„nachhaltige technologien 4|2018“

ch bin Bettina Muster-Slawitsch, leidenschaftliche Forscherin, Bergfex und Mama von 4 Kindern. Ich habe 2006 mein Studium „Industrieller Umwelt- schutz/Verfahrenstechnik“ an der Montanuniversität Leoben abgeschlossen und nach einem Volontariat an der Universität in Managua, Nicaragua begonnen, bei der JOANNEUM RESEARCH (bei meinem späte- ren Doktorvater Hans Schnitzer) zu arbeiten, wo ich schon während des Studiums laufend als Praktikan- tin mitarbeiten durfte. Mein Forschungsfokus lag schon damals auf Energieeffizienz in Industriebetrie- ben und erneuerbarer Energie, und 2010 bekam ich die Gelegenheit, gemeinsam mit Christoph Brunner zu AEE INTEC zu wechseln und Christoph im Aufbau des Bereichs „Industrielle Prozesse und Energiesys- teme (IPE)“ zu unterstützen. Durch spannende Pro- jekte in der Brauindustrie und das Projekt SOCO, in welchem ich die Algorithmen für das Wärmerück- gewinnungs-Software Tool SOCO entwickeln durfte, konnte ich genügend Daten und Erfahrungen sam- meln, um während meiner ersten beiden Karenzzei- ten meine Dissertation fertig zu stellen „Thermal Energy Efficiency and Process Intensification for the Food Industry“. Schon während meiner Dissertation fokussierte sich mein Interesse auf den Einsatz von radikal neuen Technologien zur Erhöhung von Prozess- und Ener- gieeffizienz. An der TU Delft durfte ich bei Prof. Stan- kiewicz hier wichtige Erfahrungen sammeln. Heute beschäftigen wir uns in der IPE-Gruppe bei AEE INTEC intensiv mit zwei dieser „emerging technologies“ – der Membrandestillation und oszillierenden Re- aktoren. Der Einsatz dieser Technologien in der In- dustrie zeigt große Potenziale und wirft spannende Detailfragestellungen auf – in diesem Spannungsfeld zwischen grundlegenden chemischen Fragestellun- gen und industrieller Einsetzbarkeit fühle ich mich wohl und liebe die Herausforderungen. 2017 bekam ich ein Stipendium des australischen Außen- und Bil- dungsministeriums für ein Post-Doc-Projekt an der Victoria Universität in Melbourne und widmete mich dort für einige Monate der Einsatzmöglichkeit von Membrandestillation in der Fleischindustrie. Meine damals drei Kinder kamen mit und durften Australien als Heimat kennenlernen - die Erfahrungen und Ein- drücke werden wir alle nie vergessen. Ich bin sehr froh, trotz meiner vielen Babypausen wissenschaftlich arbeiten zu können und auch stra- tegisch arbeiten zu dürfen. Das erfordert natürlich viel persönlichen Einsatz auch während der Karenz- zeiten, aber ich bin sehr dankbar, dass mir das bei AEE INTEC durch flexible Arbeitszeiten und Wert- schätzung des Mama-Forscherin-Spagats ermöglicht wird. Es ist nicht selbstverständlich, dass man ein schlafendes Baby mit in eine Besprechung bringen darf - und genau das ermöglicht mir, mehr zu arbeiten und mitzudenken, als ich es sonst schaffen könnte. Meine Kraftquelle sind die Berge – wann immer mög- lich sind wir mit Bergschuhen oder Skitouren-Ski auf Gipfeln unterwegs. Durch das Haus meiner Eltern in Oppenberg ist uns das glücklicherweise sehr oft möglich und wir verbringen sehr viel Familienzeit in den Bergen. Zuhause sind wir in Rein, nördlich von Graz, wo wir gerade ein altes Bauernhaus umbauen und es genießen, die Grazer Hügel- und Bergland- schaft vor der Haustür zu haben. Wie herrlich für den Forschergeist, dass man noch längst nicht alles weiß. Er kann vergnügt sein ganzes Leben, nach Wissen und nach Weisheit streben. Zu hoffen bleibt, dass es gelingt, dass es der Menschheit Gutes bringt. I Foto: AEE INTEC Foto: privat Bettina Muster- Slawitsch - Forscherin, Bergfex und Mama 35 34 VERANSTALTUNGEN / PORTRÄT

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