„nachhaltige technologien 1|2017"

Leistungsspitzen, was jedoch Eingriffe in Kundenan- lagen bedingt. Im Fernwärme-Netz wird an der Opti- mierung von Einspeisung und Speicherung, auch mit Nutzung unterschiedlicher Temperaturniveaus bzw. des Fernwärme-Rücklaufs, gearbeitet. Ziel ist die Umsetzung eines „smarten“ Fernwärme- Netzes mittels Einbindung von Speichern, Power to Heat- und Hybridlösungen oder intelligenter Infor- mations- und Kommunikationstechnologien (Wetter- und Bedarfsprognosen, Aufbringungsoptimierung). Partnerschaften mit Kunden in Bezug auf Tempera- turniveau, Energieeffizienz, Lastmanagement und ähnlichem sowie die Nutzung von Niedertemperatur- Fernwärme mit Einbindung von Alternativenergien in Stadtentwicklungsgebieten sind weitere Ziele. Die besonderen Herausforderungen bei der Nutzung von Alternativenergien sind die Bedarfsspitzen im Winter (bis zu 530 MW) mit Vorlauftemperaturen bis zu 120°C, die Volatilität vieler erneuerbarer Energien, die begrenzte regionale Verfügbarkeit von Biomasse sowie die besondere Immissionssituation in Graz. Umgesetzte Maßnahmen bzw. Maßnahmen in Umsetzung Niedertemperatur-Abwärmenutzung mit Wärme- pumpen im Stahl- und Walzwerk Marienhütte (bis zu 11,5 MW, ca. 4 % des Fernwärme-Bedarfes). Abwärmenutzung „Eishalle Liebenau“ (0,7 MW aus Abwärme Kältemaschinen mit Wärmepumpe). Abwärmenutzung aus dem Papier- und Zellstoffwerk Sappi in Gratkorn (Leitung ca. 11 km, bis zu 35 MW, ca. 13 % des Fernwärme-Bedarfes). Solares Speicherprojekt „HELIOS“ Neufeldweg (Entladeleistung bis 10 MW, Solarflächen modular 2.000 -10.000m² in Kombination mit Deponiegas- BHKW und "Power to Heat"). Hackgut-Biomasseanlage aus regionaler Auf- bringung in Hart bei Graz mit 5 MW (ca. 2 % des Fernwärme-Bedarfes) Wärmeeinspeisung der FARINA-Mühle mit 0,25 MW (Wärme aus biogenen Abfällen) Weitere Potenziale werden laufend geprüft, aktuell z.B. eine Abwasserwärmenutzung im Ablauf der Klär- anlage der Stadt Graz mit Wärmepumpen (ca. 7 MW, ca. 5 % des Fernwärme-Bedarfes). Energiemodell Graz Reininghaus Ein gutes Beispiel für eine moderne Konzeption der Wärmeversorgung in „Smart-City“-Neubaugebieten ist das Energiemodell Graz Reininghaus. Es handelt sich um ein Stadtentwicklungsgebiet im Westen von Graz mit einer Fläche von ca. 54 ha und ca. 10.000 bis 12.000 BewohnerInnen im Endausbau. Eckpunkte des Energiemodells Reininghaus sind eine emissionsarme Wärmelieferung, ein Nieder- temperatur-Wärmenetz (max. 68°C) mit Nutzung industrieller Abwärmequellen, zwei hocheffizienten Großwärmepumpen mit je bis zu 5,75 MW therm , 1.700 m³ Wärmespeicher als Tages- und Wochenspeicher, eine Photovoltaik-Anlage mit 85 kWp sowie die Ein- speisung von Überschuss-Wärme mit bis zu 95°C in das bestehende Fernwärme-Netz (ca. 40 GWh/a). Biomasse Biomasse hat in einem modernen Fernwärme- Aufbringungsmix jedenfalls Bedeutung, allerdings ist diese durch begrenzte regionale Verfügbarkeit von Biomasse und die spezielle Immissionssituation in Graz begrenzt. Die Errichtung eines großen Biomasseheiz(-kraft)wer- kes mit einer Leistung im mehrstelligen MW-Bereich würde eine internationalisierte Brennstofflogistik erfordern. Damit verbunden wären Fragen der Trans- portemissionen, der langfristig planbaren Lieferung und der nachhaltigen Waldnutzung. Weiters ist bei größeren Anlagen trotz moderner Filtertechnik die Emissionsfracht besonders zu beachten. Umweltwärme Intensiv untersucht wurden auch Potenziale an „Um- weltwärme“ für eine Wärmepumpennutzung, etwa aus der Mur, über Grundwasser, Trinkwasser und Abluft aus dem Plabutschtunnel. Temperaturniveaus und Angebote der Quellen sind aber oft antizyklisch zum Bedarf und neben technischen Herausforderun- gen, insbesondere hinsichtlich Langzeitspeicherung, gestaltet sich eine wirtschaftliche Umsetzbarkeit schwierig. Solarenergie Das theoretische Potenzial der Solarenergie ist sehr groß, die resultierenden Dimensionen bei einer nennenswerten Nutzung sind es allerdings auch. Spürbare Anteile am Wärmebedarf können nur über Großanlagen mit Langzeitspeicherung und Möglich- keit einer „Nachheizung“ gedeckt werden. Dabei stößt man rasch an Grenzen der Flächenverfügbarkeit. Ohne Speichermöglichkeit bereits vorhanden sind Anlagen bei der Holding Graz und am Areal der

RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2