„nachhaltige technologien 3|2018“
33 32 ie diesjährige qm heizwerke-Fachtagung zum Thema "Diversifizierung der Nah- und Fernwärmever- sorgung" am 8. Juni 2018 in Leoben zeigte Praxisbei- spiele, innovative Lösungsansätze sowie Neuigkeiten zu Big-Solar-Konzepten und alternativen Energie- quellen für Nahwärmenetze auf. Die Nutzung regional verfügbarer und nachhaltiger Wärmequellen ist voll im Laufen: • 35 Prozent jährliches Marktwachstum bei solarer Fernwärme in Europa, • Nutzung von Abwärme aus Industrie und Gewerbe, • Power-to-Heat-Anlagen für die Verwertung von Überschussstrom, • Wärmepumpen zur Speicheroptimierung und Nutzung von Niedertemperaturquellen für die Fernwärme, sowie • Großwärmespeicher für die saisonale Speicherung von Wärme. Die mehr als 2.000 Biomasse- Nah- und Fernwärme- anlagen in Österreich haben maßgeblich dazu bei- getragen, die Energiewende im Fernwärmebereich voranzutreiben. Diese Anlagen sind jetzt ebenso wie städtische Wärmenetze eine wertvolle Infrastruktur zur Erschließung zusätzlicher erneuerbarer und regionaler Wärmequellen. Durch die Erweiterung des Wärmebereitstellungs- portfolios, die Koppelung mit anderen Systemen (Strom, Gas, Abwasser, ...) und neue Fernwärme- technologien gepaart mit innovativen Betriebs- und Regelungskonzepten werden Wärmenetze zukünftig integraler Bestandteil intelligenter Energiesysteme sein. Abgesehen von reduzierten Systemtemperatu- ren wird von diesen Wärmenetzen der 4. Generation ein hohes Maß an Flexibilität verlangt, da das Wärmenetz als Bindeglied zwischen fluktuierenden Erzeugerlastprofilen und dem kundenseitigen Wär- mebedarf dient. Zudem ist davon auszugehen, dass neben größeren Wärmebereitstellern auch viele kleinere Wärmequellen dezentral eingebunden wer- den und Gebäude nicht nur Wärmeabnehmer sind, sondern je nach Betriebszustand Abnehmer, Erzeu- ger oder Speicher sein können. Dementsprechend wird dem Gebäude als Energiespeicher (energiefle- xibles Gebäude) und Prosumer eine wichtige Rolle in Hinblick auf ein intelligentes Lastmanagement und die Schaffung von flexiblen und resilienten Energiesystemen zukommen. Im Rahmen der Fachtagung wurden auch Beispiele aus der Praxis erörtert. Vertreter der Stadtwerke Amstetten und Wörgl stellten Fernwärmeprojekte vor, die auf Abwärme aus der Industrie, von KWK- Anlagen und Abwasser setzen und wie im Fall von Wörgl ein Fernwärmenetz ganz ohne eigene Heizwerke betreiben. Die Stadtwerke Mürzzuschlag präsentierten das kurz vor Inbetriebnahme stehen- de Big-Solar-Projekt mit 5 000 m² Solarkollektoren zur Einspeisung von Wärme in das Fernwärmenetz von Mürzzuschlag. Zudem wurden aktuelle Studien zu solarthermischen Großanlagen sowie der aktu- elle Stand der solaren Fernwärme in Deutschland vorgestellt. Dänische Fernwärmeprojekte mit hohen solaren Deckungsgraden und die Pläne zur Konver- tierung des Fernwärmenetzes in Hamburg hin zu hohen Anteilen an Abwärme, Abwasserwärme und Solarthermie fanden ebenso Interesse wie System- konzepte zur Optimierung von Abwasserreinigungs- anlagen, die eine Rückgewinnung von Wertstoffen und eine energetische Optimierung mittels Wär- mepumpen und Optimierung der Faulgasproduktion beinhalten. Die vielen interessierten Zwischenfragen und regen Diskussionen der fast 90 Teilnehmenden zeigten, dass das Thema von großer Wichtigkeit ist und die Diversifizierung von Nahwärmenetzen unbedingt weiter vorangetrieben werden sollte. D Diversifizierung der Nah- und Fern- wärmeversorgung QM HEIZWERKE-FACHTAGUNG Weiterführende Informationen: • Die Präsentationen und das Veranstaltungsprogramm stehen unter https:// www.klimaaktiv.at/erneuerbare/effiziente_heizwerke/fachtagung2018.html zur Verfügung. Foto: AEE INTEC / Sabrina Metz
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