„nachhaltige technologien 1|2017"

ENERGIEVERSORGUNG FÜR STÄDTE 10 11 Fernwärme-Zentrale Graz mit 7.750 m², imWasserwerk Andritz und am Stadion Liebenau (in Summe 13.000 m²). Neben dem bereits angeführten solaren Speicherpro- jekt „HELIOS“ ist vor allem die Planung einer solaren Großanlage mit Langzeitspeicher („BigSolar“) zu erwäh- nen. Diese Anlage würde von der Größe her dänische Vorbild-Anlagen um etwa einen Faktor 7 übertreffen. BigSolar Graz Eine Machbarkeitsstudie für eine Großsolaranlage in Verbindung mit Langzeitspeichern, Absorptions- wärmepumpen und Stützenergie hat bestätigt, dass eine 20%-Deckung des jährlichen Fernwärme-Bedarfs durch Solarenergie erreicht werden kann. Kollektorfeld bis zu 450.000 m² mit Saisonalspeicher bis 1.800.000 m³ 6 Absorptionswärmepumpen mit jeweils 16 MW Leistung (96 MW) Solarertrag liegt bei 232 GWh/a bei einer solarthermischen Leistung von max. 250 MW. Erste Berechnungsergebnisse zeigen, dass ein der- artiges Projekt wirtschaftlich machbar ist und im Gesamtsystem die Unabhängigkeit von fossilen Ener- gieträgern und die Preisstabilität signifikant erhöhen. Erdgasanlagen als „Brückentechnologie“ Als „Brückentechnologie“ bis zur weitgehenden De- karbonisierung der Aufbringung sind zentrale Erdgas- anlagen in der Winterspitze unverzichtbar. Sinnvoll ist daher der Einsatz neuer bzw. modernisierter Anlagen mit hohem Wirkungsgrad und niedrigen spezifischen (NOx-) Emissionen. Zu nennen sind dazu die Erneuerung der Container- Heißwasserkessel in der Fernwärme-Zentrale Graz (21 MW), die Adaptierung der WDS (Wärmedirektservice der Energie Graz GmbH)-Heizzentrale Waagner-Biro- Straße (14 MW) und die Errichtung von erdgasgefeu- erten Kesselanlagen in der Fernwärme-Zentrale Graz (190 MW). Zusammenfassung Ausgelöst durch den möglichen Ausfall der Wärme- versorgung aus den KWK-Anlagen Mellach ab 2020 wurden innovative Lösungsansätze für eine Um- stellung des Fernwärme-Systems im Großraum Graz entwickelt und teilweise bereits umgesetzt. Es wurde erkannt, dass neben der forcierten Umset- zung von Energieeffizienzmaßnahmen die Nutzung von Erdgas als „Brückentechnologie“ für die Versorgungs- sicherheit in der Umstellungsphase erforderlich ist. Das bisherige System weniger Großanlagen wird durch einen Mix zahlreicher Wärmeeinspeiser ersetzt werden, deren Koordination komplexe Steuerungen und umfangreiche Simulationen erfordert. Der „Fahrplan“ zur Wärmeaufbringung aus erneuer- baren Quellen sieht vor, dass ausgehend von einem Anteil von rund 25 % im Jahr 2017 innerhalb der nächsten 10 Jahre realistisch bereits ein Anteil von 50 % erreicht werden kann. Noch vor 2050 sollte es – entsprechende Rahmenbedingungen vorausgesetzt – möglich sein, die gesamte Fernwärme mit erneuer- baren Ressourcen zu erzeugen. Der Prozess dazu – die „städtische Wärmewende“ – hat gerade erst begonnen … DI Dr. Werner Prutsch ist Leiter des Umweltamtes der Stadt Graz. werner.prutsch@stadt.graz.at DI Ernst Meißner ist Mitarbeiter der Grazer Energieagentur GmbH. meissner@grazer-ea.at Weiterführende Informationen: www.umwelt.graz.at/cms/ziel/7301688/DE Der "Fahrplan" zur Fernwärme (FW)-Aufbringung aus erneuerbaren Quellen für den Großraum Graz Datenquelle: Energie Steiermark, Energie Graz Berechnung: Grazer Energieagentur * Vision: entsprechende Rahmenbedingungen vorausgesetzt Planung FW-Aufbringungsmix Großraum Graz 100% 80% 60% 40% 20% 0% 2013 2017 2022-2027 2040-2050 Erneuerbar nicht Erneuerbar *

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