„nachhaltige technologien 1|2017"

5 4 > Kernfrage Speicherung Speicher werden integrativer Bestandteil der städ- tischen Energiesysteme. Die Baumassen der Gebäude, das Erdreich und das große Fernwärmesystem in der Stadt bieten ideale Voraussetzungen dazu. > Bestehende Infrastruktur Technologien, die bestehende Infrastrukturen nutzen, werden leichter in den Markt kommen und das zukünf- tige Energiesystem prägen. Photovoltaik ist das Bei- spiel im Heute, Wasserstoff im Gasnetz und „Power to Gas“ 2 können die Beispiele von morgen werden. Die Abschätzung dieser Entwicklung ist von besonderer Bedeutung für das städtische Energiesystem. > Innovationsmotor StädtebeherbergendiegroßenBildungseinrichtungen und verfügen über eine lebendige, vielfältige Struk- tur an Akteuren. Wir brauchen viele unterschiedliche Disziplinen für Innovationen und den bevorstehenden Wandel. > Erfolg Die Energiewende ist ein riesiger Zukunftsmarkt. Städte, die frühzeitig eine konsequente Nutzung erneuerbarer Energien bei höchster Effizienz und Innovation umsetzen, profitieren und sind weniger anfällig auf Krisen, da die Verfügbarkeit von Energie und Ressourcen die wirtschaftlichen Strukturen und Möglichkeiten einer Gesellschaft bestimmen. Erneu- erbare Energie ist regional und sicher verfügbar. Stadt neu denken Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, sind viel- fältige Anpassungen in den städtischen Systemen notwendig. Energie muss ein ständiger Begleiter in allen Prozessen in der Stadt werden und der Rahmen für alle Akteure entsprechend gesetzt werden. Hier spielt die Abstimmung von Stadtplanung und Ener- gieplanung eine entscheidende Rolle. Es braucht neue Ansätze und bereichsübergreifendes Denken in Wirtschaft und Verwaltung. Kooperationen über Bundesländergrenzen hinweg werden dabei zum Erfolgsfaktor. > Kooperation Stadt und Land Während früher das Holz für die Stadt im Umland produziert wurde, ist es heute in erster Linie Strom aus Wind- und Photovoltaikanlagen, der aus dem Um- land in die Stadt fließt. Wir brauchen neue Modelle der Kooperation und Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land. > Anpassung Städte müssen sich optimal an die schwankende Produktion aus erneuerbaren Energien – allen voran Wind- und Photovoltaikstrom– anpassen. Dazuwerden verschiedenen Technologien intelligent kombiniert und vernetzt. Der Bedarf an flexiblen Stromerzeugern wird steigen, fossile Grundlastkraftwerke sind in Zu- kunft nicht mehr notwendig. > Weniger ist mehr Für die Energiewende brauchen wir lebenswerte Städ- te, deren Gebäude mit sehr geringen Energiemengen betrieben werden können und die so organisiert sind, dass Wege mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden können. > Solare Städte An der Sonne orientierte Architektur und die mög- lichst verbrauchsnahe Produktion erneuerbarer Ener- gie ist besonders vorteilhaft. Solare Energieformen wie Photovoltaik, Solarwärme und Umgebungswärme mit geringem Energietransport-Aufwand und ohne Vorort-Emissionen sind besonders stadttauglich. Systeme wie z. B. Erdspeicher, Betonkernaktivierung oder Batterien kompensieren Schwankungen im Auf- kommen solarer Energien. LEITARTIKEL Mag. Bernd Vogl leitet die Abteilung für Energieplanung der Stadt Wien. Hauptaufgaben liegen in der Entwicklung einer Energierahmenstrategie und des Nachfolgeprogramms zum städtischen Energieeffizienz- programm sowie dem Renewable Action Plan Vienna. Der Aufbau einer integrierten Energieraumplanung sowie die Betreuung der Förderprogramme in den Bereichen Erneuerbare und Energieeffizienz sind weitere Schwerpunkte der Abteilung. 2 Überschussstrom aus Wind und PV-Anlagen wird zuerst mit Hilfe der Elektrolyse zu Wasserstoff. Dann wird aus Wasserstoff und CO 2 syntheti- sches Gas mit den gleichen Eigenschaften wie Erdgas erzeugt. 7 8 9 2 3 4 5 6 Foto: Magistratsabteilung 20, Wien (Steven Duchon)

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