„nachhaltige technologien 04 | 2021"

m 21. Oktober 2021 wurde AEE INTEC von Klima- schutzministerin Leonore Gewessler für das Projekt „Ammonia-to-Power“ mit dem Staatspreis 2021 für Umwelt- und Energietechnologie in der Kategorie „Forschung & Innovation“ ausgezeichnet. Mehr als einhundert Unternehmen und Organisationen aus ganz Österreich hatten sich um den Staatspreis beworben. Optimiertes Vakuum-Membrandestillationsver- fahren und Feststoff-Brennstoffzelle In unterschiedlichen Reststoffströmen aus Landwirt- schaft, Biogasanlagen, kommunalen Abwässern oder der Bioethanolproduktion wie beispielsweise Gülle, Schlämmen, (Produktions-)abwässern oder Gärresten sind große Mengen von Ammonium in Form von Stickstoffsalzen gebunden. Mangels effizienter Rück- gewinnungstechnologien ging der darin enthaltene Wasserstoff bisher ungenutzt verloren. Die Betreiber mussten die Reststoffe entsorgen bzw. behandeln und reinigen, mit negativen Auswirkungen auf Umwelt und Grundwasser durch Überdüngung, beziehungsweise Kosten zur Reduzierung der Stickstoffbelastung von Kläranlagen. Mit einem im Rahmen des Projekts „Ammonia-to- Power“ im Labormaßstab entwickelten optimierten Vakuum-Membrandestillationsverfahren wird aus den ungenutzten Niedertemperaturabwärmeströmen Ammoniak gewonnen und in einer gemeinsam mit AVL List und TU Graz entwickelten Feststoff-Brenn- stoffzelle in Strom und Hochtemperaturwärme umge- wandelt. Damit wurde erstmals der Grundstein für eine energieeffiziente, wirtschaftliche und industriell nutzbare Rückgewinnung sowie energetische Verwer- tung von Ammoniak aus flüssigen Abfallprodukten gelegt. Darauf aufbauend wurde vom Projektteam ein Real-Scale-Konzept ausgearbeitet. Riesiges Anwendungspotenzial In Europas Kläranlagen fallen jedes Jahr rund 16,4 Millionen Tonnen Nassschlamm an 1 . Die jährliche Gesamtammoniumfracht aus Schlammentwässerung und Klärschlammtrocknung macht mehr als 35 000 t/a aus und trägt erheblich zur Stickstoffbelastung der Kläranlagen bei. Diese Stickstoffbeladung entspricht einer Energiemenge von rund 182 000 MWh/a. Neben diesem „grünen“ Wasserstoff/Brennstoff- Potenzial wird aufgrund der Ammoniumentfernung auch weniger Energie für die Abwasserbehandlung benötigt. In der EU könnten damit allein bei Kläranlagen insgesamt 84 000 t CO 2 pro Jahr eingespart werden. Das erhebliche Energieerzeugungspotenzial und die CO 2 -Einsparungen durch den Einsatz des Verfahrens in industriellen Anwendungsbereichen oder bei Bio- gasanlagen sind in dieser Abschätzung noch gar nicht berücksichtigt. A 1 EUROSTAT; Sewage sludge production and disposal from urban wastewater Foto: Jack Coleman / JCAE Agentur GmbH Staatspreis für Umwelt- und Energietechnologie 2021: AEE INTEC gewinnt in der Kategorie „Forschung und Innovation“ 33 32 NEUE PROJEKTE / STAATSPREIS 2021

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