„nachhaltige technologien 03 | 2020"

dazu bei, die Investitionskosten für das Anergienetz gering zu halten. Wichtigster Outcome dieser Be- trachtungen war, dass sich das Anergienetz bei den gegebenen Rahmenbedingungen zwar technisch, aber nicht wirtschaftlich darstellen ließ. Lokale und kostengünstige Niedertemperatur-Abwärmequellen (z. B. Gebäude- oder Prozesskühlung) sind essentiell für die Realisierung eines Anergienetzes. Die sonst relativ groß zu dimensionierenden Erdsondenfelder und die aktive Regeneration der Erdsonden z. B. über PVT erhöhen die Investitionskosten stark. Verteilerrohrnetz eines Modellquartiers mit Mehrfami- lien-Wohngebäuden mit öffentlicher Nutzung (blau), Mehrfamilienhäusern (grün), Doppelhäusern (rot) und Einfamilienhäusern (orange). Blaues Rohr: Verteiler- rohrnetz, rote Rohre: Verteilstränge nach Energiezentrale (Sekundärseite), gelbe Punkte: Energiezentralen Quellen: AVORIS GmbH, AEE INTEC, google maps, data.gv.at- Open Data Österreich Zukunftsszenarien mit Design of Experiment Die validierte Simulationsumgebung wurde außerdem verwendet, um eine Methode zur systematischen Analyse zukünftiger Entwicklungsszenarien zu ent- wickeln. Diese beruht auf einem „Design of Expe- riment (DoE)“-Ansatz und wurde mit Hilfe des Tools ModdePro realisiert. Damit wurden eine Vielzahl von exogenen Einflussparametern wie demographische Änderungen und Klimawandel systematisch kombi- niert, um diejenigen Kombinationen zu identifizieren, die den größten Einfluss auf das System jetzt und in Dipl.-Ing. Michael Salzmann, BSc., Lorenz Leppin, MSc., BSc. und Dipl.-Ing. Harald Schrammel sind wissen- schaftliche Mitarbeiter des Bereichs „Städte und Netze“ bei AEE INTEC. m.salzmann@aee.at , l.leppin@aee.at. Dr. Ingo Leusbrock ist Leiter des Bereichs „Städte und Netze“ bei AEE INTEC. Weiterführende Informationen / Links im E-Paper www.destosimkafe.aee-intec.at der Zukunft aufweisen. Durch statistische Versuchs- planung ist es möglich, die Anzahl der erforderlichen Detailsimulationen zu verringern und trotzdem alle signifikanten Möglichkeiten für eine Systemkon- figuration abzudecken. Mit dieser Analyse konnte gezeigt werden, welche Parameter (z. B. CO 2 -Preise, Bevölkerungsanstieg, Klimaveränderungen) sich wie stark auf die für die Entscheidungsfindung relevanten Indikatoren auswirken. Hierdurch konnte schlussend- lich beurteilt werden, wie und in welchem Rahmen sich die Anforderungen an Anergienetze und deren Wirtschaftlichkeit in Zukunft ändern können. Dieser Schritt bedeutet einen erheblichen Kenntnisgewinn gegenüber konventionellen Planungsansätzen, da hiermit auch für zukünftige Entwicklungen bereits jetzt weitreichende quantitative Rückschlüsse möglich sind. Zunehmende Realisierung von kalten Fernwärmesystemen In der Branche herrscht verstärktes nationales und internationales Interesse an der Realisierung von kalten Fernwärmesystemen, was sich in einer stei- genden Anzahl an Umsetzungsprojekten und an den intensiven F&E-Aktivitäten in diesem Bereich zeigt. Die technische und wirtschaftliche Machbarkeit wird bereits durch einige Leuchtturmprojekte mit der Schweiz als Vorreiter (Anergienetze, Kalte Fernwär- me auf Basis Abwasser und Seewassernutzung,…), bzw. Projekte in konkreter Planung in Deutschland, Schweden und anderen Ländern in Form kleinerer Nahwärmelösungen oder der Versorgung ganzer Stadtquartiere belegt. In Österreich wird im Herbst 2020 das Projekt Anergy2Plus mit Beteiligung von AEE INTEC gestartet, wo in Herzogenburg ein inno- vatives Anergienetz zur Versorgung einer neuen Wohnsiedlung mit Mischnutzung umgesetzt wird. Kalte Fernwärme wird in Zukunft zwar Fernwärme- systeme auf höherem Temperaturniveau nicht voll- ständig ersetzen, aber zweifellos eine wichtige Rolle in der zukünftigen Wärme- und Kältebereitstellung spielen und es ermöglichen, bislang nicht erschlossene Niedertemperatur-Wärmequellen nutzbar zu machen.

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