„nachhaltige technologien 4|2018“

Grüne Industrie Neben der energetischen Nutzung ist Wasserstoff auch als erneuerbare Ressource in der produzieren- den Industrie ein signifikanter Energieträger für ein „Greening“ des Systems, insbesondere auch als Re- duktionsmittel in verschiedenen Prozessen. So kann er in Zukunft bei der Roheisenerzeugung (Gewinnung von Eisenschwamm) eingesetzt werden. Bereits heu- te könnte unter bestimmten Bedingungen (im Fall einer fehlenden Erdgasleitung oder geringer Was- serstoffverbrauchsmengen) anstelle von Reformern, die zur Wasserstofferzeugung Erdgas verwenden, kli- maneutral auf Wasserstoff aus Elektrolyseanlagen umgestellt werden. Weiters wird auch an der Was- serstoff-Plasmaschmelze gearbeitet. Ein weiterer Einsatz von Wasserstoff in der Industrie erfolgt bei der Herstellung von elektronischen Bestandteilen. In der ersten Einreichung wurde das Projekt „H2Pi- oneer“, welches sich mit der Herstellung und Rück- gewinnung von hochreinem, grünem Wasserstoff be- schäftigt, genehmigt. Grüne Energie Wasserstoff und Methan aus Power-to-Gas-Anlagen können für den Aufbau von Hybridnetzen (Strom, Gas, Wärme) eine entscheidende Rolle spielen. Das im ersten Call genehmigte Projekt „Renewable Gas- field“ demonstriert diese Kopplung, indem Strom einer Photovoltaikanlage zu Wasserstoff umgewan- delt wird, der über Trailer abgegeben, ins Gasnetz eingespeist und für die Methanisierung von Biogas genutzt wird. Das ebenfalls in der WIVA P&G behan- delte Projekt „Underground Sun Conversion“, wel- ches bereits seit 2017 läuft, zeigt die Möglichkeit der Untertage-Methanisierung während der Speicherung in Porenspeichern. Grüne Infrastruktur Die bestehende Gasinfrastruktur (Leitungen und Spei- cher) kann mit grüner Energie genutzt und ein Ausbau der Stromleitungsinfrastruktur teilweise vermieden werden. Darüber hinaus kann in entlegenen Gebieten ohne Zugang zum öffentlichen Strom- oder Gasnetz die Energieversorgung mit Dieselgeneratoren ersetzt werden. Denn der Einsatz von Wasserstoff kann zur Speicherung elektrischer Energie aus dezentralen er- neuerbaren Stromerzeugungsanlagen in Zeiten ge- ringer Nachfrage dienen. Wasserstoff wird dann bei hohem Strombedarf rückverstromt oder für Wärmebe- reitstellung bzw. als Kraftstoff für Mobilitätszwecke eingesetzt. Hierfür sind Weiterentwicklungen sowohl bei der Wasserstoffherstellung als auch bei der Ver- wertung in der Brennstoffzelle notwendig. Im Projekt „HYTECBASIS“ wird daher auch ein neues Elektroly- seurkonzept entwickelt. Dipl.-Ing. Dr. Horst Steinmüller ist Geschäftsführer des Energieinstituts an der Johannes Kepler Universität in Linz und beschäftigt sich seit nahezu 30 Jahren mit Technologieentwicklungen zur Um- stellung auf ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem. Er ist Obmann des Vereins WIVA P&G. steinmueller@energieinstitut-linz.at Weiterführende Informationen: https://www.wiva.at/v2/

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