„nachhaltige technologien 1|2017"
Erneuerbare Energieversorgung von Städten entscheidend für das Gelingen der Energiewende uerst war Erneuerbar am Land schick! Ich erinnere mich noch gut an unsere fast kindliche Freude Ende der 80er Jahre über erneuerbar versorgte kleine Gebäude mitten im Grünen. Einfamilienhäuser mit einer Wärmedämmung von 10 cm, ein zentraler Kachelofen und eine selbst gebaute thermische Solaranlage haben CO 2 -freies Wohnen schon vor 30 Jahren ermöglicht. Mittlerwei- le gibt es viele neue Technologien, wie effiziente Wärmepumpen, günstige Photovoltaik-Anlagen und supereffiziente Gebäudehüllen. Ein gutes Einfamili- enhaus am Land inklusive Elektroauto kann heute bilanziell die komplette Versorgung mit erneuerbarer Energie schaffen. Es ist heute nicht mehr außerge- wöhnlich, solare Technologien zu verwenden oder in Effizienz zu investieren. Die Herausforderung liegt in der Stadt Das allein kann allerdings nicht die Energiewende –den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien – bringen, immerhin leben mehr als 50 % der Weltbe- völkerung in Städten und bis 2050 soll dieser Anteil sogar auf 70 % ansteigen. In Städten werden derzeit durch die Verbrennung fossiler Energien derzeit mehr als 70 % der weltweiten CO 2 -Emissionen 1 verursacht. Städte spielen aus diesem Grund eine Schlüsselrolle bei der Energiewende. Einerseits bieten dichte Sied- lungsformen im Vergleich zu Gebäuden in Insellage den Vorteil weniger Energie für Mobilität und Hei- zung zu benötigen, gleichzeitig ist die Gewinnung erneuerbarer Energien in urbanen Strukturen deut- lich schwieriger. Wir brauchen also Lösungen für den städtischen Raum in Verbindung mit den ländlichen Gebieten, wo viel Fläche vorhanden und daher die Gewinnung erneuerbarer Energie leichter ist. Welche Herausforderungen leiten sich daraus für Städte ab und welche Arbeitsfelder ergeben sich für eine städ- tische Energieabteilung wie z. B. jene in Wien? Das erneuerbare Energiesystem und die städtischen Herausforderungen Zwei Lebensbereiche benötigen besonders viel Energie (in Städten rund 80 %): Da ist einerseits der Wärmebedarf unserer Gebäude für Heizung und Warmwasser und andererseits der Bereich Mobilität in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Diese Bereiche können durch Energie- und Stadtplanung besonders gut beeinflusst werden. Wir müssen dazu zuerst ein Bild des zukünftigen Energiesystems ent- werfen, das zu 100 % aus erneuerbaren Energiequel- len gespeist wird und das die vielfältigen Interessen der Bürgerinnen möglichst gut integriert. Es gibt Wünsche, die mit Selbstversorgung, Selbst- bestimmung und damit auch vielfältiger Nutzung zu tun haben. Stadt muss, will sie diesen Entwicklungen gerecht werden, völlig anders gedacht werden. Der Stadtteil der Zukunft wird - wie alte Städte - als mehr- dimensionaler lebendiger Raum mit Identität und Selbstversorgungsstrukturen geplant und errichtet. Energie ist dabei eines der Leitthemen. Wie können wir unseren Stadtraum gestalten, um möglichst viel Energie direkt vor Ort zu erzeugen? Wie können wir Energie speichern und damit unsere Unabhängigkeit weiter erhöhen? Wie können die Ressourcenströme in und aus dem neuen Stadtteil auf ein Minimum reduziert werden? Wie können wir maximal effizient sein? Dies führt zu einer der Kernfragen der Energiewende: Was bedeutet das für den Energiesektor und die großen Energieverbraucher in der Stadt der Zukunft? Neun Thesen für die zukünftigenHerausforderungen und Lösungsansätze im städtischen Raum verdeutli- chen die notwendigen Handlungsfelder: > Herausforderung Stadt Der komplette Umstieg auf erneuerbare Energie in städtischen Energiesystemen verlangt höchste Effizienz und den höchsten Innovationsgrad, um die Energiewende zu ermöglichen. Bernd Vogl Z 1 1 Ricky Burdett, Deyan Sudjic (Hrsg): Living in the endless City. The Urban Age Project, New York 2011, Seite 17
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