„nachhaltige technologien 4|2016"
5 4 Wenn sich die Kosten für den Betrieb einer Kläranlage deutlich in den Aufwendungen einer Gemeinde bemerkbar machen, die Kläranlage zu den größten Energieverbrauchern einer Gemeinde gehört, weil der Kohlenstoff aerob mit hohem Energieaufwand zu CO 2 umgewandelt wird, Stickstoff, ein nur mittels hohen Energieaufwands aus der Luft künstlich herstellbares Düngemittel, mit Energieaufwand in die Luft abgegeben wird, Phosphor, ein endlich zur Verfügung stehendes Element gemeinsam mit Klärschlamm verbrannt wird und somit nicht wiedergewinnbar ist, der im Abwasser vorhandene Energieinhalt nicht verwertet wird, das Potential der Kläranlage als Regelenergieanbie- ter nicht genutzt wird, dann müssen langfristig deutliche Änderungen am Abwassersystem vorgenommen werden. Die für eine solche Umstellung notwendigen Tech- nologien sind bereits technisch verfügbar. Es fehlt jedoch die Verschaltung der Einzeltechnologien und die Optimierung des Gesamtsystems. Eine integrierte Lösung kann gleichzeitig der Energiegewinnung, der Ammoniumgewinnung und der Nährstoffrückgewin- nung dienen und die oben dargestellten Schwachstel- len des heutigen Systems vermeiden. Nachhaltigkeit in der Abwasserentsorgung Während in bestehenden Netzen der Trinkwasser- versorgung keine tiefgreifenden Systemänderungen notwendig sind, ist dies im Bereich der Abwasserwirt- schaft deutlich anders. Das heute genutzte Abwasser- system ist über 100 Jahre alt. Es wurde zwar in den letzten Jahrzehnten neuen Anforderungen angepasst, aber keinen gravierenden Änderungen im gesamt- technologischen Ansatz unterzogen. Die Technologie erfüllt ja auch die Ansprüche zur Reinigung von kommunalen und betrieblichen Abwässern und der Zustand der österreichischen Gewässer dokumentiert dies eindrucksvoll. Auch hinsichtlich der Reduzierung des Ressourceneinsatzes wurden deutliche Verbes- serungen erreicht. Trotzdem ist aus meiner Sicht diese Form der Abwas- serreinigung nicht zukunftsfähig. LEITARTIKEL Dipl.-Ing. Dr. Horst Steinmüller ist Geschäftsführer des Energieinstitutes an der Johannes Kepler Universität Linz und beschäftigt sich seit nahezu 30 Jahren mit Technologieentwicklungen zur Umstellung auf ein zukunftsfähiges Wirtschaftsssystem. Optimierung des Gesamtsystems Abwasser: Eine integrierte Lösung ermöglicht Energiegewinnung, Ammoniumgewinnung sowie Nährstoffrückgewinnung. Wasser Strom Biogasgülle Einspeisefähiges Gas NH 4 + Gereinigtes Abwasser Mehrstufige Vorbehandlung Membran- destillation Membran- destillation Schlamm- entwässerung Nährstoff- rückgewinnung Aerobe Nachstufe Gasaufbereitung H 2 O 2 CH 4 /CO 2 Elektrolyse Methanisierung Biogasanlage
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