„nachhaltige technologien 04 | 2023“
Das Leitprojekt e80^3 hat gezeigt, dass es mit mul- tiplizierbarer, hochwertiger Gebäudehülle möglich ist, über die Jahresbilanz Plus-Energie-Standard bei Sanierungen bis zu vier Geschoßen zu erreichen. Die Zutaten: Außenhülle mit Passivhauskomponenten, gleichzeitige Integration von energieerzeugenden Aktivelementen wie thermischen Solarkollektoren und PV sowie eine intelligente Steuerung und Netz- interaktion mit bestehenden Wärme- und Strom- netzen. Mit der seriellen Sanierung der Wohnhaus- anlage “Johann-Böhm-Straße 34/36“ in Kapfenberg wurde erstmals in Österreich ein bestehendes Mehr- familienhaus aus den 1960er-Jahren in ein nahezu Plus-Energie-Gebäude verwandelt (Anm. siehe auch den Artikel „Pioniere der Sanierung mit Fertigteilen“ in dieser Ausgabe der „nachhaltigen technologien“). In den Projekten SüdSan und smarteVeranda sollen einige der oben angesprochen Technologielösungen auf Quartiersebene in Siedlungen mit insgesamt ca. 500 Wohneinheiten etappenweise umgesetzt werden. Ausblick: Standardisierung, Digitalisierung und Finanzierbarkeit Ein wesentliches Hemmnis bei der Umsetzung von seriellen Sanierungen bleibt trotz einer Vielzahl an bereits etablierten technischen Lösungen und neuen marktnahen Entwicklungen derzeit die Finanzierbarkeit der Maßnahmen bei vertretbaren Mieterhöhungen für die Bewohner*innen, vor allem im Sozialen Wohnbau. Auch scheitern viele Sanierungen trotz hoher Förderungen an hohen Zinsen und Baukosten, bestehenden Mietverträgen, die nur in geringem Ausmaß eine Erhöhung der Mietkosten durch die erzielten Energieeinsparungen und den verbesserten thermischen Komfort zulassen (Investoren-Nutzer*innen-Dilemma). Dadurch rücken umfassende Sanierungskonzepte oft in weite Ferne. Mit dem Leitprojekt RENVELOPE der Vorzeigeregion Energie soll nun gemeinsammit Industriepartnernwie Rhomberg, Nussmüller Architekten und Towern3000 ein entscheidender Schritt zur Markteinführung und Finanzierbarkeit serieller Sanierungslösungen gesetzt werden. Im Zuge dieses Projektes werden drei Gebäude mit einer kosteneffizienten seriellen Komplettlösung, in Form einer vorgefertigten Außen- hülle mit integrierter Gebäudetechnik modernisiert. Dies stellt einen Paradigmenwechsel gegenüber dem traditionellen Ansatz dar, bei dem die Heizungs-, Lüf- tungs- und Klimaanlagen im Inneren des Gebäudes untergebracht wurden. Drei großvolumige Gebäude werden dabei in Österreich mit diesem System seriell saniert: ein mehrgeschoßiges Wohngebäude der Sozialbau AG in Wien, die Landesberufsschule in Knittelfeld und ein Bürogebäude. Mit den drei Demonstratoren soll gezeigt werden, dass aus einer Vielzahl an prototypischen Einzellösungen ein Gesamtsystem für die CO 2 -neutrale Gebäudesanie- rung mit vorgefertigten innovativen Fassaden- und Dachelementen kosten- und zeiteffektiv umgesetzt werden kann. Die Zeitersparnis in der Umsetzung soll dabei zwischen 50 – 70 Prozent liegen und die Reduktion des Energiebedarfs bei bis zu 80 Prozent. Gelingt es durch Digitalisierung, Standardisierung und Vorfertigung sowie Kosteneinsparung durch multifunktionale Bauteile wirtschaftlich tragbare Konzepte für die Sanierung von Mehrfamilien- häusern zu etablieren, so können diese in einem nächsten Schritt auf größere Gebäudeportfolios skaliert werden. "Die serielle Sanierung wird eines der Erfolgsrezepte, um die in der EU-Taxonomieverordnung ausgearbeiteten, ambitionierten ESG-Kriterien zu erfüllen. Mit digitalen Tools sowie industriell vorgefertigten Fassaden aus Holz dekarbonisieren wir schon heute in Rekordzeit ganze Häuserriegel – kostengünstig, hochwertig und ressourcenschonend." Hubert Rhomberg, CEO Rhomberg Gruppe Foto: Stefan Joham Dipl.-Ing. Dr. Tobias Weiss ist Leiter des Bereichs „Gebäude“ bei AEE INTEC. t.weiss@aee.at Dipl.-Ing. Armin Knotzer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bereichs „Gebäude“ bei AEE INTEC. a.knotzer@aee.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper RENVELOPE BuildUpSpeed CEPA E8 0^3 S anierung J ohann Böhm S trasse
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2