„nachhaltige technologien 04 | 2023“

n den letzten zwei Jahrzehnten hat die bebaute Fläche weltweit um erstaunliche 65 Prozent zuge- nommen und wird voraussichtlich im Jahr 2020 fast 245 Milliarden Quadratmeter erreichen. Gleichzeitig ist der durchschnittliche Energieverbrauch pro Quadratmeter nur um etwa 25 Prozent gesunken, was darauf hindeutet, dass die Fortschritte bei der Sanierung und Energieeffizienz das Wachstum der Nutzfläche nur teilweise ausgeglichen haben. Der Gebäudesektor bleibt daher nach wie vor von entscheidender Bedeutung, um die Klimaziele zu erreichen. In den Jahren von 2005 bis 2014 gab es im Gebäudesektor durchaus Erfolge mit einer Reduktion von Treibhausgasemissionen um 40 Prozent 1 . Seit- dem stagnieren diese Fortschritte jedoch. Gemäß den Zielen der EU-Initiative "Fit-for-55" müssen bis 2030 jedoch drastische Emissionsreduktionen erreicht werden, um die Halbierung zu schaffen 2 . Noch immer stehen Architekt*innen, Ingenieur*- innen, Bauunternehmer*innen, Gebäudeeigen- tümer*innnen und Hausverwaltungen vor der Herausforderung, für jedes Sanierungsprojekt individuelle Lösungen entwickeln zu müssen. Jede Gebäudesanierung wird somit zu einem Prototyp und viel Potenzial für Optimierungen bleibt ungenutzt. Die herkömmliche Sanierungspraxis • Arbeiten für übliche Sanierungsprozesse und Tech- niken sind sehr zeitintensiv und erfordern monate- lange Arbeiten vor Ort bzw. sogar zwischenzeitliche Aussiedelungen der Bewohner:innen. • Risiko in Bezug auf Umsetzungsqualität und Ener- gieeinsparung für die Eigentümer:innen • Bei jedem Projekt wird eine neue Lieferkette aufge- baut • Ein erheblicher Anteil der Sanierungsarbeit entfällt auf Nacharbeiten von Fehlern, was Zeit und Geld kostet; etwa 14 Prozent des Umsatzes werden für die Behebung von Fehlern aufgewendet • Die Produktivitätszeiten liegen oft unter 50 Prozent • Baueinreichungsverfahren sind langwierig und müssen aufgrund fehlender Standardisierung um- fassend von den Behörden geprüft werden Serielle Sanierungslösungen / Out-of-the-box Systemlösungskonzepte • Statt Prototypen anzufertigen, wird auf Standardi- sierung gesetzt • Komplexität soll durch den Verzicht auf Sonderlö- sungen reduziert werden • Vereinfachte Behördenverfahren durch „Bautypen- genehmigung“ • Garantien für energetische Performance und Be- haglichkeit können ein wichtiger Schritt in Richtung Warmmiete sein, um das Investoren-Nutzer*innen- Dilemma zu lösen • Pilotprojekte zeigen, dass hochwertige Sanie- rungen schnell und ohne große Störungen der Bewohner*innen umgesetzt werden können • Fehler können durch den Einsatz von BIM (Building Information Modeling), minimiert werden I Gebäudesanierung im Wandel: vom Prototypen zu seriellen Lösungen Tobias Weiss, Armin Knotzer Leitprojekt RENVELOPE – Energy Adaptive Shell. Anhand dreier De- monstratoren soll gezeigt werden, dass aus einer Vielzahl an prototypischen Einzellösungen ein Gesamtsystem für die CO 2 -neutrale Gebäudesanierung mit vorgefertigten innovativen Fassa- den- und Dachelementen kosten- und zeiteffektiv umgesetzt werden kann. Quelle: AEE INTEC

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