"nachhaltige technologien" 1|2020

Daher müssen Simulationen des technischen Sys- tems und Wirtschaftlichkeitsberechnungen stets Hand in Hand gehen und mit den Energieversorgern abgeglichen werden. Ein weiteres wichtiges Kriterium für die Zukunfts- sicherheit von Investitionen in Fernwärmesysteme sind mögliche Auswirkungen einer steuerlichen Belastung von CO 2 -Emissionen bei der Wärmeer- zeugung. Obwohl diese in Österreich noch nicht umgesetzt wurden, sind diese Emissionssteuern bereits in einigen Ländern in der EU Realität (2019: Schweden 115 Euro/t, Finnland 62,50 Euro/t, Dänemark 23 Euro/t 1 ). Zur Darstellung der Wärme- gestehungskosten für die erarbeiteten Konzepte bis hin zu 100 % Erneuerbare unter Einbindung von Großsolaranlage, Tank- und / oder Erdbeckenspeicher sowie Absorptionswärmepumpe wurden Sensitivi- tätsanalysen durchgeführt. Bei einer Betrachtung für Mürzzuschlag ergab sich, dass eine Erhöhung des Anteils der Erneuerbaren von 69 % von 86 % durch die Verdrängung des fossilen Energieträgers Gas eine Steigerung der Wärmegestehungskosten von 9 % zur Folge hätte. Ab einer CO 2 -Steuer von 50 Euro / t CO 2,eq haben die untersuchten Konzepte jedoch einen ge- ringeren Wärmepreis als die Fortsetzung des Status quo (siehe nachfolgende Abbildungen). Fazit Das Potenzial für die Dekarbonisierung der Wärme- versorgung ist in den untersuchten Gebieten enorm und die Umsetzung solcher Konzepte in naher und mittlerer Zukunft eine Realität. Durch die zunehmen- de Wichtigkeit von nachhaltiger Wärmeversorgung besonders im urbanen Bereich ist ein steigender Marktanteil der hier diskutierten Konzepte vorher- sehbar. Langzeitwärmespeicher, (Groß-)Wärmepumpe und solare Großanlage bzw. Kombinationen davon sind bereits jetzt technisch und ökonomisch interessante Optionen, die besonders bei Einführung einer CO 2 - Steuer noch mehr Bedeutung gewinnen werden. Dies zeigen auch unlängst gestartete Forschungsprojekte mit starker Industriebeteiligung, wie „gigaTES – Saiso- nale Speicher zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien für Distrikte“ und „Thermaflex – Wärmebe- darf und Wärmeversorgung als flexible Elemente in zukünftigen nachhaltigen Energiesystemen“, sowie erste Umsetzungen wie in Mürzzuschlag. Dipl.-Ing. Carles Ribas Tugores ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gruppe „Netzgebundene Energieversorgung und Systemanalysen“ bei AEE INTEC. c.ribastugores@aee.at Dr. Ingo Leusbrock ist Leiter der Gruppe „Netzgebundene Energieversorgung und Systemanalysen“ bei AEE INTEC, i.leusbrock@aee.at 1 https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/co2-steuer-in-mehre- ren-eu-laendern-laengst-standard,RVyr5aE (abgerufen am 14.2.2020) Weiterführende Informationen / Links im E-Paper https://www.aee-intec.at/urban-district-heating-extended-flexibilisierung-und-dekarbonisierung-urbaner-fernwaermesysteme-p197 https://www.gigates.at/index.php/de/ Darstellung der Wärmegestehungskosten als Funktion der CO 2,eq -Emissionen für den Status quo sowie drei Ausbauszenarien. Der Status quo dient als Referenzwert. Darstellung der Wärmegestehungskosten als Funktion einer CO 2,eq -Steuer für den Status quo sowie drei Ausbau- szenarien. Der Status quo dient jeweils als Referenzwert. 1,1 1,08 1,06 1,04 1,02 1 0,98 Gesamt-Emission CO 2,eq in Tonnen / a Relative Wärmegestehungskosten im Vergleich zum Status Quo 2.750 2.950 3.150 3.350 3.550 3.750 3.950 4.150 15.000 m² Solar, 35.000 m³ PTES, 1 MW AWP 10.000 m² Solar, 20.000 m³ PTES, 0, 5 MW AWP 5.000 m² Solar Status Quo 2017/18 150 Euro/ Tonne CO 2,eq 100 Euro/ Tonne CO 2,eq 50 Euro/ Tonne CO 2,eq 30 Euro/ Tonne CO 2,eq 0 Euro/ Tonne CO 2,eq 80 % 90 % 100 % 110 % 120 % 15.000 m² Solar, 35.000 m³ PTES, 1 MW AWP 10.000 m² Solar, 20.000 m³ PTES, 0,5 MW AWP 5.000 m² Solar Status Quo 2017/18 25 24 THERMISCHE ENERGIETECHNOLOGIEN UND HYBRIDE SYSTEME

RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2