„nachhaltige technologien 03 | 2022"

Energierelevante Eckdaten Die Wohnanlage wurde im Jahr 1967 errichtet. Die Wohnnutzfläche beträgt 1 080 m. Bei der Konstruktion des Gebäudes handelt es sich um eine Stahlbeton- bauweise mit tragenden Fassaden aus Mantelbe- tonsteinen. Der Wärmedurchgangskoeffizient der Bestands-Außenwand beträgt circa 0,9 W/m²K. Der neue Wärmedurchgangskoeffizient nach Wärmedäm- mung mit 16 cm Steinwolle wird circa 0,20 W/m²K betragen. Der Wärmebedarf für Raumheizung betrug vor der Sanierung 80 kWh/(m² BGF a) bzw. beträgt nach der thermischen Sanierung 32 kWh/(m² BGF a). Die flächenbezogene maximale Gebäudeheizleistung betrug vor der Sanierung 80 W/m² NF bzw. wird nach der thermischen Sanierung 30 W/m² NF betragen. Ausführung und Betrieb der fassadenintegrierten Bauteilaktivierung Die Verrohrung der fassadenintegrierten Bauteilakti- vierung besteht aus PEXX Rohren mit einem Außen- durchmesser von 2,5 cm, einem Rohrabstand von 30 cm, und wurde in Heizkreisen von 60 bis 135 m Länge verlegt. Die Verlegung erfolgte in Nutfräsungen, die ausgespachtelt wurden und mit 16 cm EPS überdämmt werden. Im Vorfeld der Ausführung wurden sowohl statische zweidimensionale Wärmestromanalysen durchge- führt als auch dynamische Simulationen mit eindi- mensionalen Ersatzmodellen des Wärmeflusses in der Fassade. Die Ausführung und Inbetriebnahme wird mit einem Langzeitmonitoring (2 Jahre) der Energie- ströme inklusive zahlreicher Temperaturmesspunkte in der Fassade begleitet. Die bisherigen Berechnungen versprechen bei exemplarisch 40 °C Vorlauftemperatur und -10 °C Au- ßentemperatur Wärmestromdichten in die fassaden- angrenzenden Räume in der Größenordnung von circa 16 Watt pro Quadratmeter aktivierter Fassadenfläche und somit, umgelegt auf einen Raum von 5 m Raum- tiefe circa 6 Watt pro Quadratmeter Raumnutzfläche. Hinsichtlich der Wirkung auf den Raum wird zusätz- lich der Transmissionswärmestrom abgefangen, der sich ohne Wandaktivierung eingestellt hätte. Im Fall der gedämmten Wand mit einem U-Wert von circa 0,2 W/m² bei 20 °C Innen und -10 °C Außentemperatur beträgt dieser etwa 6 Watt pro Quadratmeter Fassadenfläche oder etwa 2 Watt pro Quadratmeter Raumnutzfläche. Es kann von der Außenwandaktivierung demnach ein Beitrag zur maximalen Raumheizleistung von rund 9 W/m² und damit ungefähr einem Viertel der gesam- ten Raumheizlast nach Sanierung erwartet werden. "Gerade einmal ein Jahr ist es her, als wir mit unseren Partnern mit der Förderzusage des Klimaschutz- ministeriums im Gepäck unser Fassadentemperierungsprojekt in der Großen Neugasse mit Enthusias- mus und Tatendrang gestartet haben. Die Wasserschläuche sind längst in die Fassade eingefräst und verlegt und mit Wärmedämmung abgedeckt, die Wärmepumpe montiert und die Photovoltaikanlage installiert. Seit kurzem läuft die Gebäudetemperierung im Probebetrieb. Funktioniert sie vor allem auch im Sinne eines Mehrs an Wohnkomfort, wollen wir diese innovative Form der Bauteilaktivierung im Zuge weiterer Modernisierungsprojekte zum Einsatz bringen." Ernst Bach , Direktor für Bestandsmanagement, Sozialbau AG Foto: Sozialbau AG_Vogus Heizungsrohre in der Außenwand, vor Herstellung der Wärmedämmung Foto: IBR&I

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