„nachhaltige technologien 3|2017“
30 % des Kältebedarfs ab. Die kumulierte Kostenein- sparung über die Mindestlebensdauer der Anlage von 20 Jahren beträgt 8,2 Millionen Euro. Mit einer gene- rierten Solarwärmemenge von 4 000 MWh werden jährlich rund 410 000 Liter Öl sowie 1 100 Tonnen CO 2 -Emissionen eingespart. Die außergewöhnliche Finanzierungsform Erstmals wurde für ein derartiges Solarprojekt ein „Soft Loan“, ein spezieller Kredit für Entwicklungs- länder, gewährt, was das Spitalsprojekt mit einem besonders hohen Innovationsgrad auszeichnet. Die Entwicklungsdauer dafür betrug mehr als 3 Jahre. Neben einem eigenen Staatsvertrag und Minister- treffen brauchte es einen Parlamentsbeschluss in Nicaragua, bevor es zum Auftrag kam. Finanzierungs- partner ist die Österreichische Kontrollbank. Bei der Exportfinanzierung des Projekts tritt die Österreichi- sche Kontrollbank als Garantiegeber bzw. Soft-Loan gewährende Institution auf. Rückblickend ein zäher Entwicklungsprozess, in dem jedoch wertvolle Erfah- rungen für ein nächstes Projekt gesammelt werden konnten. Diese Finanzierungsform beinhaltet jeden- falls ein hohes Replikationspotential für Projekte in Entwicklungsländern. Bedarf auch in Österreich Auch in Österreich sind Krankenhäuser und Spitäler enorme Energieverbraucher und haben ganzjährig ei- nen hohen Bedarf an Wärme (Warmwasser, Heizung und Lüftung) und Kälte (Klimaanlagen, Kühl- und OP-Räume). Im Jahr 2008 verbrauchten alle Kranken- anstalten Österreichs rund 8 000 TJ, was in etwa 0,7 % des gesamten österreichischen Endenergieverbrauchs bzw. 4 bis 5 % des Endenergieverbrauchs des Sektors der Dienstleistungsgebäude (Nichtwohngebäude) entspricht. Die Energiekosten der Krankenanstalten lagen für 2008 bei rund 225 Millionen Euro 1 . Auch der Bedarf an Klimatisierung wächst nicht nur in Ländern am Sonnengürtel. In Österreich nehmen die Tropentage (Tage über 30°C) vor allem in Städten stetig zu. Während es im Zeitraum 1961-1990 durch- schnittlich nur 3 Tropentage pro Jahr gab, waren es 2012-2016 bereits 21 2 . Dieser Trend hat auch eine Steigerung des Kühlbe- darfs von Krankenhäusern zur Folge und sollte bei der Wahl des Energiesystems berücksichtigt werden. Dipl.-Ing. (FH) Nicole Olsacher ist bei SOLID GmbH in Projektentwicklung und Marketing tätig. n.olsacher@solid.at 1 Quelle: ÖGUT: Bericht über Kennzahlen zum Energieverbrauch in Dienstleistungsgebäuden, S22 2 Quelle: Klimadaten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) Teilkollektorfeld für Warmwasserbereitung und Raumkühlung in Managua (Gesamtkollektorfläche: 4 450 m², 2 600 kW th ) Foto: S.O.L.I.D Gesellschaft für Solarinstallation und Design mbH "Das Anliegen, in seiner direkten Umgebung die Energie- und Klimasituation zu verbessern, ist oft nur der erste Impuls für eine innovative Lösung. Im Umfeld der Forschung und Technologieentwicklung können solche neuen Ideen, besonders wenn sie dann auch international erfolgreich umgesetzt werden, oft ein Vielfaches der positiven Wirkungen erreichen. Gerade österreichische Innovationen im Solarbereich haben bereits mehrfach bewiesen, dass Lösungen, die aus solider Forschung hervorgegangenen sind, weltweit geschätzt werden und immer wieder zu Pionier- und globalen Leuchtturm-Projekten beitragen konnten. Mit der konsequenten Fortsetzung dieses Weges hat Österreich gute Chancen, die globalen Entwicklungen der Dekarbonisierung zu nutzen und als Innovation-Leader weltweit zukünftige Energietechnologie-Märkte anzusprechen." Michael Paula, Leiter der Abteilung für Energie- und Umwelttechnologien im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie 15 14 SCHWERPUNKT WACHSTUMSMÄRKTE UND EXPORTERFOLGE
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