„nachhaltige technologien 1|2017"
ENERGIEVERSORGUNG FÜR STÄDTE 8 usgangslage Das Grazer Becken zählt mit der schlechten Durchlüf- tung im Winter zu den am höchsten mit Feinstaub und Stickstoffdioxid belasteten Gebieten Österreichs. Beim „Hausbrand“ konnte vor allem durch den Ausbau leitungsgebundener Energieträger - insbesondere der Fernwärme - eine spürbare Reduktion der Emissionen erreicht werden. Neben Bereichen mit einer Anschlussverpflichtung an das Fernwärme-Netz (mit Ausnahmen!) auf Basis des § 22 Stmk. Raumordnungsgesetz ist vor allem ein umfangreiches Förderprogramm anzuführen. Damit wurde schon 2012 ein Fernwärme-Anteil von knapp 40% erreicht, aktuell ist die Stadt Graz auf dem Weg, diesen Anteil auf 60% zu steigern. Aktuell ergibt sich im „Großraum Graz“ ein jährlicher Fernwärme-Bedarf von etwa 1.200 GWh bei einer Spit- zenleistung von etwa 530 MW. Bisher basierte dieWärmeaufbringung wesentlich auf Kraft-Wärme-Kopplung im Kraftwerkspark Mellach. Es mussten aber die Betriebsprognosen für KWK-Anlagen aufgrund der stark fallenden Strompreise nach unten korrigiert werden. In dieser Situation wurde eine Arbeitsgruppe rund um ein Kernteam, bestehend aus Energie Steiermark, Energie Graz, Holding Graz und Grazer Energieagentur unter Leitung des Grazer Umweltamtes konstituiert, die sich intensiv mit dem „Fernwärme-Aufbringungs- mix 2020/30“ auseinandersetzte. Ziele des Fernwärme-Aufbringungsmix 2020/30: Keine Verschlechterung beim Primärenergiefaktor der Fernwärme-Aufbringung (und damit der CO 2 -Bilanz). Keine Verschlechterung bei den spezifischen Emissionen. Berücksichtigung der Immissionssituation in Graz. Keine Erhöhung der Kosten in Relation zu anderen Beheizungsarten. Beibehaltung der Versorgungssicherheit. Erdgaskessel wahren in der Winterspitze die Versor- gungssicherheit, können aber im Sinne der „Dekar- bonisierung“ nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Energieeffizienzmaßnahmen In einer zukunftsfähigen Planung sind alle Energie- effizienzmaßnahmen auszuschöpfen. Effizienzsteige- rungen im Gebäudebestand sind seit vielen Jahren Hauptpunkt, allerdings darf bei innerstädtischem Altbestand die Erwartungshaltung nicht zu hoch angesetzt werden. Im Fernwärme-System laufen Bemühungen zur Absenkung der Rücklauftemperaturen und der Wolfgang Götzhaber, Ernst Meißner, Gerald Moravi, Werner Prutsch, Peter Schlemmer, Robert Schmied, Erich Slivniker, Martin Zimmel Wärmepumpe mit bis zu 5,75 MW therm im Stahl- und Walzwerk Marienhütte zur Nutzung der Abwärme für das Grazer Fernwärmenetz. Foto: Grazer Energieagentur Fernwärme als Schlüssel für die städtische Wärmewende 9 A
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2