„nachhaltige technologien 1|2017"
ENERGIEVERSORGUNG FÜR STÄDTE 19 18 Geoinformationssysteme als wichtiges Werkzeug in der Energieraumplanung In methodischer Hinsicht bergen Geoinformations- systeme (GIS) 1 großes Potential, die einzelnen Fach- bereiche über eine gemeinsame Plattform zusam- menzuführen und neues Wissen zu generieren. Bei der ganzheitlichen Betrachtung von Energiesystemen ist die Verschneidung von räumlichen Analyseme- thoden mit Methoden der Stadtplanung sowie der klassischen Energieplanung sehr zielführend, unter anderem bei Datenspeicherung und -verwaltung, Analyse und Optimierung, bei Ergebnisdarstellung und Kommunikation. Konkret ermöglichen GI-Systeme den Lückenschluss zwischen Analysen auf Kompo- nenten- (z.B.: Gebäude, Energieumwandlungsanlage, Wärmenetz) und Systemebene (Gebäudeverbund, Nah- und Fernwärmesystem, verteilte Einspeiser, etc.), indem der räumlichen Dimension besondere Aufmerksamkeit beigemessen wird. Ergebnisdarstel- lungen mit Raumbezug bzw. in Form von Karten sind in weiterer Folge für Stadtplanungsprozesse mit sehr unterschiedlichen Akteuren hilfreich, um komplexe Zusammenhänge anschaulich zu kommunizieren. Eine wichtige Grundlage zur Energieraumplanung leistet GIS beispielsweise bei der flächendeckenden Abschätzung und Darstellung von Wärmeverbräuchen und Potenzialen erneuerbarer Energieträger. Metho- disch werden hierfür Daten aus unterschiedlichen Quellen (Erdbeobachtung, Statistik, Kataster, etc.) über eine räumliche Verortung in einem GIS zusammenge- führt. Als konkrete Datenquellen dienen beispielswei- se Gebäudeflächen aus der digitalen Katastermappe, Laserscan-Daten aus Befliegungen und Energieaus- weisdaten aus systematischen Erhebungen. Ergänzt mit Informationen wie Gebäudenutzung kann der ak- tuelle Wärmebedarf räumlich dargestellt sowie Mög- lichkeiten für technische Maßnahmen wie Sanierung oder Einsatz Erneuerbarer identifiziert werden. Beispiele Salzburg-Schallmoos und Gleisdorf Infolge der IST-Datenerfassung wurde für die beiden Untersuchungsgebiete bereits eine große Menge an (räumlichen) Daten erhoben, in ein GIS-System ein- gepflegt und erste Analysen durchgeführt. In einer kartografischen Darstellung der Wärmebedarfsdich- ten für Salzburg-Schallmoos ist für den Betrachter intuitiv ersichtlich, wo viel bzw. wenig thermische Energie benötigt wird. Mögliche Problembereiche (z. B. hinsichtlich Sanierungsbedarf) oder Potenziale (z. B. hinsichtlich Fernwärmeausbau) können so iden- tifiziert und anschaulich kommuniziert werden. Indem der ersten Karte weitere Informationsschichten hin- zugefügt werden, beispielsweise leitungsgebundene Infrastrukturen wie Fernwärme- oder Gasleitungen, können rasch weitere Informationen transportiert und Zusammenhänge erkannt werden (z. B. wo liegen hohe Fernwärmedichten außerhalb des fernwärmeversorg- ten Gebietes vor, die nicht durch Gas gedeckt sind). Wärmedichtekarte am Beispiel des Untersuchungsgebietes Salzburg-Schallmoos (oben: Wärmebedarfsdichte; unten: Wärmebedarfsdichte + Leitungsinfrastruktur) Quelle: iSPACE 3D-Modell Schallmoos zur Ermittlung von Kubatur und Dachform Quelle: iSPACE Flachdach Satteldach Typ 1 Satteldach Typ 2 Unbekannt Solarpotential in MWh 1 Geoinformationssysteme, Geographische Informationssysteme (GIS) oder Räumliche Informationssysteme (RIS) sind Informationssysteme zur Erfassung, Bearbeitung, Organisation, Analyse und Präsentation räumlicher Daten. Geoinformationssysteme umfassen die dazu benötig- te Hardware, Software, Daten und Anwendungen.
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