„nachhaltige technologien 04 | 2021"

Eine umfassende Analyse des Stadtklimas basiert auf zahlreichen Eingangsparametern: Landnutzung, Gebäudevolumen und Vegetationsverteilung (oben v.l.n.r.) sowie Hangneigung, Kaltflussabfluss und Windstatistik (unten v.l.n.r.) Quelle: Weatherpark GmbH Stadtklimatische Komponente „Thermik" Stadtklimatische Komponente „Dynamik" Modulares GIS-Verfahren (nach VDI Richtlinie 3787 Blatt 1) Landnutzung Hangneigung Gebäudevolumen Kaltluftabfluss Vegetationsverteilung Windstatistik Stadtklimanalyse Am Beginn einer stadtklimatologischen Expertise steht meistens eine gesamtstädtische Betrachtung. Oftmals kann dafür auf eine so genannte Stadtklima- analyse zurückgegriffen werden. Diese beinhaltet eine räumliche Analyse der thermischen und dynamischen Aspekte des Stadtklimas. Kartendarstellungen bieten einen stadtweiten Überblick von Bereichen mit Über- wärmung und Bereichen, die als Ausgleichsräume dienen. Letztere sind Grünräume in Siedlungsnähe, die das Mikroklima im verbauten Gebiet verbessern. Außer- dem sind in einer Klimaanalysekarte die relevanten Windsysteme eingetragen. Dahinter steckt ein vordefi- nierter Ablauf, der aus zahlreichen unterschiedlichen GIS-basierten Datenquellen den Klimaüberblick berech- net. So fließen zum Beispiel Landnutzung, Orographie 1 , Bebauungsdichte und Vegetationsanteil in die objek- tive – das heißt nicht vom Bearbeitenden abhängige – Analyse ein. Das Verfahren ist in einer Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) festgehalten. lima ist nicht gleich Klima. Aufgrund von Be- bauung, fehlender Vegetation, Schadstoffemissionen und Abwärme ist das Klima in Städten und Gemeinden oft anders als im ländlichen Umland. Konkret führen diese Unterschiede zu einer niedrigeren Luftfeuch- tigkeit, zu anderen Windgeschwindigkeiten und vor allem zu höheren Temperaturen. Letztere werden durch den Klimawandel im wahrsten Sinne des Wortes nochmal stark angeheizt. Um auf diese Entwicklung bei Planungen reagieren zu können, wird der Bedarf an Simulationen des Mikro- klimas immer größer. Darunter sind Computerberech- nungen von unterschiedlichen meteorologischen Phä- nomenen inmeist rechteckigenUntersuchungsgebieten von einigen 100 m Seitenlänge zu verstehen. Unter die betrachteten Phänomene fallen unter anderem die Temperatur, Kaltluftströme oder Windeffekte. Gemein- sam haben diese Phänomene, dass sie das Wohlbefin- den der Menschen – positiv oder negativ - beeinflus- sen. Die Simulationen dienen als Grundlage für die Verbesserung der Aufenthaltsqualität auf Freiflächen. K Mikroklimasimulationen als Beitrag zur Anpassung an die Klimakrise Matthias Ratheiser, Wolfgang Gepp Foto: Weatherpark GmbH 1 Orographie ist die beschreibende Darstellung des Reliefs der Erdoberfläche 15 14 GEBÄUDESIMULATION

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