„nachhaltige technologien 1|2018“

ei der Umsetzung der europäischen Klimaziele spielt der Energieverbrauch des Gebäudeparks eine zentrale Rolle. Der grosse Bedarf an fossiler Energie für Raumwärme und Warmwasser muss reduziert und zu einem wesentlichen Teil mit erneuerbaren Energien ersetzt werden. Eine zusätzliche Heraus- forderung stellt auch der steigende Bedarf an Kälte zur Gebäudeklimatisierung oder zur Prozesskühlung dar. In Arealen mit gemischter Nutzung, die sowohl einen Wärmebedarf von Wohnbauten als auch einen Kältebedarf von Gebäuden aus Industrie und Dienst- leistung aufweisen, kann dies aber durchaus eine Chance sein. Mit sogenannten „kalten Fernwärme- oder Anergienetzen“ könnenWärme- und Kältebezüge vernetzt und Synergien genutzt werden. Diese Netze werden auf einem Temperaturniveau von ca. 4 - 30°C betrieben und dienen als Quelle für dezentrale Wär- mepumpen oder Kältemaschinen. Wegen der kalten Temperaturen imNetz können günstige, nicht isolierte Leitungen verwendet werden, ohne dass viel Wärme verloren geht. Das umgebende Erdreich kann sogar als zusätzlich Wärmequelle imWinter und Kältequelle im Sommer agieren. Weil Wärme- und Kältebedarf saiso- nal versetzt auftreten, braucht es zusätzliche Quellen oder Speichermassen. Dazu kommen unter anderem See- und Flusswasser, Grundwasser oder grosse Erd- sondenfelder in Frage. Diese Erdsondenfelder kühlen durch den Wärmeentzug imWinter aus und werden im Sommer zur Kühlung von Bürogebäuden oder anderen Anwendungen mit grossem Kältebedarf genutzt. Eine Kältenutzung bedeutet für das Netz aber gleichzeitig einen Abwärmeeintrag, wodurch Erdsondenfelder wieder aufgewärmt werden und abermals für die Wärmenutzung im Winter zur Verfügung stehen. Diese Doppelnutzung macht solche Netze sowohl energetisch als auch ökonomisch interessant. Ferner ist die Erweiterbarkeit von Anergienetzen vergleichs- weise einfach zu realisieren, so dass ein sukzessiver und flexibler Ausbau eines Netzes nach Bedarf und städtebaulichen Veränderungen möglich ist. Einige dieser Netze wurden in der Schweiz in den letz- ten Jahren realisiert oder befinden sich momentan im Bau. Bekannte Beispiele sind das Anergienetz Naters (Hauptenergiequelle: Grundwasser), das Genève lac nations (Hauptenergiequelle: Seewasser) oder die ETH Hönggerberg, das „Suurstoffi“ Areal in Rotkreuz oder die Familienheim-Genossenschaft (FGZ) in Zürich (Hauptenergiequelle: Erdsonden). Das Netz der FGZ in Zürich wird im folgenden Abschnitt beispielhaft vorgestellt, um die wichtigsten Eigenschaften und das Potential von Anergienetzen aufzuzeigen. B Quelle: F. Ruesch, SPF. Panorama: © GoogleEarth Florian Ruesch Anergienetze als Chance zur Dekarbonisierung der Energiesysteme 13 12 NETZGEBUNDENE WÄRMEVERSORGUNG Kühlung/Abwärme Wärmepumpe Erdsondenfeld Warm-/Kaltleiter

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