„nachhaltige technologien 3|2018“

Resilienz durch zeitweisen Inselbetrieb In den USA überarbeiten seit einigen Jahren viele Universitäten, Forschungseinrichtungen und Kran- kenhäuser ihre Energiesysteme. Die Princeton Univer- sity z. B. kann sich auf ihre Versorgung verlassen. Sie verfügt über eigene Kraft- und Wärmewerke – welche sich allerdings vorwiegend aus fossilen Quellen spei- sen. Sie werden im Regelfall nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit betrieben und erlauben im Notfall auch einen Inselbetrieb. Grund für die Bemühungen in Richtung Autarkie sind die häufigen Ausfälle der Energieversorgung durch veraltete Infrastruktur und Unwetter. Viele Universitäten und Forschungseinrichtungen in den USA wie z. B. die Princeton University (im Bild) verfügen über eigene Stromerzeugung und Wärmewerke, um energieautark zu sein. Foto: demerzel21 / fotolia.de In Österreich verfügen Gebäude mit kritischen Funktio- nen über ein Ausfallsystem für die Energieversorgung. In Krankenhäusern gibt es Notstromaggregate für den Betrieb von Intensivstationen und Operationssälen, welche meist mit Diesel betrieben werden. Auch Serverräume müssen ununterbrochen versorgt oder kontrolliert heruntergefahren werden, damit es nicht zum Verlust von wichtigen Funktionen und Daten kommt. Im besten Fall können bei einem Störfall im überge- ordneten System nicht nur kritische Infrastrukturen, sondern auch die übrigen Energienutzer im Insel- betrieb versorgt werden. Voraussetzung dafür ist ein sorgfältiges Design der Energiesysteme, unter Berücksichtigung von lokaler Erzeugung, Speicherung und Energieflexibilität. Will man langfristig unabhän- gig von fossilen Quellen sein, dann wird Resilienz zu einem wichtigen Argument für die Nutzung von lokalen Energiespeichern und erneuerbaren Quellen. Resilienz für Energiesysteme von Gebäudeverbänden Im Rahmen eines Projektes der Internationalen Ener- gieagentur (IEA EBC Annex 73) und des dazu gehörigen nationalen Forschungsprojekts arbeitet AEE INTEC zusammen mit einem internationalen Expertenteam an der Weiterentwicklung des Resilienzkonzeptes für Energiesysteme von Gebäudeverbänden und die Einbettung dieses Konzeptes in Planung, Wei- terentwicklung und Betrieb. Eines der angepeilten Resultate ist ein Workflow für simulationsgestützte Planung. GebäudeplanerInnen, EnergieraumplanerIn- nen und BetreiberInnen von Verteilnetzen können die Ergebnisse nutzen, um mit Hilfe nachhaltiger Technologien eine resiliente Versorgung für Gebäude- verbände sicherzustellen. In Österreich werden auch Zivilschutzverbände mit einbezogen, da diese beim Schutz der Zivilbevölkerung im Katastrophenfall eine wichtige Rolle spielen. Das Wort Resilienz kommt vom lateinischen Verb „resilire“, das „zurückspringen, abprallen“ bedeutet. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Systems auf zerstörende Einflüsse, z. B. durch Naturkatastrophen, zu reagieren und zumindest die Basisfunktionen aufrecht zu erhalten. In der Biologie ist Resilienz ein Merkmal, das sich durch natürliche Selektion durch- setzt, sobald es zu Änderungen und Störungen in der Umgebung kommt. AEE INTEC nimmt für Österreich an der Internationalen Kooperation eines Projektes mit dem Titel „Towards Net-Zero Energy Resilient Public Communities“ (IEA EBC Annex 73) teil. Hier soll die Entwicklung von resilienten Energiesystemen für Gebäudeverbände unter Zuhilfenahme von erneuerbaren und lokalen Energieträgern im Vordergrund stehen. Dr. Anna Maria Fulterer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs „Bauen und Sanieren“ bei AEE INTEC. Dr. Ingo Leusbrock ist Leiter der Gruppe „Netzgebundene Energieversorgung und Systemanalysen“ bei AEE INTEC. Weiterführende Informationen: • http://www.iea-annex73.org/about/ • http://www.standardizationnews.com/standardizationnews/may_june_2018/ • https://www.unisdr.org/we/coordinate/sendai-framework

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