne fossiler CO 2 -Emission und Rückführung der Erlöse an Wirtschaft und Private, das Verbot neuer Ölkessel ab 2018, um die fossilen Energien schrittweise aus dem Wärmebereich zu verdrängen und ein Ökostromgesetz, das den raschen Ausbau erneuerbaren Stroms auf 80 TWh vorsieht. Auch ein baldiges Verbot der Verfeuerung von Kohle in Kraftwerken wird notwendig. Andere Länder sind hier schon weiter: die Installa- tion von Ölkesseln in Dänemark ist schon verboten, Norwegen plant sogar ab 2025 ein Verbot des Verkaufs von PKWs mit Verbren- nungsmotoren, um die PKW-Flotte rasch auf erneuerbare Elektrizität umzustellen. Diese Beispiele zeigen: Jetzt ist einerseits eine neue Dringlichkeit und andererseits ein Kulturwandel im Umgang mit Energie notwendig, weg von fossiler Energie hin zu erhöhter Effizienz und erneuerbarer Energie. Dies gilt für den einzelnen ebenso wie für die Ordnungspolitik des Staates. Paris lieferte dafür die Ziele und den globalen Rahmen. Die Umsetzung liegt an den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaft- lichen Kräften jeden Landes. Sie sollte ethischen Grundsätzen folgen wie Solidarität, Verantwortung, Zukunftsvorsorge. Dr. Heinz Kopetz war viele Jahre Direktor der Landwirtschaftskammer Steiermark und von 2012 bis 2016 Präsident des Weltbiomasseverbandes. Photovoltaik

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