„nachhaltige technologien 1|2018“

ie Menschheit kann nicht in einer Ressourcen verschwendenden Art weiterleben, wie wir es besonders seit Mitte des 19. Jahrhunderts - mit der beginnenden Industrialisierung - ge- tan haben. Wenn wir noch in 100, 200 Jahren in einer hochtechnisierten Ge- sellschaft leben möchten, wird dies nur möglich sein, wenn wir von der heutigen Ressourcenverschwen- dung auf Nachhaltigkeit umschalten: Nachhaltigkeit bei der Nutzung unserer begrenzten, mineralischen Ressourcen, Luft, Wasser, Landnutzung, besonders auch Energie. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wandelt die Mensch- heit bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas seit Jahrhundertmillionen in der Erde gespeicher- ten Kohlenstoff in gasförmiges CO 2 um, das in die Atmosphäre entlassen wird. Daher hat der CO 2 Ge- halt der Atmosphäre begonnen zu steigen - heute liegen wir bei über 400 ppm, einem Wert, den die Erde seit mindestens 2 Millionen Jahren nicht erlebt hat. Wir stehen vor der großen Gefahr, durch diesen menschenverursachten Anstieg des CO 2 -Gehaltes das Klimasystem der Erde aus der Balance werfen. Auf der Pariser Klimakonferenz COP-21 einigten sich daher die Staaten der Erde darauf Anstrengungen zu unterneh- men, um den Anstieg der Temperatur auf 1,5 - 2 Grad zu begrenzen. Dies erfordert eine rasche Reduktion des CO 2 -Ausstoßes, der besonders im Energiesektor beeinflusst werden kann, solange wir unsere Ernäh- rungs- und Lebensgewohnheiten nicht ändern. Reduktion des CO 2 -Ausstosses im Energiesektor kann durch zwei Maßnahmen erreicht werden: Erhöhung der Energieeffizienz sowie Erhöhung des Anteils der de- karbonisierten Energien am Energiemix. Kernenergie bietet keine Alternative: Die konkrete Gefahr der Freisetzung großer Mengen an radioaktivem Material bei Unfällen oder unsachgemäßer Endlagerung des radioaktiven Abfalls sowie auch die immer höher kletternden Kosten neuer Kernkraftwerke schließen diese Option aus. Daher bleibt nur der Weg, fossile Energieträger schnellstmöglich durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Hier stellt sich die Frage: Wie lässt sich der Fortschritt der Menschheit wie auch einzelner Staaten, Regio- nen und Gemeinden auf diesem Weg der globalen Transformation des Energiesystems quantitativ verfolgen? Die Wirtschaftskrisen der letzten Jahr- zehnte zeigten, dass der CO 2 -Ausstoß sehr eng an das Wirtschaftswachstum gekoppelt ist: wachsende Wirtschaft bedeutet steigende CO 2 -Emissionen, jede Wirtschaftskrise führt zu einer Abflachung oder sogar Verringerung dieser Zahl. Daher ist der Umfang der CO 2 - Emissionen allein keine gute Messzahl, um Fort- schritte bei der Transformation des Energiesystems zu verfolgen. Der Energy Transformation Index ETI Angeregt von einer graphischen Darstellung aus dem Jahr 2011 von Knut Kübler 1 , heute Pensionär des Bundeswirtschaftsministeriums, entwickelte Gerhard Stryi-Hipp zusammen mit mir am Fraunhofer Insti- tut für Solare Energiesysteme ISE einen Index, der transparent ist, leicht nachzurechnen, und der es D 1 Knut Kübler, BMWi, Forschungsverbund Erneuerbare Energien Jahrestagung 2011 Eicke R. Weber Wie weit sind wir bei der Transformation des Energiesystems — und wie können wir diese messen?

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