„nachhaltige technologien 1|2018“

Foto: www.lichtecht.de 19 18 NETZGEBUNDENE WÄRMEVERSORGUNG ernwärme ist seit vielen Jahrzenten eine effiziente und bewährte Wärmeversorgungstechnologie im urbanen Raum. Die Wärme wurde bislang zu einem großen Teil durch Wärmeauskopplung aus kalori- schen Kraftwerken in Kombination mit fossil befeu- erten Heizwerken bereitgestellt. Daneben entstanden vor mehr als 35 Jahren in Österreich die ersten Biomasse-Nah- und Fernwärmeanlagen, die auch für kleinere Städte und Gemeinden eine leitungsgebun- dene Wärmeversorgung ermöglichen. Getrieben von hohen Fossilenergiepreisen, einem zunehmenden Umwelt- und Klimabewusstsein und dem Streben nach mehr Unabhängigkeit bei der Energieversor- gung wurde die Technologie in Österreich (> 2.000 Anlagen) und vielen anderen Ländern zum Trend. Ein österreichweites Qualitätsmanagementprogramm für Biomasse-Nahwärmeanlagen (qm heizwerke) sorgt für eine qualitativ hochwertige Planung und technische Ausführung, um einen langfristig effi- zienten Anlagenbetrieb, niedrige Betriebs- und War- tungskosten und eine lange Anlagenlebensdauer bei gleichzeitig geringen Emissionen sicherzustellen. Das ursprünglich in der Schweiz konzipierte Qualitätsma- nagementsystem wird von der Arbeitsgemeinschaft QM Holzheizwerke (Ch, DE, AT) laufend weiterentwi- ckelt. AEE INTEC ist im Rahmen von „klimaaktiv“, einer Initiative des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus für das Management und die Umset- zung in Österreich zuständig. Die EU sieht die Fernwärme- und -kälteversorgung als eine der Schlüsseltechnologien der Energiewende und definiert entsprechende Szenarien dafür 1 . Fernwärme zählt auch zu den Eckpunkten der Energiestrategie Österreich 2 und der dort definierten Strategiesäulen - Steigerung der Energieeffizienz, Ausbau Erneuer- barer Energien und langfristige Sicherstellung der Energieversorgung. Technologie im Wandel Die primäre Anforderung an Nah- und Fernwärme ist die Bereitstellung einer leistbaren, sicheren und für aktuelle und zukünftige technische, wirtschaftliche und politisch/gesellschaftliche Rahmenbedingungen geeignete (resiliente) Energieversorgung, die auch ökologisch vertretbar und klimaschonend ist. Aktuelle Herausforderungen betreffen insbesondere die For- cierung erneuerbarer Wärmequellen in städtischen Fernwärmenetzen, den sinkenden Wärmebedarf von Neubau- und thermisch sanierten Bestandsobjekten und die daraus resultierende Versorgung von Gebieten mit niedrigen Wärmedichten und die Reduktion von Übertragungsverlusten. Um dem gerecht zu werden, ist eine Weiterentwicklung der klassischen Nah-und Fernwärmetechnologie hin zu flexibleren und intelli- genten Systemlösungen inklusive der Kopplung mit anderen Ver- und Entsorgungsnetzen (Strom, Gas, Abwasser) zur Steigerung der Gesamteffizienz und Wirtschaftlichkeit sowie zur Reduktion von CO 2 - Emissionen zukünftiger Energiesysteme erforderlich. Eine Vielzahl an F&E-Projekten und die zunehmende Umsetzung innovativer Demonstrationsprojekte zeu- gen davon, dass der Wandel längst im Gange ist. Diversifizierung der Wärmebereitstellung Im Hinblick auf eine CO 2 -Reduktion und den res- sourcenschonenden Einsatz von Energieträgern ist auch eine Diversifizierung der Wärmebereitstellung, F Harald Schrammel, Sabrina Metz 1 Connely et al. “Heat Roadmap Europe: Combining DH with heat savings to decarbonise the EU energy system”, Energy Policy, Vol 65, Februar 2014, Seite 475–489. 2 BMWFJ, BMLFUW, 2010, Eckpunkte der Energiestrategie Österreich. Diversifizierung von Nah- und Fernwärmeanlagen Foto: aste Energy/Christoph Aste

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