„nachhaltige technologien 03 | 2021"

Die Kläranlage als Wärmelieferant Eine sinnvolle Verwertung der derzeit anfallenden Überschusswärme stellte eine wichtige Motivation für die jetzt durchgeführten Untersuchungen dar. Zudem soll mit der Erschließung der bisher nicht genutzten Niedertemperaturwärme aus dem ge- reinigten Abwasser im Kläranlagenablauf auch ein wesentlicher Beitrag zur Erhöhung der strukturellen Energieeffizienz geleistet werden, indem auch die vorhandene Abwasserwärme einer Verwendung zugeführt wird. Das hier verfügbare Wärmepotenzial reicht jedenfalls dazu aus, den kläranlageninternen Niedertemperatur- Wärmebedarf, der primär von der Temperierung des Klärschlammes im Bereich von 38 °C in den Faultürmen dominiert wird, zu decken und damit das bisher dafür verwendete hochwertige Biogas sowie die bisher ungenutzte Überschusswär- me für die Wärmeversorgung im Kläranlagenumfeld „freizuspielen“, wo ein höheres Temperaturniveau (75 °C) benötigt wird. Der zielgerichtete Einsatz von Nieder- und Hochtemperaturwärme auf Kläranlagen ist ein neuer Ansatz im Umgang mit der Ressource Wärme und stellt hier einen wichtigen Meilenstein im Sinne einer effizienten Energienutzung dar. Die Grafik auf der nächsten Seite zeigt das lokale Abwas- ser- und Wärmenutzungskonzept um das Wohnobjekt Riverside und die Kläranlage Kapfenberg. ie Ausgabe 01/2021 der ‚nachhaltige technologien‘ hatte ‚Neue Impulse für die Energieraumplanung‘ zum Thema. In diesem Zusammenhang nimmt die Stadtgemeinde Kapfenberg eine Vorreiterrolle ein, schließlich waren Kapfenberg und Semriach die ersten Gemeinden in der Steiermark, die im Rahmen der ört- lichen Raumplanung ein Sachbereichskonzept Energie erstellt und im Gemeinderat beschlossen haben. Der Südwesten Kapfenbergs wurde darin als Vorrang- gebiet für eine Fernwärmeversorgung identifiziert, dort befindet sich auch die Kläranlage Kapfenberg mit einer Ausbaukapazität von 49.000 Einwohnerwer- ten (EW). Ergänzend wurde in einem Vorprojekt von AEE INTEC ein Stakeholder-Prozess in Gang gesetzt, um Potenziale zwischen den Stadtwerken und der Kläranlage Kapfenberg zu analysieren 2 . Darauf aufbauend wurde nun über den Ökofonds des Landes Steiermark eine Machbarkeitsstudie gefördert, in der die energetischen Potenzial der Kläranlage in Bezug auf die lokale Wärmeversorgung untersucht wurden. In der Kläranlage Kapfenberg wurde bis dato das vorhandene Biogas, das bei der anaeroben Faulung des Klärschlamms anfällt, zur Deckung des internen Energiebedarfs in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) in Strom (60 % Deckungsgrad) und Wärme (> 100 % Deckungsgrad) umgewandelt. Wärme- überschüsse im Sommer und in der Übergangszeit blieben ungenutzt und mussten gegebenenfalls über Rückkühlungseinheiten „vernichtet“ werden. Gleich- zeitigentstehtderzeitimunmittelbarenNahbereichder Kläranlage ein neues Wohnquartier mit 220 Wohnun- gen (davon 64 als sanierter Altbestand) und einem entsprechenden Wärmebedarf. Die Stadtwerke Kapfenberg garantieren hierfür eine nachhaltige und CO 2 -freie Wärmelieferung. D Energieraumplanung in Kapfenberg – Die Kläranlage als lokaler Wärmelieferant Wolfgang Gruber-Glatzl, Georg Neugebauer, Bernd Hrdy, Franz Zach, Andreas Zöscher, Florian Kretschmer Übersicht Kläranlage Mürz IV (Kapfenberg) und Wärmeabnehmer “Riverside” Masterarbeit Bernd Hrdy (in Ausarbeitung) 1 Bildquelle: basemap.at 1 Hrdy (in Ausarbeitung): Lokale Wärme aus der Kläranlage - Energetische Bilanzierung und integrale Bewertung anhand des Fallbeispiels Kapfenberg. Masterarbeit an der Universität für Bodenkultur Wien. 2 Abwasserreinigung zur hybriden Energiespeicherung, Energiebereit- stellung und Wertstoffgewinnung (AR-HES-B) www.ar-hes-b.aee-intec.at/ - gefördert über das Förderprogramm Stadt der Zukunft 15 14 ENERGIEQUELLE ABWASSER

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