„nachhaltige technologien 04 | 2020"

konzentrieren sich auf die kleinräumige, verfeinerte Erfassung von städtischen Wärmeinsel-Effekten und Schadstoffkonzentrationen. Die entwickelten Me- thoden werden derzeit in Städten unterschiedlicher Größe in Österreich und China getestet und sind weltweit anwendbar. Während die chinesischen Partner den Fokus auf die Entwicklung einer Inversionsmethode zur Abschät- zung der vorherrschenden Lufttemperaturen aus Drohnen-Thermografieaufnahmen des Stadtgebiets legen, konzentriert sich die Arbeit in Österreich ins- besondere auf die Entwicklung einer neuen Methode zur Berechnung und Bewertung des thermischen Komforts im urbanen Raum. Thermischer Komfort Die subjektiv anmutende Terminologie „thermischer Komfort“ oder „empfundene Temperatur“ beschreibt die Relevanz dieser Größen nur unzulänglich, da Hitze- oder Kältebelastung, welche mit sehr hohen oder sehr niedrigen Werten der thermischen Kom- fortindizes verbunden ist, zu objektivem physiolo- gischem Stress führt. Dieser stellt nicht nur eine Behaglichkeitsbeeinträchtigung dar, sondern kann gravierende gesundheitsrelevante Auswirkungen bis hin zu einem Anstieg der Mortalitätsrate haben. Mehrere Studien (etwa der WHO) analysieren die Auswirkungen und Einflussfaktoren von Hitzewellen ür eine intelligente Stadtplanung bzw. für Verbes- serungsmaßnahmen muss man wissen, wo welche Probleme auftreten, zum Beispiel wo es Wärmeinseln gibt oder wo die Schadstoffkonzentration besonders hoch ist. Für die Erfassung dieser Daten stehen nun neuartige Messköpfe für Zeppeline, Drohnen und UAV (Unbemannte Luftfahrzeuge) zur Verfügung, die umfassende und präzise Messdaten liefern können. Derzeit basieren die meisten Simulationsverfahren für das Stadtklima oder einzelne Gebäude auf makro- skopischen Daten, welche entweder von Satelliten bzw. Forschungsflugzeugen oder aus einem groben Netz von stationären Messstationen erfasst werden. Für eine genaue Beschreibung der lokalen Bedingun- gen in und um Gebäude ist es jedoch wesentlich, die relevante mikroklimatische Einheit, welche zumeist nur einige Gebäude und deren Umgebung umfasst, möglichst präzise zu erfassen und zu beschreiben. Neuartige Messmethoden gestatten nun lokale, detaillierte Messungen der thermischen Umgebung und der Luftgüte im Stadtgebiet, sowie Bildaufnah- men aus niedriger Höhe in einer bisher unerreichten Datenqualität. Die Entwicklung von durchgängigen Prozessketten zur Nutzung dieser neuen Methoden ist Ziel des vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Tech- nologie geförderten Projekts „Smart City Sensing“, welches von österreichischen und chinesischen Pro- jektpartnern durchgeführt wird. Die Untersuchungen F Daniel Rüdisser Foto: AEE INTEC Drohnen machen Jagd auf urbane Hitzeinseln 9 8 DIGITALISIERUNG IM ENERGIESEKTOR

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