„nachhaltige technologien 01 | 2021"

Markt braucht Koordination Das Beispiel Salzburg zeigt, dass der Markt alleine diese Herausforderungen nur unzureichend auflösen kann. Die Koordination der Anstrengungen von Bund und Ländern über die Wärmestrategie kann insofern nicht hoch genug geschätzt werden. Gefordert sind im Sinne einer effektiven Multi-Level-Governance alle Ebenen, wobei den Ländern eine besondere Rolle zukommen wird. Mit dem Baurecht und der Raumordnung liegen die beiden Schlüsselkompeten- zen in deren Händen. Doch auch über die rechtliche Basis und die damit verbundenen Planungsprozesse hinaus liegen die wichtigsten Komponenten für eine effektive Energieplanung im Bereich der Länder. Einerseits die Inputdimension: Die Länder verwalten den Großteil der Datenquellen, welche für eine grund- stücksscharfe Planung notwendig sind. Andererseits die Outputdimension: Geoinformationen werden in landeseigenen GIS bereitgestellt. Zusammenfassend kann deshalb aus Sicht der Autoren eine räumliche Energieplanung nur über die Landesregierungen effektiv implementiert werden. Ihre diesbezügliche Verantwortung nehmen die Bundesländer Wien, Steiermark und Salzburg ernst und arbeiten in einem Projekt im Rahmen der Vor- zeigeregion Energie GREEN ENERGY LAB seit 2017 gemeinsam an der Implementierung räumlicher Energieplanung. Das Projekt Spatial Energy Planning hat sich die Schaffung aller nötigen Grundlagen für die räumliche Energieplanung zum Ziel gesetzt. Die zentralen Elemente sind dabei der ENERGIEatlas – kartographische Informationslayer zu Energiebedarf, Energieversorgungsinfrastrukturen und erneuerbaren Energieversorgungspotentialen - und die darauf auf- bauenden automatisierten Analysen für definierte Verwaltungsprozesse. Die Verknüpfung einer Vielzahl von Basisdaten mit einer bis zu dreistelligen Anzahl an Datenquellen je Bundesland schafft mit fundier- ten wissenschaftlichen Modellen und Methoden eine neuartige und umfassende Planungsgrundlage, die sowohl als kleinste räumliche Auflösung das einzelne Gebäude als auch konsistent andere Ein- heiten wie Areale, Gemeinden, Regionen und Länder abbilden kann. dazu, dass sich 2017 und 2018 gemeinsam jeweils knapp 75 Prozent zu etwa gleichen Anteilen für eine dieser Technologien entschieden haben. Eine nähere Betrachtung der Implikationen lohnt: 1. Wärmepumpe: Beim Einsatz einer Wärmepumpe bedeutet die Wärmewende auch eine Stromwende. Österreich ist im Winter bereits heute massiv auf Importe von fossil erzeugtem Strom angewiesen, sodass der Strommix zur Hauptheizperiode in Österreich meist zwischen 250 und 300g CO 2 /kWh liegt (vgl. electricitymap.org ). Soll eine nachhaltige Elektrifizierung des Wärmesektors gelingen, bedarf es zusätzlichen erneuerbaren Stroms. Die Systemwahl ist mitentscheidend dafür, wie hoch dieser zusätzli- che Bedarf ausfällt. So weisen Luftwärmepumpen einen in etwa 40% höheren Strombedarf aus als Grundwasser-Wärmepumpen. Im Winter kann dieser Bedarf aufgrund des Ertrags nur durch Windkraft gedeckt werden. Die Diskussion um die dafür benö- tigten Standorte ist bekannt und das oben erwähnte Beispiel Burgenland zu diesbezüglichen rechtlichen Regelungen bildet die Eisbergspitze eines Trends, der sich mit zunehmendem Ausbau verschärfen wird. Bei der elektrifizierten Wärmewende ist darauf zu achten, das jeweils geeignetste System zu forcieren, um die Herausforderungen im Bereich der Stromwen- de auf ein bewältigbares Minimum zu reduzieren. 2. Fernwärme: Die Fernwärme ist durch die Mög- lichkeit zur Integration verschiedenster erneuerbarer Energieträger ein Schlüssel für die nachhaltige Wärmeversorgung und stellt insbesondere für den Heizungswechsel im Bestand ein vorteilhaftes System dar. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass gerade die Schaffung eines Angebots zum Anschluss von den KundInnen als Wechseloption wahrgenom- men wird, selbst wenn das fossile System noch keiner Erneuerung bedürfte. Gleichzeitig ist diese Option nur begrenzt verfügbar, da die wirtschaftliche Erschließung auf eine Mindestnachfrage angewiesen ist. Deshalb gilt es, die leitungsgebundenen Energie- träger Fernwärme und Gas ganzheitlich zu planen. Mit dem Ziel einer maximalen Ausdehnung von mit Fernwärme versorgten Gebieten ist die notwendige Abnahmedichte sicherzustellen. Dazu bedarf es ei- nerseits der notwendigen baulichen Dichte. Anderer- seits sind andere (auch nachhaltige) Heizsysteme im Netzgebiet zu vermeiden. Ohne eine räumliche Koordination, die dafür sorgt, dass am jeweiligen Ort die jeweils bestgeeignete Technolo- gie zum Einsatz kommt und die auch den Stromsektor mitdenkt, kann die Wärmewende nicht gelingen. Automatisierte Berichte mit den für den spezifischen Planungszweck notwendigen energiebezogenen Informationen in den Bundesländern Salzburg, Wien und Steiermark 7 6 ENERGIERAUMPLANUNG

RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2