„nachhaltige technologien 04 | 2023“
Jahren noch einiges zu tun. Es ist ein breites Feld, das es in Sachen Energiewende zu beackern gilt, es bietet viele wirtschaftliche Chancen und Investiti- onsmöglichkeiten. Auch die OMV täte gut daran, endlich ihr Geschäfts- modell auf neue Beine zu stellen, um die notwendige und unbedingt klimataugliche Diversifizierung unse- res Energiesystems voranzubringen. Denn fossiles Erdgas ist ein Auslaufmodell. Investieren sollte man jedoch in die Zukunft! Anstatt in tausenden Metern Tiefe nach Gas zu bohren, sollte die OMV besser hei- ßes Wasser aus dem Erdinneren fördern. Das tiefen- geothermische Potential ist in Österreich noch sehr unzureichend genutzt. Dabei könnte die Wärme aus der Tiefe laut österreichischem Geothermieverband etwas mehr als die Hälfte der derzeit mit Erdgas versorgten Haushalte mit Raumwärme versorgen (vgl. www.geothermie-oesterreich.at) . Ein beachtli- cher Brocken auf dem Weg zur Unabhängigkeit von fossilem Gas. Zum Vergleich dazu: der Gasfund in Gänserndorf schafft gerade einmal einen Anteil von etwa 7 Prozent des Gases abzudecken, das derzeit für die Raumwärmeerzeugung in Österreich zum Einsatz kommt. Die Aussichten des Gasfunds scheinen angesichts der Energiekrise im letzten Winter verlockend, doch bei genauerer Betrachtung wird deutlich: Lassen wir das Gas in der Erde und beschleunigen wir stattdes- sen den Übergang zu erneuerbaren Energien. Nur so können wir eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen gewährleisten und die Energiever- sorgung für Menschen und Wirtschaft langfristig sichern. Beim Einsatz in der Raumwärme schneidet das Gas noch schlechter ab. Wird mit Wärmepumpen dieselbe Menge an Energie für die Raumwärme bereitgestellt wie durch das pro Jahr gewonnene Gas der OMV in Gasheizungen, bräuchte es lediglich etwa 33 Windrä- der oder rund 4 Quadratkilometer Photovoltaikfläche – bei einem COP-Wert der Wärmepumpe von 3. Auch der aktuelle österreichische Bestand an thermischen Solarkollektoren vermag jährlich zumindest genau so viel Wärmeenergie an die Haushalte zu liefern, wie durch den Gasfund pro Jahr in Gasheizungen verfeu- ert bei den Kund*innen ankommen könnte. Und bei der Ausschöpfung des Potentials von Sonne, Wind, Wasser, Biogenen und Geothermie haben wir noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht! Von historisch kann beim Gasfund der OMV keines- wegs die Rede sein, denn es stellt sich die berech- tigte Frage, warum die Förderung und Verbrennung endlicher fossiler Brennstoffe mit erheblichen Umweltauswirkungen und massiven Folgen für die Klimaerhitzung der Investition in erneuerbare und klimafreundliche Strom- und Wärmeerzeugung vor- zuziehen sein sollte! Vielleicht sollten wir uns in diesem Zusammenhang auch nochmals in Erinnerung rufen, was sich Öster- reich und die Europäische Union in Sachen Energie- wende und Klimaschutz vorgenommen haben! Die verstärkten europäischen Klimaschutzambitionen erfordern von Österreich eine CO 2 Reduktion von mi- nus 48 Prozent bis 2030 in jenen Bereichen, die nicht dem Emissionshandel unterworfen sind. Das bedeu- tet eine Halbierung der Emissionen innerhalb der nächsten sieben Jahre. Gelingt das nicht, so drohen für Österreich Strafzahlungen in der Höhe von fast 5 Milliarden Euro. Die Umstellung der Energieversor- gung von fossilen auf erneuerbare Ressourcen hat hierbei eine besondere Bedeutung. Aber auch hier ist Österreich säumig! Wie der Entwurf des Nationalen Klima-undEnergieplans(NEKP)zuletztdeutlichmachte, werden wir zur Erreichung von bilanziell 100 Prozent erneuerbarem Strom bis 2030 anstatt der ursprüng- lich angenommenen 27 TWh erneuerbarem Strom vielmehr 34 bis 39 TWh zusätzlich brauchen. Ent- sprechend dringlich ist natürlich auch der Bedarf, die Verteilinfrastruktur für Strom zu ertüchtigen. Zudem ist zur Erreichung der EU-Ziele in Österreich bis 2030 ein Anteil von 60 Prozent erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch zu erreichen. Die statisti- schen Auswertungen zeigten zuletzt einen Anteil von etwa 36,5 Prozent. Also ist auch hier in den nächsten Martina Prechtl-Grundnig ist seit 2020 Geschäftsführerin des Dachverbands Erneuerbare Energie Österreich. Im Fokus ihrer Arbeit steht die Schaffung zentraler politischer Rahmenbedingungen, die es für die Energiewen- de auf Bundes- und auf Landesebene in den Bereichen Strom und Wärme braucht. Von 2002 bis 2007 war sie Geschäftsführerin des Energieparks Bruck an der Leitha, bis sie 2007 die Geschäftsführung von Kleinwasser- kraft Österreich übernahm. Foto: Bundesverband Photovoltaic Austria LEITARTIKEL 5 4
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