„nachhaltige technologien 03 | 2020"
Der Wasserfußabdruck Der AWS-Standard beschäftigt sich sehr stark mit der in- direkten Wassernutzung. Denn auch die Rohstoffe und Leistungen, die für betriebliche Aktivitäten gebraucht werden, hinterlassen Spuren in der Umwelt. Nicht nur der CO 2 -, sondern auch der Wasserfußabdruck („Water Footprint“) hilft, die Schwachstellen verschiedenster Produkte und Dienstleistungen entlang der Wertschöp- fungskette unter die Lupe zu nehmen. So wird auch klar sichtbar, ob die größten Mengen an Wasser bei der Herstellung der Rohstoffe (z. B. Zuckerrohranbau), bei der Produktion selbst oder in der Verwendungsphase (z. B. Seife) verbraucht bzw. verschmutzt werden. Dennoch sind die Zahlen allein nicht aussagekräftig genug. Wichtig ist nicht nur die Wassermenge, die entnommen bzw. verschmutzt wird, sondern wo dies passiert und welche Auswirkungen das auf das Ein- zugsgebiet und die anderen Wassernutzer hat. 1 Quelle: denkstatt GmbH Für einen der weltweit größten Getränkehersteller rechnete denkstatt zusammen mit dem Institut für Wassergüte, Ressourcenmanagement und Abfallwirt- schaft der TU Wien den Wasserfußabdruck für den Rübenzucker, der bei der Herstellung der Getränke zum Einsatz kommt. Weiters wurde auch dargelegt, in wel- chen Gebieten der eigentliche Impact stattfindet, da Wasser im Gegensatz zu CO 2 eine wichtige lokale Kom- ponente hat. Der Getränkehersteller ging noch einen Schritt weiter, um zu evaluieren, welche Auswirkungen der Anbau von Zuckerrüben in den jeweiligen Regionen hat, in denen sie angebaut werden. So wurden sensible Gebiete aufgedeckt, in denen die Wasserquantität bzw. die Wasserqualität eine Einschränkung für den zukünf- tigen Rübenanbau und daher die Zuckerlieferung für das Getränkeunternehmen darstellen können. Fátima Bertrán de Lis ist Senior Consultant der denkstatt GmbH, Wien. denkstatt ist ein Beratungsunternehmen im Nachhaltigkeitsbereich und bietet maßgeschneiderte Lösungen für praktisch alle Fragestellungen in den Bereichen Umwelt, Gesundheit, Sicherheit, Energie und Nachhaltigkeit. www.denkstatt.eu, office@denkstatt.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper [1] DI Dr. Roman Neunteufel et al. (2016), Wasserversorgung im Jahre 2015 – Erfahrungen und Ausblick Studie der Universität für Bodenkultur im Auftrag der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach ÖVGW mit Unterstützung des Lebensministeriums BMLFUW, Wien 2016 https://www.ovgw.at/media/medialibrary/2016/04/Studie_Wasserversorgung_2015.pdf [2] The Global Risks Report 2020, World Economic Forum, 15th Edition http://www3.weforum.org/docs/WEF_Global_Risk_Report_2020.pdf Bewertung der Auswirkungen des blauen und grauen Wasserfußab- drucks bei der Rübenzuckerproduktion für einen Getränkehersteller Quelle: denkstatt GmbH Bewertung des blauen Wasserfußabdrucks Bewertung des grauen Wasserfußabdrucks mm 18 16 14 12 10 8 6 4 2 0 Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Verfügbares Frischwasser in der Region unter normalen Bedingungen Ökologisch erforderliche Durchflussmenge Tatsächlicher Durchfluss (nach 1980) % Blaues Wasser für den Anbau von Zucker- rüben Gesamtes in der Region verbrauchtes blaues Wasser Proportionaler Anteil = verfügbares blaues Wasser / kultivierbare Fläche Zuckerrüben, tatsächlicher Verbrauch 320 m 3 /ha Der Wasserverbrauch liegt unter dem proportionalen Anteil Zuckerrüben, potenzieller Verbrauch 400 m 3 /ha Nitrat Ammonium Phosphor Biologischer Sauerstoffbedarf (BOD5) Nitrat Natürliche Fracht in der Umwelt Maximale potenzielle Fracht für die Erhaltung des “guten” Status Tatsächliche Fracht Tatsächliche Fracht der Zuckerrüben- produktion Landwirtschaftliche Nutzung Maximal mögliche Verschmutzungsfracht Bevölkerung Zuckerrüben Was sind die Auswirkungen? Größe Form Tiefe Wie viel? Grün? Blau? Grau? 1 Ein "Grüner Wasserfußabdruck" steht für den Anteil des Regenwassers, das die Pflanzen aus dem Boden holen. Blau steht für Wasser, das für Bewässerung entnommen wird. Grau steht für das Wasser, das in Produktionsprozessen verschmutzt wird. 27 26 INDUSTRIELLE SYSTEME
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