„nachhaltige technologien 4|2018“

Dipl.-Ing. Dr. Horst Steinmüller ist Geschäftsführer des Energieinstituts an der Johannes Kepler Universität in Linz und beschäftigt sich seit nahezu 30 Jahren mit Technologieentwicklungen zur Umstellung auf ein zukunftsfähiges Wirtschaftssystem. Er ist Obmann des Vereins WIVA P&G. steinmueller@energieinstitut-linz.at Dipl.-Ing. Dr. techn. Alexander Trattner ist Chief Executive Officer der HyCentA Research GmbH in Graz. Prokurist Dipl.-Ing. Klaus Neumann , Stabstelle Produktentwicklung Koordination der Energie Steiermark Technik GmbH. Dipl.-Ing. Dr. techn. Michael-Dieter Ulbrich ist Projektleiter von UpHy I in der Technischen Entwicklung, OMV Refining & Marketing GmbH, Wien. Weiterführende Informationen: https://www.wiva.at/v2/ Wasserstoff für Mobilität und Industrie Das Projekt „UpHy I“ (Upscaling of green hydrogen for mobility and industry) stellt einen wesentlichen Baustein für den Ausbau der Wasserstoffmobilität in Österreich dar. In Österreich versursacht der Mobilitätssektor rund 30 % der gesamten Treibhausgasemissionen. Die Elektromobilität mittels Brennstoffzellenantrieb, basierend auf grünem Wasserstoff, bietet dahinge- hend großes Potential, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Dies trifft insbesondere auf den An- wendungsbereich der Langstrecken- und Allzweck- fahrzeuge, wie etwa PKW, Busse und LKW, zu. Trotz alledem gestaltet sich die Einführung der Wasser- stoff-Mobilität schwierig und die Entwicklung ge- schieht langsam. Die limitierte Anzahl an brenn- stoffzellenbetriebenen Elektrofahrzeugen, fehlende Kapazitäten für die wirtschaftliche Produktion von grünem Wasserstoff, eine daraus resultierende überschaubare Anzahl an Tankstellen sowie die an- spruchsvollen Anforderungen der Gesetzgebung für Wasserstoff-Tankstellen sind Gründe dafür. Offiziell errichtete oder erneuerte Wasserstoff-Tankstellen müssen ab dem 18. November 2017 den technischen Anforderungen der ISO 14687-2 und EN 17124 genü- gen. Aktuell können jedoch die erforderlichen Nach- weisgrenzen zur Ermittlung der Wasserstoff-Qualität noch nicht von unabhängigen Prüfstellen ermittelt werden. Darüber hinaus sind messtechnische Lösun- gen für die Eichung der abgegebenen Wasserstoff- Masse nach den derzeitigen Standards nicht ausrei- chend, um große Mengen abzugeben, und müssen vor einem weiteren Ausbau geklärt werden. Die heute betriebenen Wasserstofftankstellen sollen dann mit den entsprechenden Systemen nachgerüstet werden. „UpHy I“ befasst sich mit der Entwicklung von grüner Wasserstoffproduktion und -verteilung sowie mit der dafür benötigten Eichmesstechnik der Wasserstoff- masse und -qualität. „UpHy I“ soll durch die Entwick- lung von offiziellen Eichmethoden der Gasqualität und Abgabemenge einen stetigen Ausbau des Was- serstoff-Tankstellennetzes ermöglichen. Das Ziel von „UpHy I“ ist demnach die Entwicklung von modernen Analysemethoden zur Ermittlung der geforderten Qualitätsparameter direkt an der Zapfsäule. Zusätzlich werden Szenarien möglicher Ausbaukon- zepte grüner Wasserstoff-Produktion sowie zugehöri- ger Wasserstoff-Logistik untersucht und entwickelt. Dies bildet auch die Basis für das Folgeprojekt „UpHy II“, in dem aufbauend auf die Entwicklungen von „UpHy I“ eine grüne Wasserstoff-Produktion, eine modulare Wasserstoff-Wertschöpfungskette, bestehend aus einer 350 bar-Trailer-Füllstation und einer 350 bar-Betankungsinfrastruktur für Busse und LKW, nach neuesten Standards errichtet werden. Mit den erzielten Resultaten von „UpHy I“ sollen neue Geschäftsmodelle in Bezug auf die Verwendung von grünem Wasserstoff in der Mobilität sowie der In- dustrie entwickelt werden. Die modulare Wasserstoff-Wertschöpfungskette dient auch als Technologiebasis zur Durchführung des ge- planten Folgeprojekts „UpHy II“, mit dem Ziel, die bis- her größte, rein auf Wasserstoff basierende Fahrzeug- flotte Österreichs zu versorgen. Abschließend werden Optimierungspotentiale über die gesamte Wasser- stoff-Wertschöpfungskette anhand begleitender Ana- lysen identifiziert. Beide Projekte sollen nicht nur die Wasserstoffpro- duktionstechnologie optimieren, sondern auch die Vielseitigkeit der Wasserstoffanwendung unterstrei- chen. Dies ist insbesondere für eine Vorzeigeregion, die die Umstellungsmöglichkeit auf erneuerbare Gase zu einem Hauptziel erklärt hat, von großer Bedeutung.

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