„nachhaltige technologien 4|2016"
nfrastruktureinrichtungen werden bei der Umstellung auf ein zu- kunftsfähiges nachhaltiges Wirt- schaftssystem eine bedeutende Rolle spielen, da diese die hinter einem Wirtschaftssystem stehende Philosophie widerspiegeln. Im Fall der Mobilität wird z.B. ein System, das verstärkt auf Dienstleistungen setzt, deutlich mehr Möglichkeiten über den öffentlichen Verkehr anbieten als ein System, das mehrheitlich auf Indivi- dualität und Just-in- Time-Lösungen setzt. In letzte- rem wird die Straße deutlich mehr Bedeutung haben und auch beim Ausbau bevorzugt behandelt werden. Die Abhängigkeit der Ausgestaltung vom herr- schenden Wirtschaftssystem gilt auch für andere Infrastruktureinrichtungen. Nachhaltige Entwicklung Eine kurze Darstellung von nachhaltiger Entwicklung soll helfen, die Aussagen und daraus abgeleiteten Vorschläge für die Wasserwirtschaft in einem auf nachhaltiger Entwicklung basierenden Wirtschafts- system einordnen zu können. Der Begriff „nachhaltige Entwicklung“ wurde zu einem der am häufigsten verwendeten Begriffe in der Ent- wicklungs- und Umweltdiskussion. War er zu Beginn noch mehrheitlich mit Umweltthemen verknüpft, so wurden im Laufe der Jahre immer stärker auch ökonomische und soziale / gesellschaftliche Frage- stellungen als gleichwertige Dimensionen integriert. Dadurch gelingt es, die Langfristorientierung mit dem Aspekt der Ganzheitlichkeit zu verschmelzen. Ökologische Nachhaltigkeit Ökologische Nachhaltigkeit bedeutet, kurzfristig ne- gative Umwelteinflüsse zu minimieren und langfristig die negativen Einflüsse weitestgehend zu vermeiden. Dies bedeutet, bereits heute die Umweltbeeinflus- sung bei Entscheidungen mit zu berücksichtigen und zukünftig ökonomische Lösungen zu finden, bei denen die Ökologie gleichbedeutend mit der Öko- nomie behandelt wird. Eine intakte Umwelt gilt als wertvolles Gut. Ökonomische Nachhaltigkeit Ökonomische Nachhaltigkeit ist die Einord- nung des Wirtschaftens in gesellschaftliche und ökologische Zielsetzungen. Dies bedeutet, dass das Gemeinwohl und Einzelinteressen über entsprechende Regulationsschritte wie- der stärker miteinander zu verknüpfen sind. Die Langfristigkeit darf jedoch auf wirtschaftlicher Ebene nicht zu einer defensiven, besitzstandswah- renden Interpretation führen. Unternehmen, die öko- nomische Nachhaltigkeit ohne Anpassungsprozesse, ohne Anpassungskosten, ohne Neuorientierungen, kurz: ohne Innovationen erreichen wollen, werden ihre Aktivitäten sicherlich nicht zukunftsfähig ge- stalten können. Soziale Nachhaltigkeit Soziale Nachhaltigkeit ist aus meiner Sicht die Be- friedigung der materiellen wie immateriellen Grund- bedürfnisse aller Menschen und die Wahrung ihrer Grundrechte, wobei die Verteilungsgerechtigkeit auch für globale Ressourcennutzung gilt. Aus dieser For- mulierung lässt sich ableiten, dass das Hauptziel der sozialen Nachhaltigkeit die Übernahme der Verant- wortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Nachhaltigkeit in der Trinkwasserwirtschaft Ressourceneffizienz spielt in einem zukünftigen Wirt- schaftssystem eine wichtige Rolle und betrifft unter anderem auch den Wasserverbrauch sowohl in Un- ternehmen als auch im privaten Sektor. Ein Großteil der Kosten für Trinkwasser entsteht jedoch durch die Abschreibung der Leitungen, und die Bewertung der Notwendigkeit aber auch Sinnhaftigkeit von strikten Wassersparprogrammen muss auch die Auswirkun- gen, die lange Stehzeiten in den Leitungen z.B. auf die Wasserqualität haben, mitberücksichtigen. Somit ist es schwierig eine gesamtgültige Aussage zu tref- fen, vielmehr werden Einzelbetrachtungen notwendig sein. Auch die Diskussion leitungsgebundene Versor- gung versus Trinkwasserbrunnen am eigenen Grund- stück sollte insbesondere bei Neubau bzw. Ausbau von Trinkwasserleitungen Berücksichtigung finden. I Nachhaltige Infrastrukturen für die Wasserwirtschaft Horst Steinmüller
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